Gertrud Pfander - Nachtmar

Nachtmar.

Überm Wasser stößt ein Weih
Seinen unnennbaren Schrei.
Lange, bange Nacht! Ich fahre
Auf, mit schweißgestrecktem Haare.
Still! Es ist ja nur ein Weih.
Herz, was tust denn du dabei?

Überm See die Möve kreischt,
Die sich den Gefährten heischt.
Und sie sucht im Ätherstillen
Sich den Freund nach ihrem Willen.
Ruf, der menschenstimmig täuscht,
Wenn vom Stein die Möve kreischt.

Tief im schaumbespritzten Hag
Schlägt die Drossel letzten Schlag.
Dann ins kinderreiche Nestchen
Senkt sie sich auf schlankem Ästchen ...
Selig, Vogel, du im Hag ...
Großer Gott! Wann graut der Tag!

Aus: Helldunkel, Gedichte und Bekenntnisse von Gertrud Pfander, herausgegeben von Karl Henckell, Verlag A. Franke, Bern, 1908, S. 159.
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