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Mara Belcheva - Die Höfe des Schweigens

Mara Betschewa - Die Höfe des Schweigens 



Stumm liegen sie am Ende der Alleen,
Des Schweigens Höfe, dämmerlichtumflossen.
Die hohe Pforte ragt, und vor ihr stehn
Zwei Föhren Wache, wortlose Genossen.

Wer kehrte vor mir in die Höfe ein?
Die Pforte hat sich hinter ihm geschlossen.
Die Vesperglocke tönt im Abendschein 
Ihr Klang verweht, ins Weite ausgegossen.

In seinen Todeszügen liegt der Tag.
Mein Herz zuckt schmerzvoll, müde und verdrossen.
Das Glöckchen tut den letzten, leisen Schlag.
Die stillen Höfe dunkeln nachtumflossen.


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Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
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Frank Wedekind - Das arme Mädchen

Das arme Mädchen

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Theodor Kirchhoff - Die Opfer des Sees Tahó

Die Opfer des Sees Tahó.1
Ein gewaltiger Sturm mit Hagel und Schnee
Kam durch Nevada gezogen,
Und donnernd rollte der Alpensee
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Dem Himmel nah' sich gebettet hat.
In stolzer Ruhe ragten empor
Ringsum die schneeigen Gipfel,
Derweil sich neigten, wie schmächtiges Rohr,
Der Föhren ächzende Wipfel,
Und die Wolken flogen, und Windes Wut
Aufpeitschte die gischtumsprühete Flut.
Kein Tag für Touristen! — rief ungeschlacht
Der Kutscher mit grimmigem Fluchen,
Der übers Gebirge mich hergebracht,
Der Sierra Meer zu besuchen —
Nicht um Millionen beführ' ich so
Im Sturm, wie heute, den See Tahó! —
Ein wettergebräunter Dampferpilot,
Der von Glenbrooks fernem Gestade
Soeben gelandet im letzten Boot —
Nur schwer, mit zerbrochenem Rade,
Erreichte den Port es — trat an den Strand,
Wo, die wilden Wasser betrachtend, ich stand.
Gerad' so ein Tag war's letztes Jahr —
So sprach er — da band von den Sprossen
Der Leiter hier eine lärmende Schar
Von sieben verweg&#…