Montag, 21. September 2009

Maoi (Michaela) - Dein Bild


Dein Bild

Oft gehe ich um Mitternacht,
das Trottoir nass und spiegelt,
den Weg hinauf zu der Brücke
lehne mich an die Laterne
in ihr düsteres fahles Licht.

Allein geh ich diese Wege
– dort eine streunende Katze –
seh ich dein Gesicht im Fluss.

Dann wende ich mich langsam ab
und gehe klamm – die Augen feucht
zurück in mein leeres Zimmer,
einsam suche ich tiefen Schlaf,
dass er mir Erlösung bringe.

Dienstag, 15. September 2009

Heinrich von Treitschkes 175. Geburtstag

Ernst Ludwig Kirchner - Farbentanz
Schön Kathrin.

Wie der gestrenge Rathsherr so stolz am Hafen stund,
Als ob kein schelmisch Weiberaug’ ihn bethören kund.

Vor der schwarzen Schenke lehnte schön Kathrin,
Und ihren klaren Blicke fielen heiß auf ihn.

»Du wunderschönes Mägdlein, laß mich ein zu dir!
Eh’ ich mit dir gekoset, find ich keine Ruhe hier.«

»»In unserm Hause kehren die Schiffsmatrosen ein:
Wie darf ein strenger Rathsherr in der schwarzen Schenke sein?««

»Und sind bei dir zu Gaste nur Schiffer und Matros:
Du bist wie eine Königin so adlig und so groß!« —

»»Du trinkst aus goldnen Bechern, du schläfst auf seidnem Pfühl:
Hier sind nur irdne Krüge und harte Eichenstühl’.«« —

»In deinen vollen Armen lieg’ ich sanft und weich,
Kein Trank aus goldnen Humpen kommt deinen süßen Küssen gleich.« —

»»Und denkst du an Frau Lisbeth, dein herrisch Ehgemahl?
Sie kann dich besser herzen in ihrem Marmorsaal.«« —

Mein stolzes Weib mag schaffen in Kasten und in Truh’n!
Ich will an deiner weißen Brust, auf deinem warmen Herzen ruh’n.« —

Er kam zur schwarzen Schenke heimlich jeden Tag,
Bis Frau Lisbeth hörte, wie er arger Minne pflag.

»Du böse Teufelsdirne!« hub der Richter an,
»Durch was schwarze Künste hast du berückt den frommen Mann?« —

»»Wie dürft Ihr mich schelten?«« sprach das schöne Weib.
»»Hier mein schwarzes Lockenhaar und mein schneeweißer Leib

Und meiner blanken Augen heiße Liebesbrunst:
Das war all mein Zaubertrank, all meine schwarze Kunst.«« —

»Du hälst es mit dem Teufel, es lügt dein falscher Mund!
Wie hast du sonst bethöret, den nie ein Weib beirren kunnt’?«

Kathrinens rosig Mündlein in lauter Wonne lacht:
»»Wohl war’s ein herzig Kosen in verschwiegner Nacht!

Wer solche Kunst ersonnen, und wär’s der Teufel auch:
Nie wollt’ ich wieder lassen von so süßem Brauch!«« —

Frau Lisbeth in Züchten auf dem Söller Standhaftigkeit
Als der Henker unten die Dirne an den Pranger band.

Und wie der von den Schultern ihr blaues Wämslein nahm,
Und aus der dunklen Hülle der schneeig weiße Nacken kam:

Da wurden viele Augen ihres Glanzes baar,
Und Weherufe tönten aus der Gaffer Schaar.

Von der Ruthe Streichen flossen Ströme roh.
Da streckte sich die Dirne, so bleich wie der Tod.

»»Die du prunkend niederschaust in so stolzer Huld,
Du bist mit deiner Hoffart an all dem Jammer schuld.

Ging’ ich wie du in Sammet und in Goldgeschmeid,
Nie träfe mich so bitter Schmach und Herzeleid!«« —

Der mit der rothen Feder der Büttel trat hervor
Und führte die Arme weit vor das Thor:

Wo sich die Marken scheiden, an den grauen Stein.
»In unsre fromme Hansestadt darfst du nie herein!«

»»— Ade, du reiche Hansestadt, thust so züchtiglich
Und hegst doch hohe Weiber, die ärger sind denn ich.

Ade, mein stolzer Buhle, deine Frau Lisbeth
Wird dich traurig kosen in ihrem kalten Bett!

Du bist ja reich und strenge, du trägst schon noch den Schmerz.
Weil ich so heißer Liebe pflag, bricht mir nun das Herz!««

Bald mehr bei ngiyaw eBooks von Heinrich von Treitschke

Montag, 14. September 2009

Friedrich Theodor Vischers Todestag

Théodore Roussel, The Reading Girl
An den Leser.

Mag das Lied, das alte, graue,
Immerhin den Vortritt haben!
Wer verliebt in’s Himmelblaue,
Mag sich anderswo erlaben.

Ja noch dunklere Gestalten, —
Sind auch Lichtungen dazwischen,
Wo die heitern Farben walten, —
Werden in den Zug sich mischen.

Trübe hat der Most gegoren,
Frische Milch ward schnell zu Molke,
Auf des Morgens goldnen Thoren
Lag die schwere, schwarze Wolke.

Ob der Most noch Wein geworden,
Ob noch rein die Milch geflossen,
Ob durch düstre Wolkenhorden
Siegend noch das Licht geschossen:

Dieses künftighin Vergangne
Kann in seinen Finsternissen
Der umhangne, traumbefangne
Dichter jetzt und einst nicht wissen.

Sprich ihn drum nicht gar zu schuldig,
Der du ja um viel gescheidter,
Lieber Leser, sei geduldig
Und lies eben weiter, weiter!

Bald mehr bei ngiyaw eBooks von Friedrich Theodor Vischer

Donnerstag, 3. September 2009

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk - XXI. Epistel - An Madam Mumsen und Madam Voß

Pierre-Auguste Renoir

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
XXI. Epistel An Madam Mumsen und Madam Voß. Im Octob. 1778.


Ihr wünschet, mich zu kennen?
Wär’ Hamburg nur von hier
Drey Meilen, wolt’ ich rennen,
Daß kaum, selbst ein Courier
Mir solte folgen können.
Allein, weil Euch von mir
Sechs Herren Länder trennen,
So würden schon fürwahr
Die Solen wacker brennen,
Durchstreift’ ich nur ein Paar.
Ich könnte freilich reiten;
Doch ach! mein einzig Pferd
Ist grade jezt bey Leuten,
Die es so lieb und werth,
Als ihre Seele, halten.
Denn wißt, als ich damit
Vor kurzem nach Trialten,
Ein Dorf bey Eger, ritt;
Da fuhren zehn Husaren
Wie Teufel auf mich ein!
Ich, mit gesträubten Haaren,
Jagt’ über Stock und Stein,
Allein die Herren waren
Noch schneller hinter drein.
Da ließ ich durch ihr Schrein:
»Halt Schurke!« mich erbitten,
Und stellte selbst mich dar,
Eh ich nach wenig Schritten
Dazu gezwungen war.
Wer hat, sprach ein Husar,
Den Gaul Euch zugeritten?
Der Hundsfott wäre werth,
Daß er am Galgen hinge!
Mein Seel! ein braves Pferd!
Wenn’s unter mir — der Bliz! —
Nur ein acht Tage ginge.
Euch ists den Teufel nüz!
Steigt drum nur immer ab!
Ich will’s schon Mores lehren! —
Kaum war ich denn mit Ehren
Von meinem Pferd herab,
Als er die Sporn ihm gab,
Und, ohne Abschied, husch!
War er damit im Busch.

Bringt er es zugeritten
In meinen Stall zurük,
Will ich den Augenblik
Bey Euch zu Gast mich bitten.
Allein es lernt vielleicht
Wohl erst in vielen Jahren
Die Schule, vom Husaren:
Drum wäre, wie mich deucht,
Das sicherste: Zu fahren,
Eh noch die Zeit verstreicht.
Denn ach! ihr lieben Frauen!
Wenn’s manchem gleich so glükt,
Wer kann dem Uhrwerk trauen,
Das uns im Herzen pikt?
Ihr wißt ja, wie der Zeiger
An unsers Lebens Seiger
So hurtig weiter rükt!
Man flikt daran und flikt,
Bis daß die Zeit die Räder
Mit einmal stehen heißt,
Und, Knall und Fall! die Feder
Zerspringt, die Kette reißt!

Wohlan! da aufgeschoben
So gut als aufgehoben
Für einen Pilger ist,
Dem, über dem Besinnen,
Der Rost gemach von innen
Das Triebwerk mürbe frißt:
So muß ich warlich eilen,
Ein Herz mit Euch zu theilen
Das bald in Staub zerfällt;
Und sechs und dreißig Meilen
Ist ja nicht aus der Welt!
Die fahr’ ich und mein Kober
Voll schmaler Reisekost,
Im spätesten October
Auf einer ofnen Post,
Und leid’ auf meinem Sitze
Dabey so ruhig Frost,
Als einst auf seinem Rost
Der heilge Lorenz Hitze.

Durch einen Kuß wird Euch
Es leicht seyn, liebe Frauen,
Wär ich auch Eiß, sogleich
Mich wieder aufzuthauen.
Der Kuß ist mir genug,
Um Sporenstreichs zu kommen;
Allein, wird mein Besuch
Auch Euch, ihr Damen, frommen?
Erwartung macht uns grösser,
Als wir am Ende sind.
Daß sie nicht viel gewinnt,
Wenn ihr die Schenken Schlösser,
Und auf der See zwey Fässer
Von fern zwey Schiffe sind,
Ist klar; drum thu’ ich besser,
Ich schick’ Euch selbst von Haus
Den Maasstab gleich voraus.
So fragt Euch denn nur immer:
»Je! solt’ er das wohl seyn?«
Tritt künftig in das Zimmer
Ein Mann im Frak hinein.
Die Warheit Euch zu sagen:
Er hat nur einen Rock.
Müßt’ ihn der Kukuk plagen,
Auf Reisen den zu tragen,
Als hätt er noch ein Schock.
Sein Haar, (damit die Raben
Nur einmal Ruhe haben,)
Ist schwarz und damit gut.
Man sagt es sey zu lesen
Auf seiner Stirn gewesen:
Fort mit der Narrenbrut!
Nur hat, das müßt ihr wissen,
Sein Weibchen nicht geruht,
Bis daß sie unter Küssen
Die Aufschrift abgerissen;
Was eine Frau nicht thut!
Doch würd’ er auch, ihr Lieben,
Vom Kopfe bis zum Schuh,
Euch von Gestalt beschrieben,
Von Wesen noch dazu;
Ja! wenn er selbst da stünde:
Was wär er? Nun! ein Ding
Gleich jedem Menschenkinde,
Das je im Fracke ging;
Denn, einen Sonderling
Haßt er wie seine Sünde.
Kann etwas, ihn genau
Zu schildern, ja noch taugen,
So sind es seine Augen,
(Wenn ich nicht irre, blau,
Doch meinethalb auch grau,)
Worin er, was ihn rühret,
Und mißfällt, sehr genau
Gleich selber registriret.
Doch solte so ein Mann
Im Frak, mit solchem Auge,
Gleich von der Thürschwell an,
Mit einer ganzen Lauge
Von Wiz und Reimerey
Euch weidlich übergießen,
So könt Ihr sicher schließen,
Daß das nicht Göckingk sey.
Denn der wird sicher warten,
Wovon Ihr lieber sprecht:
Von Liedern oder Karten?
In eines Freundes Garten
Ist jede Blum’ ihm recht.
Doch, wenn nach einer Stunde
Mein Mann noch immer schweigt,
Wenn dann auf seinem Munde
Sich noch kein Lächeln zeigt:
So wird sichs nimmer zeigen,
Und er ist nicht für Euch!
Denn das ist ihm so eigen,
Gleichgültig still zu schweigen,
Wo Sympathie nicht gleich
Die Herzen paart mit Herzen.
An Freundlichkeit und Scherzen
Wird er nur dann erst reich,
Wenn sie der Etikette
Den Marschallsstab zerbricht,
Und ehe noch ein Licht
Verbrannt ist, um die Wette
Sich Rosenkränze flicht.
Sonst ist er es für Fürsten,
Und solt’ er ewig dürsten,
Selbst bey Tokaier nicht.

Sagt nur mit einem Blicke:
»Mann! du gefällst uns wohl!«
Wer ist, der dann im Glücke
Sich ihm vergleichen soll?
Denn was ist Glük? Als Freude,
Die einem Mann’ im Frak
Zuflüstert: diese Beide,
Könt’ in dem reichsten Kleide,
Kein Narr, mit seinem Sak
Voll Gold, ihn hochzuschätzen,
Gewinnen; aber du,
Darfst dich geradezu
An ihre Seite setzen.

O seliges Gefühl,
Den Edlen zu gefallen!
Du bist das große Ziel,
Nach dem wir alle wallen!
Dich haben, ist schon viel!
Dich auch verdienen, ist
Das seligste von allen!
Wem du gegeben bist,
Der siehet von dem Baum (1)
Der Krämer Schiff’ im Hafen,
Wird aber, ohne Traum
Von Schiffen, ruhig schlafen.
Wer dich hat, beugt dem Wagen
Mit Sechsen, willig aus,
Doch ist’s umsonst, ihn fragen:
»Sah nicht der Fürst heraus?«
Wer dich hat, warlich dem
Sizt sein Gewissen, — treibe
Das Glük sein Spiel! — bequem,
Wie mir mein Frak am Leibe.
Glük, ist der Klugheit Loos,
Der Weisheit Loos, ist Freude!
Ich sitze nicht im Schooß
Des Glücks, doch weil ich Beide
Nicht gut vereinen kann,
So halt’ ichs mit der Freude.

Bin ich nun Euer Mann?

* * *
(1) Das bekante Baumhaus in Hamburg.

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Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten

Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten. Ein holdes Räthsel soll ich lösen, Und schon ist mir die Deutung klar, Ich weiß...