Dina von Salmuth - Du ahnst nicht, was ich leide

Illustration: William Bouguereau - Abendstimmung


Du ahnst nicht, was ich leide,
Seit du so fern mir bist,
Wie ich den West beneide,
Der Stirn und Wang’ dir küßt;
Die süße Ätherwelle,
Die deine Stimme trägt,
Die mächt’ge Dichterquelle,
Die hoch um’s Herz dir schlägt!

O heilig reine Liebe,
Die mir im Herzen wohnt,
Wird denn dein hold Getriebe
Mit Schmerz mir nur gelohnt?
Reiß von dem Blütenstamme
Die zarte Ranke los,
Die schwache Lebensflamme
Erstirbt im kühlen Moos.

Der Stern herabgesunken
Vom blauen Himmelszelt,
Erlischt als kleiner Funken,
Und war dort eine Welt. -
Im Himmel schwebt’ ich trunken,
Im Strahle deines Licht’s,
Ich bin herabgesunken -
Ein Meteor - ein Nichts.


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart


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