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Es werden Posts vom August, 2009 angezeigt.

Petőfi Sándor - Die Theiss - A Tisza

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A fotó Oldal István, óballai horgásztársam és cimborám készítette, 2008. június 22.-én. Földhöz ragadvaGedicht auch bei ngiyaw eBooks

Die TheissEines Sommerabends stand ich lange
an der Theiß, da, wo wie eine Schlange
sie sich windet und die Túr empfängt,
die sich wie ein Kind zur Mutter drängt.
Zwischen seinen lockren Uferrändern
sah ich zahm und glatt den Strom hinschlendern,
so als wollt er, daß der Sonne Gold
ungestört sich in ihm baden sollt.
Auf dem blanken Spiegel sah ich schimmern,
tänzelnd ihre roten Strahlen flimmern,
wie mit winzigen Sporen, silberfein
klirrend, gleich als ob es Feen sein.
Gelber Sand vor mir das Ufer deckte,
das sich wie ein Teppich weit erstreckte
bis zum Feld, wo Grummet lag gemäht,
wie im Buch die Zeilenfolge steht.
Jenseits von der Wiese sah man dunkeln
schon den Hochwald, doch die Kronen funkeln
purpurn in der Abendröte Glut,
so als göß er brennend aus sein Blut.
Haselsträucher, Ginsterbüsche streute
die Natur entlang der andern Seite,
und hindurch, von ihr…

Daniel Schiebeler - Honesta

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Albrecht Altdorfer - Die Hl. Margareta auf dem Teufel stehend


Honesta

Der Teufel kam vor vielen Jahren
Der Menschen Zustand zu erfahren
Herauf in einem ird’schen Leib.
Er schafte, wie die Menschenkinder,
Sich Haus und Hof und Schaf’ und Rinder,
Er nahm sich gar ein Weib.

Honesta hieß die junge Schöne.
Oft schwoll auf ihrem Kopf die Mähne,
Und Wuth und Herrschsucht warf ihr Blick.
Sie trieb den Teufel recht zu paaren.
Wie sehnt er nicht zu seinen Schaaren,
Zur Hölle sich zurück.

Sie ließ ihm niemals, niemals Friede.
Zuletzt ward er des Streitens müde
Und schlich im Stillen sich davon,
Und fuhr, als er sich weggestohlen,
Von seinem Schmerz sich zu erholen,
In einen Musensohn.

Hier konnt er recht nach Wunsch regieren,
Er schrieb Satyren auf Satyren,
Voll Rachsucht, Neid und Menschenhaß.
Man strebt umsonst ihn zu beschwören.
Der Teufel läßt sich nicht bethören
Und quält den Dichter baß.

Da kam mit Pauken und Trompeten
Ein Arzt zur Wohnung des Poeten;
Der Teufel fragt: Wer pocht ans Haus?
D…

Daniel Schiebeler - Ariadne und Theseus

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Evelyn de Morgan - Ariadne in Naxos
Ariadne und Theseus
Ich sing euch die Geschichte
Von Theseus Grausamkeit,
Von diesem Bösewichte
Kam Ariadnens Leid.
Den schönsten seidnen Faden
Gab ihm das gute Kind,
Der bracht’ ihn ohne Schaden
Aus Cretens Labyrinth.

Doch mehr noch, als ein Fädchen,
Gab sie dem theuren Mann.
Sie gab ihm was ein Mädchen
Nur immer geben kann.
Der Vater mag sich grämen,
Sie liebt den Theseus mehr,
Vergißt das Abschiednehmen
Und folgt ihm auf das Meer.

Schon neun und neunzig Schönen
Bracht’ er um Ruh’ und Wohl,
Durch Ariadnens Thränen
Ward bald das Hundert voll,
Weh, weh dem Wüteriche,
Ihr Fluthen schlingt ihn ein!
Er ließ die Minnigliche
Auf einem Fels allein.

Als nun der Tag sie weckte,
Ach, als sie nun die Hand
Nach ihrem Theseus streckte,
Und keinen Theseus fand,
Wie ward ihr da, ihr Sterne!
Sie rief in ihrem Gram
Den, welcher, einmal ferne,
So bald nicht wieder kam.

Sie fluchte dem Geschicke,
Zerriß das goldne Haar,
Das für des Frevlers Tücke
Nicht zu bestrafen wa…

Daniel Schiebelers 238. Todestag

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Charles Mengin - Sappho

Lied der Sappho.
O selig, wenn bey dir der Tag entfliehet,
Der so dich reden hört, dich lächeln siehet!
Ihm ist es leicht, den Göttern ihre Freuden
Nicht zu beneiden.

Wenn du erscheinst, fühl' ich mit stärkern Schlägen
Und schnellerm Lauf sich Blut und Herz bewegen;
Ich steh betäubt, verlohren im Entzücken,
Dich anzublicken.

Mein Aug' erlischt, mit tiefer Nacht umgeben,
Es scheint mein Geist, da Schauder mich durchbeben,
Mich Schweiß bedeckt, die Wangen mir erblassen,
Mich zu verlassen.

aus: Daniel Schiebelers Auserlesene Gedichte, Herausgegeben von Johann Joachim Eschenburg, J.J. C. Bode, Hamburg, 1773