Ferdinand Sauter - Frühlingsaufschwung



Frühlingsaufschwung.

Wald und Fluren grünen wieder,
Tausendstimmig tönen Lieder
Von den zarten Frühlingssängern;
Bunte Blumenhäupter schwängern
Aromatisch laue Lüfte,
Hold betäubend wiegen Düfte
Jedes Herz in süße Träume,
Und im Sturz der Wogenschäume
Schifft der Geist mit raschen Schlägen
Kühn dem Weltenmeer entgegen,
In den unermeß’nen Weiten
Seine Bahnen auszubreiten,
In den ahnungsvollen Tiefen
Seine Schöpfungskraft zu prüfen,
Und mit neu gestählten Schwingen
Sich zum Aether aufzuringen,
Aus dem tausend Sternenaugen
Quell der Gottheit einzusaugen
Und gesättigt von dem Glanze
Wieder zu dem Blüthenkranze
Erdenwärts herabzusteigen,
Wo er in den Geisterreigen
Schlingt mit sich verwandte Seelen,
Höchstem Sein sich zu vermählen.


Aus: Gedichte aus dem Nachlass von Ferdinand Sauter, Mit einem Vorwort von Dr. Karl von Thaler, Verlag der Buchhandlung Carl Teufen, Wien, 1895, S. 13.
Digitalisate 1
Abbildung: Ferdinand Sauter Portrait aus dem Buch der Vorlage

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