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Es werden Posts vom Dezember, 2009 angezeigt.

Versunkenes Träumen - Kurt Tucholsky

Versunkenes Träumen


Lieblich ruht der Busen, auf dem Tisch,
jener Jungfrau, welche rosig ist und frisch.

Ach, er ist so kugelig und gerundet,
daß er mir schon in Gedanken mundet.

Heil und Sieg dereinst dem feinen Knaben,
dem es freisteht, sich daran zu laben.

Jener wird erst stöhnen und sich recken;
aber nachher bleibt er sicher stecken.

Heirat, Kinder und ein häusliches Frangssäh –
nichts von Liebesnacht und jenem Kanapee …

Ich hingegen sitz bei ihren Brüsten,
und – gedanklich – dient sie meinen Lüsten.

Doch dann steh ich auf und schlenkre froh mein Bein,
schiebe ab,
bin frei –
und lasse Jungfer Jungfer sein! –aus: Theobald Tiger, Fromme Gesänge, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919, S. 105

Walter Rheiner - Sohn der Welt

Sohn der Welt

Als ich trübe war
und auf matte und leblose Dinge blickte —
Schönheit kam zu mir,
Schönheit floß und umhüllte mich ganz und gar.

Tänzerisch kam oft das Leben und drückte
mich in die Knie vor mancher Tür;
eine Frau mit blondem und schlafendem Haar,
deren Mund mich in Buchten des Traumes schickte,
lächelnd trat sie wunderbar
und milde wandelnd herfür.

Nicht soll mich Wirklichkeit noch beirren —
(— seh ich nun klar? —)
Leben ist: leben in tausend Wundern.
immer ferneren, immer buntern!
Allem was ist, allem was war,
seltsamer Knoten, nicht zu entwirren,
bin ich, heute und immerdar!

mehr von Walter Rheiner bei ngiyaw eBooks
In den kommenden Tagen werden noch mehr Gedichte von Walter Rheiner veröffentlicht werden.