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Es werden Posts vom November, 2010 angezeigt.

Joseph von Eichendorff - Abendlandschaft

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Der Hirt bläst seine Weise,
Von fern ein Schuß noch fällt,
Die Wälder rauschen leise
Und Ströme tief im Feld.


Nur hinter jenem Hügel
Noch spielt der Abendschein -
O hätt’ ich, hätt’ ich Flügel,
Zu fliegen da hinein!


aus: Die Gartenlaube, Heft 10, Ernst Keil’s Nachfolger, Leipzig, 1888, S. 153
übernommen von der deutschsprachigen wikisource

Rosa Barach - Das deutsche Wort.

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Ertöne laut du deutsches Wort,
Hinaus in Nah und Ferne,
Du bist uns ja ein treuer Hort,
Wir hören dich so gerne.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Wo deutsch das Wort das freie,
Da stehet Wahrheit, stehet Recht
Mit uns und deutsche Treue.


Ertön’ im Lied du deutsches Wort,
Aus tiefstem Herzensgrunde,
Es trage dich von Ort zu Ort,
Trag dich von Mund zu Munde.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Wo deutsche Lieder sprießen,
Da sehen wir die Geister all’
Dem Lichte sich erschließen.


Wo deutscher Geist und deutsches Wort
Euch grüßen, deutsche Lieder,
An diesem schönen, heil’gen Ort,
Ihr Brüder laßt euch nieder.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Wo deutsche Männer stehen,
Da wird auch treu und frei und wahr
Der Freiheit Banner wehen.


Blickt hin auf unsere Väter all’
In heil’gen deutschen Landen,
Es klang ihr Wort wie Schwerter Fall,
Geeint, befreit von Banden.
»Trotz alledem und alledem« — — — —
Erhebt das Wort das starke,
Auch Schwertern gleich, zu Schutz und Wehr,
Es sei des Deutschtums Marke.


Erhebt das deutsche fr…

Karl Frohme - Gib uns unser täglich Brot! Ein Weihnachtsbild. 1877.

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Zum ersten Dezember 2010
Heil'ger Abend ist's zur Weihnacht. In den Landen weit und breit
Kündet es der Kirchenglocken eh'rner Ruf der Christenheit,
Daß sie nach der Engel Mahnung mög' vergessen all ihr Weh,
Daß sie fröhlich sei und juble: »Ehre sei Gott in der Höh'
Und der Friede allen Menschen, die da guten Willens sind,
Weil zu Bethlehem geboren das verheiß'ne Gotteskind;
Der Messias, der Erlösung von der Sünde Schulden bringt,
Der gebenedeite Heiland – jauchze Erde, Himmel singt!« –
Schöne Worte, fromme Mythe! Weiter nichts! Die Menschheit, ach,
Bangt und seufzet ja noch immer in der alten Not und Schmach!
Guten Willens sind wohl viele, aber eine Utopie
Ist trotzdem der holde Friede und der Herzen Harmonie.
Statt Erlösung neue Knechtschaft, wert des Fluches mehr noch fast,
Wie die vor zweitausend Jahren; neue, schwere Sündenlast.
Menschen, Christen – jauchzt ihr wirklich allesamt ohn' Unterschied?
Nein, o nein! für Millionen klingt kein Weihnachtssegenlied,
Von des Jamm…

Rosa Barach - Deutsch-Oesterreich

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Es steht ein Land so weit und groß,
Das sich zum Sitz die Treu erkoren,
Dies Land es trägt das Glück im Schoß,
Heil dem, der in dem Land geboren.
Auf allen Wegen
Blühender Segen
Freundlich dir lacht,
In seinen Gauen
Kannst du erschauen
Frieden und Macht.
Ist dir’s bekannt
Dies schöne Reich?
Ich nenn’ es  gleich:Es ist das schöne, es ist das große, das treue Oesterreich!


Es steht ein Blümlein wunderhold
Auf seinen hoffnungsgrünen Fluren,
Erblüht im Frühlingssommergold
Trägt es der Freiheit lichte Spuren.
Wo es erglühet,
Allda blühet
Friede und Glück.
Darf zu den fernen
Leuchtenden Sternen
Tragen den Blick.
Und dieses Land
Wo sie entstand,
Dies schöne Reich
Ich nenn’ es gleichEs ist das schöne, es ist das treue, das freie Oesterreich!


Und haltet hoch dies heil’ge Land,
Für das einst unsre Väter litten,
Sie haben uns des Glückes Pfand
Im deutschen Oesterreich erstritten.
Ihr Ruf erbrauste,
Wie Sturm er sauste
Zum Licht durch Nacht!
Darum wir halten
Wie einst die Alten
So treu die Wacht!
In diesem Land
Am Donaustrand,

Heinrich Heine - Psyche.

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In der Hand die kleine Lampe,
In der Brust die große Gluth,
Schleichet Psyche zu dem Lager
Wo der holde Schläfer ruht.


Sie erröthet und sie zittert
Wie sie seine Schönheit sieht –
Der enthüllte Gott der Liebe,
Er erwacht und er entflieht.


Achtzehnhundertjähr’ge Buße!
Und die Aermste stirbt beinah!
Psyche fastet und kasteyt sich,
Weil sie Amorn nackend sah.


aus: Heinrich Heine, Neue Gedichte, Hoffmann und Campe, Hamburg,  1844



Ada Christen - Mariechen

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Ich schaute ganz wie Du als Kindlein aus,
Nur etwas bleicher waren meine Wangen
Und wurden roth wie Deine, wenn im Haus
Wir polternd über Tisch und Stühle sprangen.


Die Augen waren auch so blau und rein,
Die Locken fielen d’rauf wie gold’ne Fädchen,
Doch liebte Niemand mich, als ich noch klein –
So innig wie ich Dich, Du kleines Mädchen!


aus: Ada Christen, Aus der Asche, neue Gedichte, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870, S. 38



Louise Aston - Berlin am Abende des 12. November 1848

Wilde kriegerische Klänge
Tönen in die Nacht hinaus,
Schweigend harrt des Volkes Menge
Vor dem königlichen Haus;
Manches Auge blitzt in Thränen,
Manche Faust ist wuthgeballt;
Ob der frevelnden Gewalt
Knirschen Kinder mit den Zähnen.

Glimm’! o glimm’,
Heiliger Grimm!



Bleiches Mondlicht strahlt hernieder
Auf die haßentbrannte Welt; –
’s ist derselbe Mond, ihr Brüder,
Der die Märznacht einst erhellt;
Kommt es heut zum Kugelregen:
Hält der Tod sein Sichelfest,
Und dem letzten Ueberrest
Gibt das Fallbeil seinen Segen. –

Noch ist von Groll
Das Maaß nicht voll. –



Erst des Landes Stimme hören
Will der friedliche Convent;
Bald wird sich das Land empören
Gegen Wrangels Regiment;
Drum voran mit edlem Stolze,
Bannerträger in Berlin!
Mag der Thron in Flammen glühn!
Denn er ist von faulem Holze.

Freiheit und Glück
Gibt Republik!


Freischärler-Reminiscenzen von Louise Aston, woraus das Gedicht entnommen wurde, auf ngiyaw eBooks

Louise Aston - IX. Harmonie

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IX. Harmonie

Das ist der Tag, der leuchtend aufgegangen!
Nicht mehr verworr’ner Traum hält mich umfangen!
Die Schattenbilder seh’ ich rings zerfließen,
In’s weite Meer des Lichtes sich ergießen,
Klangvoll hat Harmonie mein Herz durchdrungen;
Mich hat ein echt’ und groß’ Gefühl bezwungen!
Ihm gönne freudig ich des Sieges Recht,
Es soll mein Herr für ew’ge Zeiten bleiben,
Ein jeder Pulsschlag sei des Siegers Knecht;
Die ganze Seele will ich ihm verschreiben!
O süßer Schmerz, so um die Freiheit klagen!
O süße Knechtschaft, solche Fesseln tragen!
Die kühn die Welt gefordert vor die Schranken,
Kampflustige Gefühle und Gedanken,
Des freien Geistes trotzige Vasallen,
Sind machtlos jetzt dem neuen Bann verfallen!
Unglücklich war ich, als ich Herrin war,
Und spielte stolz mit Wünschen und mit Trieben;
Doch Glück umfängt mich süß und wunderbar,
Seit ich die ganze Seele Ihm verschrieben.


Wilde Rosen von Louise Aston, woraus das Gedicht entnommen wurde, auf ngiyaw eBooks

Heinrich Heine - Frühling

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Die Wellen blinken und fließen dahin –
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Am Flusse sitzt die Schäferin
Und windet die zärtlichsten Kränze.


Das knospet und quillt, mit duftender Lust –
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust:
Wem geb’ ich meine Kränze?


Ein Reuter reutet den Fluß entlang,
Er grüßt so blühenden Muthes!
Die Schäferin schaut ihm nach so bang,
Fern flattert die Feder des Huthes.


Sie weint und wirft in den gleitenden Fluß
Die schönen Blumenkränze.
Die Nachtigall singt von Lieb’ und Kuß –
Es liebt sich so lieblich im Lenze!


aus: Heinrich Heine, Neue Gedichte, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1844, S. 191 f.




Marie Eugenie Delle Grazie - Moses

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Moses (Von Michel Angelo)

Noch flammt die Stirne dir von Sinai’s Wettern,
Noch weht um dich Jehovah’s myst’scher Hauch –
Da horch! metall’ner Becken gelles Schmettern –
Da sieh! das gold’ne Kalb, den Opferrauch,
Der schnöd gefall’nen Menschlein wüsten Reigen
Um’s Thier – ach, um ihr ewiges Symbol!
Zu ihnen wolltest du herniedersteigen,
Begeistert weltentrückt – des Gottes voll?
Für sie hast du die schlummerlosen Nächte
Durchträumt? Für sie dein Antlitz bleich gehärmt?
Für diese Brut rangst du des Himmels Mächte
Hernieder? Für dies Aas hast du geschwärmt?
Ihm wolltest du Prophet sein und Erretter,
Ihm Weisheit bringen, die von Gott entstammt –
Ihm? – hörst du nicht der Becken Hohngeschmetter,
Den Schrei der Bestie, brünstig, wahnentflammt?
Und seine Kiefer knirschen – in die Mähne
Des Bartes wühlt sich die ergrimmte Hand,
Die blutgeschwellte Ader wird zur Sehne
Und Stein der Leib, den Wuth und Schmerz gebannt!
Die mächt’ge Brust allein scheint auszuwogen,
Und diese Brust, sie ringt nach einem Schrei –
Ja, sto…

Catharina Regina von Greiffenberg - Auf den Kornschnitt

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SChneidet, schneidet ab mit Freuden, was der milde Himmel gibt,
die verguldte Lebens-Kron, fechsnet ietzund in die Scheuren:
GOtt wird sie, wie auf dem Feld, segnen auch in euren Mäuren.
Dem Allwesenden, durch diese, auch zu uns zukommen liebt.


Die vermenschet’ Allheit nachmals, in dem Brod, in uns sich schiebt,
bey dem GOttes-Wunder-Tisch, durch ihr starkes Lieb-anfeuren.
Dieses GOtt- nit Engel-Brod, laß die Sünde nicht versäuren!
Ewig es begabt und labet, alles anders bald verstübt.
Zwar es ist hoch dankens wehrt, auch das Leiblich Segen-geben.


Doch ach! was die Seel’ ergetzet, äusserst zu erwünschen ist.
Schatten, Pfeil, und Flügel-Art ist, mit seinem Gut, diß Leben.
 Gib mir, was du wilt, von diesem: nur das, was du selber bist,
Seeligkeit und Ewigs Gut, bitt ich, mir nit zuversagen.
Wer nur nach dem Höchsten zielt, wird das kleine schon erjagen.


aus: Geistliche Sonnette, Lieder und Gedichte, zu Gottseeligem Zeitvertreib, Michael Endters, Nürnberg, 1662, S. 242



Frida Bettingen - Nachts

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Ruhesam
kniet mein Herz
unter den schwebenden Rufen
der ewigen Heimat.

Nur der düstere Hüter der Tore schreckt es.

Oh,
wer wird bei mir sein,
wenn sich die letzten, strengen Angeln wenden werden.

Auf seiner wartenden Augen Geheiß!

Stern, lieber Stern,
Du Tropfen Ewigkeit
am stillen Himmel,
all meiner welkenden Stunden Mühsal
ist Goldstaub und Anbetung worden in Deiner Hand.

Du hast Deine frommen Tempelwände darum gebaut.

Stern, lieber, lieber Stern,
wir kennen uns schon lange,
Jahrtausende stickten den Saum Deiner Kleider,
Du hörst die Harfen Gottes,
Du weißt, wo Er wohnet,
sein Weg ist Dein Weg, – –

»Führe mich – führe mich!«

aus: Frida Bettingen, Gedichte, Georg Müller, München, 1922, S. 76



Friederike Brun - Die Locken der Mägdlein

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Die Locken der Mägdlein. Ein Opfer der Mutter an Hebe.

Siehe die glänzenden Löckchen, o rosenduftende Hebe,
     Weich wie der Pappelbaum blüht, golden wie reifende Saat!
Zierlich umherzt vom Gefäß und von thauigen Blumen umduftet,
     Stell’ ich sie hoffenden Sinns leis’ am Altare dir hin!
Nimm das Opfer der Kindheit, o himmlischlächelnde Göttin,
     Knospen-Enthüllerin, nimm freundlich die Gabe des Mais!
Lächelnd folgen die Mägdlein; doch thaut auf das Lächeln die Thräne,
     Weil sie des wallenden Haars schmeichelnd die Mutter beraubt.
Freudig vertrauen sie dir, du Spenderin lieblicher Gaben,
     Die du im hohen Olymp ewiges Lächeln verstreust!
Bräune die keimenden Locken und röthe die knospenden Wangen
     Unschuld schirme die Brust mit diamantenem Schild!
Stolz entleuchte dem Blick und Lieb’ entathme der Lippe,
     Zärtlichkeit hebe das Herz, Edelmuth glänz’ auf der Stirn!
Willst du den zarten Schwestern, o Göttin, alles gewähren:
     Misch’ in der Locken Schnee, spät noch die Blüthe der H…

Marie Eugenie Delle Grazie - Abschied

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Vollmondnacht! Von allen Hügeln
Nieselt’s silberblau in’s Meer,
Auf des Südwind’s trägen Flügeln
Schwimmt’s narkotisch zu mir her –
Vollmondnacht!


Wund mein Herz .... der Wogen Rauschen
Scheucht die Ruh’ von meinem Pfühl –
Wie’s mich lockt, hinabzulauschen,
In die Nacht, so ahnungsschwül –
Wund mein Herz ....


Sieh’, da winkt es aus den Fluthen,
Geisterhaft – Neapel’s Bild!
Meine Seel’ fühl’ ich verbluten
Und mein Herz pocht heiß und wild –
Sieh’, da winkt’s!


Und Vineta’s muß ich denken,
Ach! und jedes Augenblick’s,
Da ich fern’ werd’ dein gedenken,
Du Vineta meines Glück’s –
Meines Glück’s!


aus: Marie Eugenie Delle Grazie, Italische Vignetten, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892, S. 87







Louise Otto - Neue Liebe

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Wenn mit neuen Glutgefühlen und mit sehnendem Verlangen,
Einem Herzen ist die Liebe gleich der Sonne aufgegangen,
Da erwachen neue Lieder so die neue Schöpfung preisen,
Aus den langverstummten Innern klingts in wunderreichen Weisen.


Aber eine Liebe weiß ich, eine, die uns mehr erschüttert
Und ihr Aufgang gleicht der Sonne, wenn die Wetterwolke wittert,
Wenn die Fluren tauig glänzen und die Vögel wonnig schmettern
Und in rabenschwarzen Wolken Blitze machtlos niederklettern.


Freiheit! Freiheit ist die Sonne und der Freiheit gilt dies Lieben,
Wollet nimmer Euch verwundern, daß, die frühe stumm verblieben,
Von den deutschen Sängern allen, jetzt auch Schlachtenlieder singen –
Freiheit, des Jahrhunderts Göttin heischt solch waffenhelles Klingen.


Drohet nur ihr dunklen Wolken, so die Sonne noch umzogen
Eure Blitze falln wie Pfeile von den schlaffgewordnen Bogen,
Fallen machtlos, zündlos nieder, schrecken nur der Feigen Wege,
Doch wir Andern sprechen tröstend: seht! es sind nur kalte Schläge.


Laut besingen d…