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Es werden Posts vom Juni, 2010 angezeigt.

Louise Otto - Für alle

Höllenfahrt Christi von Fra Angelico
Für alle.
Für alle! hören wir die Worte tönen, Da wird das Herz uns plötzlich groß und weit! Sie künden uns wie mit Drommetendröhnen Den Siegsgesang der echten Menschlichkeit. Denn anders ist kein heilig’ Werk zu krönen Und anders nie zu enden Kampf und Streit, Als wenn ein Heil, das in die Welt gekommen Der Sonne gleich für alle ist entglommen.
»Für alle!« sangen einst der Engel Scharen In jener gottgeweihten heil’gen Nacht, »Für alle will der Herr sich offenbaren In seiner ewigtreuen Liebesmacht; Für alle hat er Noth und Tod befahren Und der Erlösung großes Werk vollbracht, Das gleich den Gliedern eines Leibes einte Mit festem Band die gläubige Gemeinde.«
»Für alle –« klang es im Hussitenheere – »Ist auch der Gnade Kelch mit Christi Blut, Denn allen ward verkündet seine Lehre, Die in der Gleichheit aller Menschen ruht, Und Erd’ und Himmel hat nicht höhre Ehre,

Rosa Maria (Assing) – Amor und die Nymphen

Caesar van Everdingen - Bachus en AriadneAmor und die Nymphen.
In dem Haine Aphroditens Lag der kleine Sohn der Göttin, Amor, einst in tiefem Schlafe (Denn auch Amor schläft zuweilen!) Hingestreckt im jungen Grase. Bunte Wiesenblümchen schmiegten Sich an seine zarten Glieder, Leichte Zefiretten kosten Mit den kleinen goldnen Locken, Die geringelt und ambrosisch Um das zarte Antlitz wallten, Und vor Phöbus Feuerstrahlen Schützte ihn der Rosenbüsche Einer, der im heil’gen Haine Blühend, süße Düfte hauchte. Von den Nymphen Hand gepfleget, Blühten weiß die zarten Rosen, Und noch keine böse Stacheln, Die verletzen zarte Hände, Waren ihnen beigesellet. Doch da kam die Schaar der Nymphen, Blumen in dem Hain zu pflücken, Um den Altar Aphrodite’s Schön zu schmücken und zu kränzen, Und so nahten sie dem Strauche, Wo der kleine, lose Knabe Lag in tiefem, festem Schlafe. »Schwestern!« rief die eine Nymphe, »Schwestern! hütet euch und pflücket Ja nicht dort von jenen Rosen, Denn es liegt der Knabe Amor Schlafend dort in ihrem Sc…

Bettina von Arnim - Eros

Jules Joseph Lefebvre, L'amour Blesse Eros

Im Bett der Rose lag er eingeschlossen,
Im Wechselschimmer ihrer zarten Seiten,
Die taugebrochnen Strahlen schmeichelnd gleiten
Hinein zu ihm, von Geisterhauch umflossen.

Mich dünkt, in Schlummer waren hingegossen
Die reinen Glieder, durch des Dufts Verbreiten
Und durch der Biene Summen, die zuzeiten
Vorüberstreift an zitternden Geschossen.

Doch da beginnt mit einemmal zu schwellen
Der Blume Kelch! Ins Freie nun gehoben,
Erkenn ich ihn im Tagesglanz, dem hellen.

Es ist mein Auge vor ihm zugesunken,
Der mich so seltsam mit dem Blick umwoben,
In seinem Lichte lieg ich traume-trunken.