Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom September, 2009 angezeigt.

Maoi (Michaela) - Dein Bild

Dein Bild Oft gehe ich um Mitternacht,
das Trottoir nass und spiegelt,
den Weg hinauf zu der Brücke
lehne mich an die Laterne
in ihr düsteres fahles Licht.

Allein geh ich diese Wege
– dort eine streunende Katze –
seh ich dein Gesicht im Fluss.

Dann wende ich mich langsam ab
und gehe klamm – die Augen feucht
zurück in mein leeres Zimmer,
einsam suche ich tiefen Schlaf,
dass er mir Erlösung bringe.

Heinrich von Treitschkes 175. Geburtstag

Ernst Ludwig Kirchner - Farbentanz
Schön Kathrin.
Wie der gestrenge Rathsherr so stolz am Hafen stund,
Als ob kein schelmisch Weiberaug’ ihn bethören kund.

Vor der schwarzen Schenke lehnte schön Kathrin,
Und ihren klaren Blicke fielen heiß auf ihn.

»Du wunderschönes Mägdlein, laß mich ein zu dir!
Eh’ ich mit dir gekoset, find ich keine Ruhe hier.«

»»In unserm Hause kehren die Schiffsmatrosen ein:
Wie darf ein strenger Rathsherr in der schwarzen Schenke sein?««

»Und sind bei dir zu Gaste nur Schiffer und Matros:
Du bist wie eine Königin so adlig und so groß!« —

»»Du trinkst aus goldnen Bechern, du schläfst auf seidnem Pfühl:
Hier sind nur irdne Krüge und harte Eichenstühl’.«« —

»In deinen vollen Armen lieg’ ich sanft und weich,
Kein Trank aus goldnen Humpen kommt deinen süßen Küssen gleich.« —

»»Und denkst du an Frau Lisbeth, dein herrisch Ehgemahl?
Sie kann dich besser herzen in ihrem Marmorsaal.«« —

Mein stolzes Weib mag schaffen in Kasten und in Truh’n!
Ich will an deiner weißen Brus…

Friedrich Theodor Vischers Todestag

Théodore Roussel, The Reading Girl An den Leser.
Mag das Lied, das alte, graue,
Immerhin den Vortritt haben!
Wer verliebt in’s Himmelblaue,
Mag sich anderswo erlaben.

Ja noch dunklere Gestalten, —
Sind auch Lichtungen dazwischen,
Wo die heitern Farben walten, —
Werden in den Zug sich mischen.

Trübe hat der Most gegoren,
Frische Milch ward schnell zu Molke,
Auf des Morgens goldnen Thoren
Lag die schwere, schwarze Wolke.

Ob der Most noch Wein geworden,
Ob noch rein die Milch geflossen,
Ob durch düstre Wolkenhorden
Siegend noch das Licht geschossen:

Dieses künftighin Vergangne
Kann in seinen Finsternissen
Der umhangne, traumbefangne
Dichter jetzt und einst nicht wissen.

Sprich ihn drum nicht gar zu schuldig,
Der du ja um viel gescheidter,
Lieber Leser, sei geduldig
Und lies eben weiter, weiter!

Bald mehr bei ngiyaw eBooks von Friedrich Theodor Vischer

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk - XXI. Epistel - An Madam Mumsen und Madam Voß

Pierre-Auguste Renoir
Mehr von Goeckingk bei ngiyaw eBooks

Leopold Friedrich Günther von Goeckingk XXI. EpistelAn Madam Mumsen und Madam Voß.Im Octob. 1778.

Ihr wünschet, mich zu kennen?
Wär’ Hamburg nur von hier
Drey Meilen, wolt’ ich rennen,
Daß kaum, selbst ein Courier
Mir solte folgen können.
Allein, weil Euch von mir
Sechs Herren Länder trennen,
So würden schon fürwahr
Die Solen wacker brennen,
Durchstreift’ ich nur ein Paar.
Ich könnte freilich reiten;
Doch ach! mein einzig Pferd
Ist grade jezt bey Leuten,
Die es so lieb und werth,
Als ihre Seele, halten.
Denn wißt, als ich damit
Vor kurzem nach Trialten,
Ein Dorf bey Eger, ritt;
Da fuhren zehn Husaren
Wie Teufel auf mich ein!
Ich, mit gesträubten Haaren,
Jagt’ über Stock und Stein,
Allein die Herren waren
Noch schneller hinter drein.
Da ließ ich durch ihr Schrein:
»Halt Schurke!« mich erbitten,
Und stellte selbst mich dar,
Eh ich nach wenig Schritten
Dazu gezwungen war.
Wer hat, sprach ein Husar,
Den Gaul Euch zugeritten?
Der Hun…