Elisabeth Bobertag - Die Hände der Mutter.

Christof Berger - Cueva de las Manos
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Sie werden deinen Sarges Deckel schließen,
Sie halten ihn erbarmungslos bereit,
Ich will mein Glück zum letztenmal genießen,
Dann lebewohl für diese Erdenzeit!


Das sind die Hände, die mich liebend pflegten,
Sie schaut’ ich oft mit stillem Danke an,
Eh’ noch die meinen sich zur Arbeit regten,
Und eh’ der Kampf des Lebens neu begann;


Sie falteten die meinen zum Gebete,
Eh’ ich des Ew’gen Nähe noch erkannt,
Und während ich des Himmels Schutz erflehte,
Erschienen fromme Engel gottgesandt.


Das Antlitz ist das vor’ge nicht geblieben,
Doch dieses ist die alte, liebe Hand,
Nun lebewohl, ein unverändert Lieben
Begleitet mich durch dieses Erdenland.


Und wenn ein Leiden kommt, wenn das Versenken
In bittern Gram die Seele mir bewegt,
Dann will ich an die treuen Hände denken,
Die segnend oft sich auf mein Haupt gelegt!


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 26.



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