Ferdinande Freiin von Brackel - Volkslied

Claude Monet - Frühling



Nun laß die Lieb begraben sein,
Sie ist ja tot, sie ist ja tot;
Und um die Toten weint man sich
Die Augen rot, die Augen rot.


Doch einen Strauß, den gib noch mit!
Den letzten Strauß, den letzten Strauß,
Den gibt man allen Toten wohl
Noch mit hinaus, noch mit hinaus.


Und eine Nelke bind' hinein,
Die feurig ist, recht feurig ist,
Wie uns're Lieb im Leben auch
Gewesen ist, gewesen ist.


Auch Rosmarien thu hinzu:
Das deut' auf Schmerz, das deut' auf Schmerz.
Weiß doch allein, wie weh mirs war
Allzeit ums Herz, allzeit ums Herz.


Nimm auch ein wenig Gelbveiglein:
Das spricht von Neid, das spricht von Neid.
Vom Neide ja gekommen ist
All dieses Leid, all dieses Leid.


Und höre, nimm auch Blümlein blau:
Die Männertreu, die Männertreu,
Weißt wohl, wenn man d'rauf blasen thut,
Ists gleich vorbei, ists gleich vorbei.


Doch wenn du find'st Vergißmeinnicht:
Thus nicht hinein, thus nicht hinein;
Es muß die Lieb ja nun mal doch
Vergessen sein, vergessen sein.


Und kanns das arme Herze nicht:
Dann ists bald aus, dann ists bald aus.
Dann legst du mir aufs eig'ne Grab
Den letzten Strauß, den letzten Strauß!


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 28 f.






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