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Versunkenes Träumen - Kurt Tucholsky

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Versunkenes Träumen


Lieblich ruht der Busen, auf dem Tisch,
jener Jungfrau, welche rosig ist und frisch.

Ach, er ist so kugelig und gerundet,
daß er mir schon in Gedanken mundet.

Heil und Sieg dereinst dem feinen Knaben,
dem es freisteht, sich daran zu laben.

Jener wird erst stöhnen und sich recken;
aber nachher bleibt er sicher stecken.

Heirat, Kinder und ein häusliches Frangssäh –
nichts von Liebesnacht und jenem Kanapee …

Ich hingegen sitz bei ihren Brüsten,
und – gedanklich – dient sie meinen Lüsten.

Doch dann steh ich auf und schlenkre froh mein Bein,
schiebe ab,
bin frei –
und lasse Jungfer Jungfer sein! –aus: Theobald Tiger, Fromme Gesänge, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919, S. 105

Walter Rheiner - Sohn der Welt

Sohn der Welt

Als ich trübe war
und auf matte und leblose Dinge blickte —
Schönheit kam zu mir,
Schönheit floß und umhüllte mich ganz und gar.

Tänzerisch kam oft das Leben und drückte
mich in die Knie vor mancher Tür;
eine Frau mit blondem und schlafendem Haar,
deren Mund mich in Buchten des Traumes schickte,
lächelnd trat sie wunderbar
und milde wandelnd herfür.

Nicht soll mich Wirklichkeit noch beirren —
(— seh ich nun klar? —)
Leben ist: leben in tausend Wundern.
immer ferneren, immer buntern!
Allem was ist, allem was war,
seltsamer Knoten, nicht zu entwirren,
bin ich, heute und immerdar!

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In den kommenden Tagen werden noch mehr Gedichte von Walter Rheiner veröffentlicht werden.

Friedrich Schiller - Der Satyr und meine Muse.

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Alexandre Cabanel - Satyr und Nymphe
Ein alter Satyr spukte
Um meine Muse, die
Umherzog und begukte
Durch eine Brille lüstern sie.

Bei Phöbus goldner Fakel,
Bei Lunas bleichem Licht,
Schlich um ihr Tabernakel
Der arme spizgeöhrte Wicht,

Und trillte manches Liedel
Zu ihrer Schöne Preiß,
Und strich auf seiner Fiedel
Wol manche fürchterliche Weis'.

Und seine Augen schwollen
Von Thränen Nüsse groß,
Und seine Seufzer schollen
Wie Lieder von Silenus Roß.

Die Muse saß und spielte
In ihrer Grotte drinn,
Sah grämlich aus, und schielte
Auf Herrn Adonis Boksfuß hin.

Dich garstigen Pedanten!
Wer dich auch küssen soll!
Spielst du nicht den Galanten
Wie Meister Midas den Apoll?

Sprich alter Hörnerträger!
Was ist scharmant an dir?
Schwarz bist du wie ein Neger,
Rauch bist du wie ein Zottenthier.

Mich liebt ein junger Sänger,
Fern im Teutonenland,
An ihn den Saitenschwinger
Knüpft mich ein ewig Liebesband.

Sie sprachs und husch! und wischet
Dem Räuber aus, er nach,
Von Amorn angefrischet,
Und hasc…

Das unentschlossene Mädchen

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Im stillen denk ich oft bey mir,
Ein Mann ist seines Weibes Zier,
Er ist des Weibes größte Freude,
Und zum Vergnügen leben beyde;
Doch fällt mir auch daneben ein,
Oft ist der Mann des Weibes Pein,
Oft setzt er sie mit Fleiß in Flammen;
Zum Unglück leben sie beysammen.Sir Riechholz putzt sich nur aus Pflicht,
Er hat ein allerliebst Gesicht,
Zwey goldne Uhren in der Taschen,
Und immer volle Rosenflaschen;
Doch denk ich etwas weiter nach,
Was er vor einer Stunde sprach,
So ist ein schön geputzter Kopf,
Nichts, als ein leerer Narrentopf.Sir Reichmann hat, was stets gefällt,
Ein Rittergut, viel baares Geld;
Er kann von seinen Zinsen leben,
Und Geld auf Hypotheken geben;
Doch ist Sir Reichmann jung und schön,
Den Werth des Reichthums zu erhöhn?
Besitzt er auch der Seele Reize?
Nein, die bestehn nicht mit dem Geize.Sir Heilburg ist ein frommer Pursch,
Er spielt den heiligen Hanswurst,
Er fastet oft, und bethet immer,
Und ein Capellchen ist sein Zimmer,
Doch gibts noch manche Männerpflicht,
Die findet er im Cubach nic…

Dichtungen von Maria Mnioch bei ngiyaw eBooks

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Dichtungen von Maria MniochHeute und morgen Abschluß des Specials mit vier weiteren Dichtungen und dem Faksimile Zerstreute BlätterBesuchen Sie ngiyaw eBooks

Alles kehret wieder, was wir geliebt mit reinem Herzen, was als gut und schön sich unserm Geist vermählte. Maria Mnioch, geb. Schmidt


Das unmenschliche Streben zum Ziel der Menschheit

Pygmalion und Elise

Launen des Himmels

Dir, an deinem Geburtstage (Den 13. Oct. 1796)




Bitte an die Weisheit.



Liebe.



Glaube.



Furcht und Hoffnung.



Trauriger Wechsel.



Kindesthränen.



Frühlingsabend.



Trübe Tage.

Maria Mnioch - Gedichte

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An die K. R. R*b*s zu D. (In einem freundschaftlichen Andenkens-Briefe zum neuen Jahr 1797.)
Nimmer vergeß ich das Bild der weiblichen Anmuth und Würde,
Das in Dir ich erblickt, das vor der Seele mir schwebt.
Häusliche Grazie, sie des Lebens süße Gefährtin, –
O ihr köstlich Geschenk giebt sie so Wenigen nur! –,
Mit dem sanften Herzen die frohe Laune, den heitern
Geist des trauten Gesprächs, welches belehrt und erfreut;
Jene natürliche Kunst, die zu dem Größten mit Würde
Jetzt sich erhebt, und jetzt auch das Kleinste verschönt. –
Freundlicher Lebenssinn mit Lebensweisheit gepaaret,
O erreich’ ich dich nie, bleibst du doch ewig mein Ziel!


Nachschrift.
Statt eines Wunsches für Sie, verehrungswürdige Freundin, überreiche ich Ihnen hier einen Wunsch für mich selbst, oder besser, den Vorsatz meines Lebens. Sie entdecken vielleicht darin, wie sehr mein Herz Sie verehrt und leibt. Bleiben Sie uns noch lange, als das schöne Muster jüngerer Frauen. Wir bedürfen eines solchen Musters, und verdiene…

Francisca Stoecklin

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Venus

O Tag der Gnade,
Sieg des frühlinghaften Glänzens!
Da sich das Meer
in dich hineingeliebt,
die schlankste Welle
deine Anmutslinie zog.
Und dann ihr kluges Spiel
auf ewige Zeit
in deine Adern sang,
damit du sein Geheimnis
großen Liebenden erhältst.

Ihr Priesterinnen,
die in Venus Zeichen flammt,
fühlt oft die Sehnsucht
schmerzend nach dem Meere,
und in den höchsten Liebesfesten
Tod und Todesangst.

Du aber Göttin
schwebst unsterblich,
lächelnd über allem -
und mit bestrickender Gebärde
hält deine Hand
die rosige Muschel
des Verschenkens.
Himmel und Qualen
der Jahrtausende!

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Illustration: Sandro Botticelli - Venus - detail

Frauengestalten - Rosamunde - Johann Georg Fischer

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Zur Geschichte von Rosamunde:

Frauengestalten aus: Den deutschen Frauen, Gedichte von J. G. Fischer, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Stuttgart, 1869 - Rosamunde 

Alboin, Langobardenkönig 566–573, Sohn des Audoin und der Rodelinda; seine Geschichte ist durch die von Paul, dem Sohne Warnefrieds, uns überlieferte langobardische Heldensage noch mehr verhüllt als geschmückt. Schon in den pannonischen Sitzen der Langobarden (seit 526) zeichnete er sich wiederholt unter der Regierung seines Vaters in den blutigen Kämpfen mit den Gepiden aus: als König vernichtete er im Bunde mit den Avaren im J. 567 in blutiger Schlacht den größten Theil des gepidischen Volksheeres und zwang den Rest zur Unterwerfung; er hatte den Gepidenkönig Kunimund mit eigener Hand erschlagen, sich aus dessen Schädel eine Trinkschale fertigen lassen und dessen Tochter Rosimunda zum Weibe genommen (da seine erste Gattin Chlodosvintha, die Tochter des Frankenkönigs Chlothachar, gestorben war). So die Sage. In dem Kampf g…

Frauengestalten - Cleopatra - Johann Georg Fischer

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Gedichte über Frauengestalten von Johann Georg Fischer, der gestern seinen 193. Geburtstag feierte.  25. Oktober 1816, Groß-Süßen, Württemberg -  4. Mai 1897, Stuttgart

Frauengestalten aus: Den deutschen Frauen, Gedichte von J. G. Fischer, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Stuttgart, 1869 - Cleopatra


Kleopatra VII. Philopator (* 69 v. Chr.; † 12. August 30 v. Chr. in Alexandria) herrschte als letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches und zugleich als letzter weiblicher Pharao von 51 v. Chr. bis 30 v. Chr. In den ersten vier Jahren regierte sie zunächst gemeinsam mit ihrem Bruder Ptolemaios XIII., der 47 v. Chr. im Alter von 14 Jahren verstarb, später mit anderen männlichen Mitregenten, da unter der Garantie Roms gesetzliche Regelungen eine Doppelbesetzung des Thrones vorsahen. Von den Königinnen gleichen Namens ist Kleopatra VII. die bekannteste.
Sie wollte ihr Reich konsolidieren und ausbauen, konnte dieses Ziel aber nicht gegen die Weltmacht Rom durchsetzen. Daher gewann sie die…

Frauengestalten - Calpurnia - Johann Georg Fischer

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Gedichte über Frauengestalten von Johann Georg Fischer, der heute seinen 193. Geburtstag feierte. 25. Oktober 1816, Groß-Süßen, Württemberg -  4. Mai 1897, Stuttgart

Frauengestalten aus: Den deutschen Frauen, Gedichte von J. G. Fischer, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Stuttgart, 1869 - Calpurnia

Calpurnia (um 77 v. Chr. in Rom geboren, wo sie auch verstarb) war die dritte oder vierte und letzte Ehefrau des römischen Politikers und Diktators Gaius Iulius Cäsar.
Calpurnia war die Tochter des römischen Senators Lucius Calpurnius Piso Caesoninus. Im April 59 v. Chr. wurde sie zur letzten Ehefrau Caesars, der in diesem Jahr zum ersten Mal das Konsulat bekleidete. Wie in der römischen Oberschicht üblich, diente die Heirat zur Festigung einer politischen Verbindung, die Calpurnias Vater die Wahl zum Konsul für das darauffolgende Jahr erleichterte. Gleichzeitig wurde auch Caesars Tochter Iulia mit dem wesentlich älteren Gnaeus Pompeius Magnus verheiratet, um auch die Beziehungen der beiden da…

Religionsunterricht - Eine gute Tochter (1891)

Eine gute Tochter (1891)

Ein Priester aus Viel-Schnelle
Der sprach einst von der Hölle.
Er meinte, dass es Tag und Nacht
Gar schrecklich prasselt, brummt und kracht.
Er schilderte den Höllenbrand,
Dass jedes Kind ihn wohl verstand.

Des Kohlenhändlers Töchterlein,
Die sprach zum Pfarrer naiv und fein:
»Wenn in der Hölle Tag und Nacht
Das Feuer brennt, dass alles kracht,
Und wenn der Teufel so gut zahlt,
Wie Ihr die Sache ausgemalt,
So sagt ihm, dass er seine Kohlen
Bei meinem Vater möge holen.«
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Josef Schiller - Die Schranke der Freiheit

Die Schranke der Freiheit (1869)
So wie ein Strom der dunklen Kluft enteilet
Und Segen spendet über Flur und Feld,
So wie der Sturm die dunklen Wolken teilet,
So braust das Wort der Freiheit durch die Welt.

Das Wörtchen »frei« beseelt die schöne Erde,
Denn alles Große fasst dies kleine Wort,
Und nur den Menschen kostet es Beschwerde,
Sie haschen nach dem Worte fort und fort.

Sie kämpfen um das Wort und wenn sie’s haben,
Dann ist es nicht so schön, wie sie gedacht,
Dann sind es nicht die schönen goldnen Gaben,
Wovon sie träumten in vergangner Nacht.

Die Freiheit ist das Höchste hier auf Erden,
Das Beste, was der Mensch sein eigen nennt,
Doch kann die Menschheit dann nur glücklich werden,
Wenn sie die Grenze wahrer Freiheit kennt.

Frei sei der Geist und frei sei der Gedanke,
Doch jeder, der Gedankenfreiheit liebt,
Der muss auch wissen, dass es eine Schranke
Für seinen Willen und sein Handeln gibt.

Doch viele, die hier kämpfen, dulden, ringen,
Sie müssen hilflos oft zu Grunde gehn,
Weil …

Schiller Seff - »An meine persönlichen Feinde«

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Hört einmal in Süd und Norden,
Teure Feinde, weit und breit!
Hört! Ich bin ein Mann geworden,
Denn ich trug die schweren Orden:
Kerker, Undank, Hass und Neid.

Weil ich alles stolz ertragen,
Wollt ihr mir nun Böses tun,
Eure Natternblicke sagen:
Hund, wir möchten dich erschlagen,
Denn du bist ein Volkstribun.

Futterkörbe, Futtertröge
Half ich bau’n für Euren Bauch.
Und nun bin ich Euch im Wege,
Und ich steh auch im Gehege
Wie ein alter Dornenstrauch.

Wenn ich sage: Ihr seid Nieten,
Bäumt sich Euer dummer Stolz,
Brüderlein! Ihr mögt Euch hüten,
Denn der Strauch treibt neue Blüten
Und er ist aus zähem Holz —

Eure neidgeschwoll’ne Leber
Malt Euch Flecken ins Gesicht.
Jeder sieht es, Ihr seid Streber,
Ich blieb stets ein armer Weber,
Eure Habsucht hab ich nicht.

Euch beleidigt (ganz natürlich)
Stets mein grader, off’ner Sinn,
Weil ich nicht so fein und zierlich,
Nicht so krämerhaft manierlich,
Geistig aufgeblasen bin.

»Sei verflucht, du alter Säufer«
Ruft Ihr schon so manches Jahr.
Ihr sei…

Kathinka Zitz

KATHINKA ZITZ - FÜR EINEN ÜBERTREIBENDEN DEUTSCHTHÜMLER

Deutscher, sei deutscher, als deutsch, dann dringet die wahre Verdeutschung Dir in das deutsche Geblüt, bleibend mit deutschem Bestand.
Dann läßt durch deutsche Befeindung du nimmer dich feige entdeutschen, Sinkest dann ganzlich durchdeutscht, einst in's germanische Grab. 
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Johann Peter Uz - An die lyrische Muse - zu seinem 289. Geburtstag

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Johann Peter Uz  (3. Oktober 1720, Ansbach - 12. Mai 1796 in Ansbach) war ein deutscher Dichter. Als ausdruckstarkes Talent des Dichterkreises in Halle/Saale verkörperte Uz die bürgerliche Ausformung der teils höfisch beeinflussten Rokokokultur.










An die lyrische Muse
Wohin, wohin reißt mich die strenge Wuth?
Mich auf der Ode kühnen Flügeln,
Fern von der leisen  Fluth
Am niedern Helikon und jenen Lorbeer-Hügeln?

Ich fliehe stolz der Sterblichen Revier;
Ich eil in unbeflogne Höhen:
Wie keichet hinter mir
Der Vogel Jupiters, beschämt, mir nachzusehen!

In Gegenden, wo mein entzücktes Ohr
Der Sphären Harmonie verwirret,
O Muse! fleug mir vor,
Du, deren freyer Flug oft irrt, nie sich verirret.

Dir folge dir bald bis zur Sonnen hin,
Bald in den ungebahnten Haynen
Mit Libers Priesterinn,
Wo keine Muse gieng und andre Sterne scheinen.

An deiner Hand, wann mich Lyäus ruft,
Was kann den kühnen Dichter schrecken?
In welch entfernter Kluft
Wird meiner Leyer Scherz ein schlafend Echo wecken?

Denn nur…

Maoi (Michaela) - Dein Bild

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Dein Bild Oft gehe ich um Mitternacht,
das Trottoir nass und spiegelt,
den Weg hinauf zu der Brücke
lehne mich an die Laterne
in ihr düsteres fahles Licht.

Allein geh ich diese Wege
– dort eine streunende Katze –
seh ich dein Gesicht im Fluss.

Dann wende ich mich langsam ab
und gehe klamm – die Augen feucht
zurück in mein leeres Zimmer,
einsam suche ich tiefen Schlaf,
dass er mir Erlösung bringe.

Heinrich von Treitschkes 175. Geburtstag

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Ernst Ludwig Kirchner - Farbentanz
Schön Kathrin.
Wie der gestrenge Rathsherr so stolz am Hafen stund,
Als ob kein schelmisch Weiberaug’ ihn bethören kund.

Vor der schwarzen Schenke lehnte schön Kathrin,
Und ihren klaren Blicke fielen heiß auf ihn.

»Du wunderschönes Mägdlein, laß mich ein zu dir!
Eh’ ich mit dir gekoset, find ich keine Ruhe hier.«

»»In unserm Hause kehren die Schiffsmatrosen ein:
Wie darf ein strenger Rathsherr in der schwarzen Schenke sein?««

»Und sind bei dir zu Gaste nur Schiffer und Matros:
Du bist wie eine Königin so adlig und so groß!« —

»»Du trinkst aus goldnen Bechern, du schläfst auf seidnem Pfühl:
Hier sind nur irdne Krüge und harte Eichenstühl’.«« —

»In deinen vollen Armen lieg’ ich sanft und weich,
Kein Trank aus goldnen Humpen kommt deinen süßen Küssen gleich.« —

»»Und denkst du an Frau Lisbeth, dein herrisch Ehgemahl?
Sie kann dich besser herzen in ihrem Marmorsaal.«« —

Mein stolzes Weib mag schaffen in Kasten und in Truh’n!
Ich will an deiner weißen Brus…

Friedrich Theodor Vischers Todestag

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Théodore Roussel, The Reading Girl An den Leser.
Mag das Lied, das alte, graue,
Immerhin den Vortritt haben!
Wer verliebt in’s Himmelblaue,
Mag sich anderswo erlaben.

Ja noch dunklere Gestalten, —
Sind auch Lichtungen dazwischen,
Wo die heitern Farben walten, —
Werden in den Zug sich mischen.

Trübe hat der Most gegoren,
Frische Milch ward schnell zu Molke,
Auf des Morgens goldnen Thoren
Lag die schwere, schwarze Wolke.

Ob der Most noch Wein geworden,
Ob noch rein die Milch geflossen,
Ob durch düstre Wolkenhorden
Siegend noch das Licht geschossen:

Dieses künftighin Vergangne
Kann in seinen Finsternissen
Der umhangne, traumbefangne
Dichter jetzt und einst nicht wissen.

Sprich ihn drum nicht gar zu schuldig,
Der du ja um viel gescheidter,
Lieber Leser, sei geduldig
Und lies eben weiter, weiter!

Bald mehr bei ngiyaw eBooks von Friedrich Theodor Vischer

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk - XXI. Epistel - An Madam Mumsen und Madam Voß

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Pierre-Auguste Renoir
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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk XXI. EpistelAn Madam Mumsen und Madam Voß.Im Octob. 1778.

Ihr wünschet, mich zu kennen?
Wär’ Hamburg nur von hier
Drey Meilen, wolt’ ich rennen,
Daß kaum, selbst ein Courier
Mir solte folgen können.
Allein, weil Euch von mir
Sechs Herren Länder trennen,
So würden schon fürwahr
Die Solen wacker brennen,
Durchstreift’ ich nur ein Paar.
Ich könnte freilich reiten;
Doch ach! mein einzig Pferd
Ist grade jezt bey Leuten,
Die es so lieb und werth,
Als ihre Seele, halten.
Denn wißt, als ich damit
Vor kurzem nach Trialten,
Ein Dorf bey Eger, ritt;
Da fuhren zehn Husaren
Wie Teufel auf mich ein!
Ich, mit gesträubten Haaren,
Jagt’ über Stock und Stein,
Allein die Herren waren
Noch schneller hinter drein.
Da ließ ich durch ihr Schrein:
»Halt Schurke!« mich erbitten,
Und stellte selbst mich dar,
Eh ich nach wenig Schritten
Dazu gezwungen war.
Wer hat, sprach ein Husar,
Den Gaul Euch zugeritten?
Der Hun…

Petőfi Sándor - Die Theiss - A Tisza

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A fotó Oldal István, óballai horgásztársam és cimborám készítette, 2008. június 22.-én. Földhöz ragadvaGedicht auch bei ngiyaw eBooks

Die TheissEines Sommerabends stand ich lange
an der Theiß, da, wo wie eine Schlange
sie sich windet und die Túr empfängt,
die sich wie ein Kind zur Mutter drängt.
Zwischen seinen lockren Uferrändern
sah ich zahm und glatt den Strom hinschlendern,
so als wollt er, daß der Sonne Gold
ungestört sich in ihm baden sollt.
Auf dem blanken Spiegel sah ich schimmern,
tänzelnd ihre roten Strahlen flimmern,
wie mit winzigen Sporen, silberfein
klirrend, gleich als ob es Feen sein.
Gelber Sand vor mir das Ufer deckte,
das sich wie ein Teppich weit erstreckte
bis zum Feld, wo Grummet lag gemäht,
wie im Buch die Zeilenfolge steht.
Jenseits von der Wiese sah man dunkeln
schon den Hochwald, doch die Kronen funkeln
purpurn in der Abendröte Glut,
so als göß er brennend aus sein Blut.
Haselsträucher, Ginsterbüsche streute
die Natur entlang der andern Seite,
und hindurch, von ihr…

Daniel Schiebeler - Honesta

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Albrecht Altdorfer - Die Hl. Margareta auf dem Teufel stehend


Honesta

Der Teufel kam vor vielen Jahren
Der Menschen Zustand zu erfahren
Herauf in einem ird’schen Leib.
Er schafte, wie die Menschenkinder,
Sich Haus und Hof und Schaf’ und Rinder,
Er nahm sich gar ein Weib.

Honesta hieß die junge Schöne.
Oft schwoll auf ihrem Kopf die Mähne,
Und Wuth und Herrschsucht warf ihr Blick.
Sie trieb den Teufel recht zu paaren.
Wie sehnt er nicht zu seinen Schaaren,
Zur Hölle sich zurück.

Sie ließ ihm niemals, niemals Friede.
Zuletzt ward er des Streitens müde
Und schlich im Stillen sich davon,
Und fuhr, als er sich weggestohlen,
Von seinem Schmerz sich zu erholen,
In einen Musensohn.

Hier konnt er recht nach Wunsch regieren,
Er schrieb Satyren auf Satyren,
Voll Rachsucht, Neid und Menschenhaß.
Man strebt umsonst ihn zu beschwören.
Der Teufel läßt sich nicht bethören
Und quält den Dichter baß.

Da kam mit Pauken und Trompeten
Ein Arzt zur Wohnung des Poeten;
Der Teufel fragt: Wer pocht ans Haus?
D…

Daniel Schiebeler - Ariadne und Theseus

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Evelyn de Morgan - Ariadne in Naxos
Ariadne und Theseus
Ich sing euch die Geschichte
Von Theseus Grausamkeit,
Von diesem Bösewichte
Kam Ariadnens Leid.
Den schönsten seidnen Faden
Gab ihm das gute Kind,
Der bracht’ ihn ohne Schaden
Aus Cretens Labyrinth.

Doch mehr noch, als ein Fädchen,
Gab sie dem theuren Mann.
Sie gab ihm was ein Mädchen
Nur immer geben kann.
Der Vater mag sich grämen,
Sie liebt den Theseus mehr,
Vergißt das Abschiednehmen
Und folgt ihm auf das Meer.

Schon neun und neunzig Schönen
Bracht’ er um Ruh’ und Wohl,
Durch Ariadnens Thränen
Ward bald das Hundert voll,
Weh, weh dem Wüteriche,
Ihr Fluthen schlingt ihn ein!
Er ließ die Minnigliche
Auf einem Fels allein.

Als nun der Tag sie weckte,
Ach, als sie nun die Hand
Nach ihrem Theseus streckte,
Und keinen Theseus fand,
Wie ward ihr da, ihr Sterne!
Sie rief in ihrem Gram
Den, welcher, einmal ferne,
So bald nicht wieder kam.

Sie fluchte dem Geschicke,
Zerriß das goldne Haar,
Das für des Frevlers Tücke
Nicht zu bestrafen wa…

Daniel Schiebelers 238. Todestag

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Charles Mengin - Sappho

Lied der Sappho.
O selig, wenn bey dir der Tag entfliehet,
Der so dich reden hört, dich lächeln siehet!
Ihm ist es leicht, den Göttern ihre Freuden
Nicht zu beneiden.

Wenn du erscheinst, fühl' ich mit stärkern Schlägen
Und schnellerm Lauf sich Blut und Herz bewegen;
Ich steh betäubt, verlohren im Entzücken,
Dich anzublicken.

Mein Aug' erlischt, mit tiefer Nacht umgeben,
Es scheint mein Geist, da Schauder mich durchbeben,
Mich Schweiß bedeckt, die Wangen mir erblassen,
Mich zu verlassen.

aus: Daniel Schiebelers Auserlesene Gedichte, Herausgegeben von Johann Joachim Eschenburg, J.J. C. Bode, Hamburg, 1773

Mia Holm - Ich weiss es noch

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Ich weiss es noch
Ich weiss es noch, vergesse nimmer,
Wie du, aus süssem Schlaf erwacht,
Vor mehr als zwanzig langen Jahren
Zum ersten Mal mich angelacht.

Ein lautlos Lächeln war dies Lachen,
Ein stilles Leuchten wunderbar,
Es überglänzte deine Züge
Und blieb in deinem Augenpaar.

Wo sind sie hin, die Strahlenblicke?
Aus deinen Augen blickt die Nacht,
Ein einzig Mal nur lächle wieder,
Wie du als Kind mich angelacht!

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Illustration: van Gogh, Twelve Sunflowers

Else Galen-Gube - Mich reizt deine Jugend

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Else Galen-Gube - Mich reizt deine Jugend



Hermann Fenner-Behmer - Reclining Odalisque

Mich reizt deine Jugend

Du bist an Liebe unsagbar reich,
Glück gibst du mit vollen Händen;
es reizt mich, dich, deine Jugendkraft,
zu vergeuden und zu verschwenden …

Du bist so jung und du bist so schön;
es lockt mich mit Höllengewalten,
dich diese zwei Nächte in jubelnder Lust
an meinem Busen zu halten …

Du bists, um den ich aus weiter Fern
vom Osten zum Westen jage,
und kostets die ewige Seligkeit mir,
ich geb sie für diese zwei Tage …

Knapp 3700 Gedichte bei ngiyaw eBooks

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... und es kommen täglich neue Lyrikbände oder Einzelgedichte hinzu - in fast allen Fällen mit Digitalisaten der Vorlagen, oft Erstausgaben oder frühe relevante Ausgaben.

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Gesamtverzeichnis - Stand Ende April 2009
Aar, Alexis

* Soldaten kommen!
* Studententraum.

Ackermann, Louise-Victorine

* An den Kometen von 1861.
* Daphne.

Alecsandri, Vasile

* Du wunderschönes Mägdlein.

Almásy, Wilhelmine Gräfin von (verehel. v. Wickenburg)

* Sommerträume
* Die Liebe fehlt.
* Illona.
* Ich schleiche meine Strassen –

Ambrosius, Johanna

* Carmen Sylva.

Amyntor, Gerhard von

* Die öffentliche Meinung.

Arène, Paul-Auguste

* Femme Au Paon.

Assing, Rosa Maria

* Amor und die Nymphen.
* Das seltene Blümchen.

Aston, Louise

Folgende Gedichte von Louise Aston komplett in einem pdf: Louise Aston – Wilde Rosen

* I. Wilde Rosen
* II. Ein heil'ges Fest
* III. Flucht
* IV. Weihe
* V. Kerker-Phantasie
* VI. Dithyrambe
* VII. An George Sand
* VIII.…