Samstag, 28. November 2009

Friedrich Schiller - Der Satyr und meine Muse.

Alexandre Cabanel - Satyr und Nymphe

Ein alter Satyr spukte
Um meine Muse, die
Umherzog und begukte
Durch eine Brille lüstern sie.

Bei Phöbus goldner Fakel,
Bei Lunas bleichem Licht,
Schlich um ihr Tabernakel
Der arme spizgeöhrte Wicht,

Und trillte manches Liedel
Zu ihrer Schöne Preiß,
Und strich auf seiner Fiedel
Wol manche fürchterliche Weis'.

Und seine Augen schwollen
Von Thränen Nüsse groß,
Und seine Seufzer schollen
Wie Lieder von Silenus Roß.

Die Muse saß und spielte
In ihrer Grotte drinn,
Sah grämlich aus, und schielte
Auf Herrn Adonis Boksfuß hin.

Dich garstigen Pedanten!
Wer dich auch küssen soll!
Spielst du nicht den Galanten
Wie Meister Midas den Apoll?

Sprich alter Hörnerträger!
Was ist scharmant an dir?
Schwarz bist du wie ein Neger,
Rauch bist du wie ein Zottenthier.

Mich liebt ein junger Sänger,
Fern im Teutonenland,
An ihn den Saitenschwinger
Knüpft mich ein ewig Liebesband.

Sie sprachs und husch! und wischet
Dem Räuber aus, er nach,
Von Amorn angefrischet,
Und haschte sie und plerrt und sprach:

Halt an! Halt an! du Spröde!
Halt an und höre mich!
Dein Dichtergen, ich wette!
Bedankt sich noch gar säuberlich.

Schau dieses hübsche Dingel,
Zu melden ohne Ruhm
Auf manchem breiten Bengel,
Flog weidlich frisch das Dingel ’rum.

Das pfeffert sein Geschwäze,
Und würzet seine Lehr,
Und macht dir derbe Säze
Auf Kapp und Stekengäulen her.

Das beste Lied gewinnet
Durch dieser Geisel Wut,
Was von der Geisel rinnet,
Ist doch nichts mehr als – Narrenblut.

Die Geisel soll er haben,
Gibst du mir einen Schmaz,
Und du kannst weiter traben,
Mamsell, zu deinem teutschen Schaz.

Die Muse, schlau besonnen,
Ging den Vertrag bald ein –
Der Satyr ist entronnen,
Die Geisel ist nun mein!

Und soll auch hier nicht feyren,
Das glaubt mir kek!
Die Küsse seiner Theuren
Schenkt man doch in den Tag nicht weg.

Sie werden Flammen sprühen,
Doch Narren zünden nie!
Vor Würden soll die fromme Muse knieen,
Doch Würdenschänder geiselt sie.

P.

aus:  Neudrucke literarhistorischer Seltenheiten, Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Fedor v. Zobeltitz, Berlin, Ernst Frensdorf, Anthologie auf das Jahr 1782, Gedruckt in der Buchdruckerei zu Tobolsko, , S. 263ff.

Dienstag, 17. November 2009

Das unentschlossene Mädchen


Im stillen denk ich oft bey mir,
Ein Mann ist seines Weibes Zier,
Er ist des Weibes größte Freude,
Und zum Vergnügen leben beyde;
Doch fällt mir auch daneben ein,
Oft ist der Mann des Weibes Pein,
Oft setzt er sie mit Fleiß in Flammen;
Zum Unglück leben sie beysammen.
Sir Riechholz putzt sich nur aus Pflicht,
Er hat ein allerliebst Gesicht,
Zwey goldne Uhren in der Taschen,
Und immer volle Rosenflaschen;
Doch denk ich etwas weiter nach,
Was er vor einer Stunde sprach,
So ist ein schön geputzter Kopf,
Nichts, als ein leerer Narrentopf.
Sir Reichmann hat, was stets gefällt,
Ein Rittergut, viel baares Geld;
Er kann von seinen Zinsen leben,
Und Geld auf Hypotheken geben;
Doch ist Sir Reichmann jung und schön,
Den Werth des Reichthums zu erhöhn?
Besitzt er auch der Seele Reize?
Nein, die bestehn nicht mit dem Geize.
Sir Heilburg ist ein frommer Pursch,
Er spielt den heiligen Hanswurst,
Er fastet oft, und bethet immer,
Und ein Capellchen ist sein Zimmer,
Doch gibts noch manche Männerpflicht,
Die findet er im Cubach nicht.
Wie? wenn er diese zu vollbringen
Sich weigert? Kann ihn jemand zwingen?
Sir Spielmann kennt die große Welt;
Er stellt sich, wie der Hof sich stellt,
Und borget Mienen und Geberden
Von euch, ihr Großen dieser Erden;
Doch sind ihm auch bey alle dem
Der Großen Fehler angenehm;
Er spielet, und verliert im Spielen,
Sein Weib muß den Verlust dann fühlen.
Wer kennt Sir Buchbergs Weisheit nicht,
Der feurig schreibt, viel Sprachen spricht,
Die Musen kennt, den Flügel spielet,
Voltärens Werke liest, und fühlet?
Allein das Weib, das nichts versteht,
Als daß sie mit zu Bette geht,
Muß Schlafen, Trinken, und das Essen
Bey dem gelehrten Mann vergessen.
O lebte doch ein solcher Knab,
Der standhaft liebt bis in das Grab,
Schön, reich ist, klug und fein im Scherzen,
Voll Zärtlichkeit beym größten Herzen!
Zwar, daß es solche Knaben giebt,
Glaubt jede, wenn sie sich verliebt,
Und doch hat man in allen Jahren
Das Gegentheil fast stets erfahren.

Aus dem Damen-Journal von einer Damen-Gesellschaft - Der Schönsten in Deutschland gewidmet, Erster Jahrgang 1784
Abbildung: Leonardo Da Vinci, Der vitruvianische Mensch

Dienstag, 10. November 2009

Montag, 9. November 2009

Maria Mnioch - Gedichte


An die K. R. R*b*s zu D.
(In einem freundschaftlichen Andenkens-Briefe zum neuen Jahr 1797.)

Nimmer vergeß ich das Bild der weiblichen Anmuth und Würde,
Das in Dir ich erblickt, das vor der Seele mir schwebt.
Häusliche Grazie, sie des Lebens süße Gefährtin, –
O ihr köstlich Geschenk giebt sie so Wenigen nur! –,
Mit dem sanften Herzen die frohe Laune, den heitern
Geist des trauten Gesprächs, welches belehrt und erfreut;
Jene natürliche Kunst, die zu dem Größten mit Würde
Jetzt sich erhebt, und jetzt auch das Kleinste verschönt. –
Freundlicher Lebenssinn mit Lebensweisheit gepaaret,
O erreich’ ich dich nie, bleibst du doch ewig mein Ziel!


Nachschrift.
Statt eines Wunsches für Sie, verehrungswürdige Freundin, überreiche ich Ihnen hier einen Wunsch für mich selbst, oder besser, den Vorsatz meines Lebens. Sie entdecken vielleicht darin, wie sehr mein Herz Sie verehrt und leibt. Bleiben Sie uns noch lange, als das schöne Muster jüngerer Frauen. Wir bedürfen eines solchen Musters, und verdienen es auch, wenn wir Willen und Lust haben, zu lernen! – Einen Handkuß von den beiden kleinen Pathen, und Segen von uns Allen über Ihr Haus! –

Abbildung: Eva Gonzalès - Les Pivoines et le hanneton


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