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Paul Verlaine - Dirnchen

Scott Cumming - piquant2 (copyright Scott Cumming)



Dirnchen


Ist 'ne Bouchersche Häßlichkeit
Ohne Puder in den Haaren,
Toll blond, und voll süßer Gefahren
Ihr Gang wollüstig und weit.


Vor allen doch wähn' ich sie mein,
Diese kußüberflutete Mähne,
Diesen Goldstrom umschlungener Strähne,
Der in Brand steckt all mein Gebein.


Das ist mir viel mehr noch, fürwahr,
Das schlägt wie ein Gürtel von Flammen
Um die heilige Pforte zusammen,
Dies göttliche, goldige Haar.


Ja, wer könnte singen den Leib
Wenn nicht ich, ihr Poet und Geweihter,
Ihr Herr und ihr Sklav, ihr bereiter,
Der sich reulos verschriebe dem Weib?


Ihren Leib süß, selten und fein,
Milchhell wie die Rose, die weiße,
Wie die Lilie rosig, die weiße,
Unter Himmeln von purpurnem Schein.


Schöne Schenkel und Brüste so fest,
Rücken, Lenden und Leib eine Feier
Für Augen und Hände dem Freier,
Für den Mund und die Sinne ein Fest.


Kleiner Schatz, laß uns sehn, ob im Bett
Hinterm roten Rideau vor Entzücken
Sich die Zauberkissen verrücken
Und das närrische Zeug. O zu Bett!


aus: Weltlyrik, Ein Lebenskreis, Nachdichtungen von Karl Henckell, Die Lese Verlag, München, 1910








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Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
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Um’s irdische Sein sich zäh’ und gier’gen Dranges;
Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
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Doch dir, o Tod, naht selten nur ihr Fragen,
Sie lieben’s nicht, den Geist dir zuzuwenden,
Und deinen Namen nennt nicht gern die Lippe;
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Und schreckhaft gleich dem Haupte der Gorgone
Schaffst du…

Pierre Louys - Rosen in der Nacht

ROSEN IN DER NACHT


Wenn die Nacht am Himmel aufsteigt,
ist die Welt unser und der Götter.
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vom dunkeln Wald nach der Lichtung, wo-
hin uns unsre bloßen Füße führen.

Die Sternlein funkeln genugsam für die klei-
nen Schatten, die wir sind. Manchmal fin-
den wir unter den niederhangenden Zweigen
schlafende Hirschkühe.

Doch zauberischer in der Nacht als alles andre
ist ein Ort, von uns allein gekannt, der uns mäch-
tig auf sich zieht durch den Wald: ein Gebüsch
geheimnisvoller Rosen.

Denn nichts ist göttlich auf der Erde, verglichen
mit dem Duft der Rosen in der Nacht. Wie
kam es nur, daß ich damals, als ich allein war,
mich nicht davon berauscht gefühlt.

Aus: Pierre Louys, Lieder der Bilitis, Übertragen von Richard Hübner, J. Zeitler Verlag, Leipzig, 1901. Illustration von George Barbier

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt


Ich bin der Sturm, der über dich braust,
Du schönste der Edeltannen.
Ich halte dich fest in krampfender Faust
Und trage dich hurtig von dannen.

Schweratmend ruhst du, selig glühende Frau,
Auf meinen bebenden Armen.
Aus deinen Haaren küss' ich den Tau,
Und fühle ein wildes Erwarmen.

Warm über die zuckenden Glieder rinnt
Der rieselnde Mainachtsregen,
Und die Liebe überschauert dich lind
Mit ihrem süßesten Segen.

Und wärst du der Teufel und wärst du der Tod,
Ich will dich umschlingen und pressen
Und das lachende Glück und die wimmernde Not
Und die eigene Seele vergessen.


Aus: Chorus eroticus, Neue deutsche Liebesgedichte, Herausgegeben von Karl Lerbs, Rainer Wunderlich Verlag, Leipzig, 1921