Montag, 28. März 2011

José Martí - Guajira-Lied aus Guantánamo




Spanischer Originaltext


Deutsche Übersetzung

Yo soy un hombre sincero,
de donde crece la palma,
y antes de morirme quiero
echar mis versos del alma.

Ich bin ein aufrichtiger Mensch
von da, wo die Palme wächst,
und bevor ich sterbe, möchte ich
mir meine Verse von der Seele singen.

Mi verso es de un verde claro
y de un carmín encendido.
Mi verso es un ciervo herido
que busca en el monte amparo.

Mein Vers ist von hellem Grün
und von entflammtem Rot
Mein Vers ist ein verwundeter Hirsch
der im Gebirge Zuflucht sucht

Cultivo una rosa blanca,
En julio como en enero,
Para el amigo sincero
Que me da su mano franca.

Ich ziehe eine weiße Rose heran,
im Juli wie im Januar,
für den ehrlichen Freund
der mir seine offene Hand reicht.

Con los pobres de la tierra
quiero yo mi suerte echar.
El arroyo de la sierra
me complace más que el mar.

Mit den Ärmsten der Erde
will ich mein Schicksal abwerfen.
Der Bach im Gebirge
erfreut mich mehr als das Meer.

Samstag, 26. März 2011

Edwin Bormann - Der Froschkönig

Frosch und Storch, Lithographie um 1880



DER FROSCHKÖNIG.
HEINRICH VON MÜGELN.




Die Frösche sassen zins- und steuerfrei
In ihrem See. Da hub sich ein Geschrei
Aus ihren Kehlen hunderttausendtönig:
»Herr Jupiter, o gieb uns einen König!«
Der lachte drob in seinem Göttersaal;
Da schrien und jammerten sie abermal.
Und Jupiter in seiner Himmelshöh’
Griff einen Klotz und warf ihn in den See:
»Ist euch ein Herrscher allsosehr von Nöthen,
Nehmt Den als König hin, ihr Frösch’und Kröten!«
Zu Tod erschrocken war die ganze Schaar,
Sie tauchten bis zum sumpf gen Grunde gar;
Bald aber kam’s mit Quakquakquak hervor
Und klomm am milden Könige empor.
Und als sie nun auf seinen Schultern sassen,
Da klagten laut sie über alle Massen,
Und brüllten wehmuthsvoll und jammertönig:
»Herr Jupiter, gieb uns ’nen bessern König!«
»Steht euch der sanfte Herrscher nicht zu Sinn,
So nehmt den Storch von mir als König hin!«
So rief der hohe Gott voll Grimm und Galle;
Und König Storch verschlang die Frösche alle.


Drum: hast du einen sanften Herrn,
Sollst ihn darob nicht schelten,
Dass du nicht kommest wie der See
In Leid und Weh.
Der Freiheit und dem ersten Herrn
Folgt Bessres wunderselten.


aus:Edwin Bormann, Klinginsland, Minnelieder und Spielmannsweisen, Edwin Bormann's Selbstverlag, Leipzig, 1891




Freitag, 25. März 2011

Maoi Milalis - Sterben

Sterben

Schon lange kannten wir das Ende
Das kommen würde ohne Rast
Wir sahen es vor unsren Augen
Und harrten seiner ohne Hast


Doch so wie alles, wenns noch nicht ist
Dem Tatsächlichen nicht entspricht
So blickte ich unvorbereitet
Dem Tod ins blanke Angesicht


Dein letzter Wunsch, ich sollts erfüllen
Ich versprach’s, du bist mein Leben
So wie ich dich in Lust umarmte
Nähe sollte ich dir geben


Noch lange nach dem Tode
Hielt ich dich fest gedrückt
Ich werd es nie vergessen
ein letztes Mal beglückt


Doch dann sah ich die Blässe
Statt deines Lebens Rot
Ich konnt nicht von dir lassen
Und wünschte ich wär tot


* * * * * * * * * * * * *


Nach Jahren deiner Ferne
Fühl ich dich in den Armen
Doch spür ich keine Wärme
Der Tod kennt kein Erbarmen




Maoi Milalis copyrighted



Amy Lowell – Tagundnachtgleiche - Vernal Equinox

Tagundnachtgleiche


Der Duft von Hyazinthen liegt wie ein blasser Nebel,
liegt zwischen mir und meinem Buch.
Und der Südwind, der den Raum erfüllt,
lässt die Kerzenflammen beben.
Meine Gedanken fesselt ein Regenspritzer
auf dem Fenstersims,
und das junge Grün draußen in der Nacht
wird mir zur Qual.


Warum bist du nicht hier, mich zu umfangen
mit der Macht und Kraft deiner Liebe?


Übertragen von Maoi Milalis (copyrighted)


Vernal Equinox


The scent of hyacinths, like a pale mist,
Lies between me and my book;
And the South Wind, washing through the room,
Makes the candle quiver.
My nerves sting at a spatter of rain on the shutter,
And I am uneasy with the thrusting of green shoots
Outside, in the night.


Why are you not here to overpower me with your tense and urgent love?



Karl Gottfried von Leitner – Die schöne Brigitte

Die schöne Brigitte

Die schöne Brigitte, die Füsse bar,
Schweift irr durch die Nacht mit losem Haar.


Sie schweift durch die Nacht voll Jammer, und lauscht,
Was nahe hier wispert, was fern dort rauscht.


Die blitzenden Sterne bedrohen sie: »Du!
Wir standen hier Wache und sahen dir zu.«


Der Mond lacht hämisch: »Der See ist nass.
Drin seh’ ich es liegen; du weisst schon was.«


Sie schleicht durch die Au, und das Blümlein weint:
»Ich habe mit ihm zu spielen gemeint.«


Sie klimmt auf den Felsen, da mahnt das Moos:
»Ich hätt’ es so weich gebettet im Schoos.«


Sie läuft in den Wald; der flüstert: »Gescheit!
Nun brauchst du kein Bäumchen zur Weihnachtszeit.«


Sie springt davon, da krächzet ein Rab,
Ein schwarzer, ihr nach: »Kopf ab! Kopf ab!«


Sie rennt, und rennt durch Busch und Strauch,
Bis rauschet der See: »Nun hab’ ich dich auch!«


aus: Deutsche Lyrik der Gegenwart, herausgegeben von Ferdinand Avenarius, Louis Ehlermnann, Dresden, Zweite Auflage 1884



Donnerstag, 24. März 2011

Maria Janitschek - Frühlingsnacht

Maria Janitschek



Frühlingsnacht.


Auf den stillen Feldern träumt das Mondlicht
seinen weißen Traum und küßt die Blumen,
bis sie blaß und blässer werden. Silbern
glänzt der Teich im Tann; wie schneeige Schleier,
die versteckte Nixen von sich streifen,
blitzts auf seiner spiegelklaren Fläche.


Weiße Rauche dampfen aus den Thalen,
wo der Armut Hütten lichtverklärt sind
und vertraute Grüße lautlos wechseln
mit des kleinen Kirchhofs niedern Kreuzen ..


Weißer Friede, weißer weicher Friede –


aus: Maria Janitschek, Im Sommerwind, Verlag Kreisende Ringe, Leipzig, 1895



Mary Elizabeth Hewitt – Nach Sappho.

Charles Gleyre – Sappho geht zu Bett



Nach Sappho


Wenn deinen Namen flüstern in dem leeren
Gemach, und nur bei dir zu denken sich,
Wenn nah dir seufzen, fern dir sich verzehren:
O, wenn Dies lieben heißt, so lieb ich dich!


Wenn bei dem leisen Gruß, von dir gesprochen,
Empfinden, wie die Gluth das Herz durchschießt;
Zurück dann wieder drängen all dies Pochen,
Daß seinem Jubel stumm der Mund verschließt;


Wenn athemlos auf deine Rede hören,
Daß schier vor Angst mein Herz zu springen droht;
Und, einsam, jedes Wort zurückbeschwören,
Als ruht' in ihm mir Leben oder Tod;


Wenn, angeschaut von dir, das Auge senken,
Und wie die Taube bebend neigen sich;
Wenn schlafend, wachend, ewig dein gedenken: –
O, wenn Dies lieben heißt, so lieb' ich dich!


aus: Lieder- und Balladenbuch amerikanischer und englischer Dichter der Gegenwart, Herausgegeben und übertragen von Adolf Strothmann, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1862



Mittwoch, 23. März 2011

Felicia Hemans – Der Sonnenstrahl.

Dellex – Sonne, Meer und Möwe(GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2)



Der Sonnenstrahl.


Du weilst nicht allein in dem Königssaal,
Bringst überall Freude und Lust, o Strahl!
Bist Hoffnungsverkünd'ger dem Land und Meer —
Sag', was hat die Schöpfung, das gleich Dir wär'?


Du wallst auf der Flut, und der Ocean lacht,
Du umstrahlst die unzähligen Inseln mit Pracht;
Du umglühest die Schiffe, den flockigen Schaum,
Und erheiterst den Schiffer wie heimischer Traum.


In den heiligen Tiefen vom schattigen Hain
Strömst Du auch die grünen Arcaden hinein;
Die zitternden Blätter erhaschen die Glut,
Und spiegeln wie Funken sich hell in der Flut.


Ich blickt' auf die Berge, — ein Nebel schwebt'
Um die zackigen Höh'n, der sie schwarz umwebt';
Du brachst hervor, und die Nebelnacht
Ward Krone und Purpur voll Glanz und Pracht.


Ich blickt' auf des Landmann's niederes Haus —
Es sah wie umhüllet von Traurigkeit aus!
Doch ein Blick von Dir durch das Gitter bricht,
Und mit Schönheit umstrahlt es Dein magisches Licht.


Du leuchtender Gast, der die Wildniß begrüßt,
Die Wüste erhellt, und den Rosenkelch küßt,
Du verschmäh'st in der Pracht Deines Glanzes es nicht,
Die Ruine zu grüßen mit liebendem Licht.


Du schwebst durch des Domes düsteren Chor,
Da blitzen die Säulen aus Nacht hervor,
Und die Leichensteine mit alten Trophä'n
Sind wie von geschmolzenem Golde zu seh'n.


Und Du wendest Dich nicht von der niedrigsten Gruft,
Wo die Blume sich wiegt in der seufzenden Luft;
Du verscheuchest ihr Grauen wie Träume der ruh',
Auf der Wölbung des Hügels voll Lieb' schlummerst Du.


O Sonnenstrahl, was gibt's, das gleich Dir wär'?
Du Hoffnung der Wildniß, Du Lust vom Meer! —
Nur Eins, das Dir gleicht, ist dem Menschen gewährt,
Der Glaube, deß Licht Alles himmlisch verklärt.


aus: Britannia, Eine Auswahl englischer Dichtungen alter und neuer Zeit, Übertragen von Louise von Ploennies, Mit Originaltext, Verlag der S. Schmerber'schen Buchhandlung, 1843





Else Galen-Gube – Hymen.

Sir Joshua Reynolds – Three Ladies Adorning a Term of Hymen


Hymen



Am Horizont verglimmt des Tages Schein,
der Abend sinkt in satten Farbengluten;
im fernen West will sich der Tag verbluten,
wir beide endlich, endlich ganz allein.


Du schaust mir selig lächelnd ins Gesicht,
an meinen Wimpern siehst du Tränen hangen;
zwei heiße Zähren, die nach Zweifelsbangen
das Glück gebar. O das verstehst du nicht.


Lös nicht den Gürtel jetzt mir vom Gewand,
entweihe nicht die Heiligkeit der Stunde;
dein bin ich, dein aus tiefsten Herzensgrunde –
Komm, leg auf meine Stirn nur deine Hand.


Ich weiß, du hast dich ja nach mir verzehrt,
in wilder Sehnsucht, schweigend, ohne Klagen;
grausam bin ich – und doch, konnt ich denn sagen:
»Dein eigen sei, was du so heiß begehrt?«


Was blickst du so verstört, so starr mich an?
Nichts soll sich zwischen unsre Liebe türmen?
O du – – ich weiß. Du willst den Himmel stürmen ..
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 
So stürm ihn denn, du heißgeliebter Mann.


aus: Else Galen-Gube, Im Bann der Sünde, Gedichte, Thomas & Oppermann, (Ferd. Beyers Buchhandlung), Königsberg i. Pr., 1905.

Dienstag, 22. März 2011

Michail Eminescu – Die Vampyre

John Henry Fuseli – The Nightmare


Die Vampyre



Im hohen Dom, erhellt vom Fackelscheine,
Ruht Chagan's schöne Braut auf einer Bahre;
Ihr Prachtgewand trägt viele Edelsteine,
Die Priester singen klagend am Altare.


Zur Erde fallen ihre goldnen Locken,
Die Augen liegen tief, doch trüb und leis
Zu lächeln scheint ihr Mund, schon bloß und trocken;
Ihr schönes Antlitz ist wie Kalk so weiß.


Und Chagan, der Avaren König kniet
Dort neben ihr, sein schwarzes Haar ist wirr.
Verzweiflung aus den blut'gen Augen sieht;
Drei Tage spricht er, thränenlos, wie irr:


»Ich war als Kind schon stolz; das Rund der Erden
Vom Tannenhochwald aus mein Blick verheerte.
Von Kaisern, Welten wollt' ich Herrscher werden
Und maß der Wolga Tiefe mit dem Schwerte.


Dem Bienenschwarm glich meines Volkes Schaar,
Dem ich ein Halbgott schien; bei meinem Nahen
Das Weltall bis zum Pol voll Schrecken war,
Und auch die Wüsten flieh'nde Völker sahen.


Denn Odin war es, der aus eis'gem Dom
Gesandt die Völker, die nach blut'gen Zeichen
In tausend Schwärmen eilten gegen Rom,
Mit Priestern, die erweckt aus Urwalds Reichen.


Im Dniesterthal wollt' ich dein Volk vernichten,
Als mit dem Häuptling dich erblickt ich habe,
Dein Antlitz, eingerahmt vom Haar, dem lichten –
Vor dir ward plötzlich ich ein scheuer Knabe.


Dein milder Vorwurf mir die Stimme bannte,
In beide Hände barg ich mein Gesicht;
Beschämt zur Erde nieder ich mich wandte,
Die erste Thräne trübt' mein Augenlicht.


Als deine Freunde lächelnd sich entfernen,
Heft' ich den Blick auf dich und frag' verwirrt:
›Wie hast du, Königin, in wilde Fernen,
Zu der Barbaren Horden dich verirrt?‹


Mit thränenvoller Rührung sprichst du dann,
Die Augen, drin ein Wunsch liegt, mild sich neigen:
›Sei königlich im Siege, stolzer Mann,
Gieb dich, den wilden Chagan, mir zu eigen.‹


Ich wandt' mein Antlitz, reichte dir mein Schwert,
Du hemmtest an der Donau meinen Lauf.
Chagan vergaß die Welt, seit er dir werth,
Und du gingst, Sieg'rin, im Besiegten auf.


Seitdem, wenn Tag in Nacht leis überging,
Naht sich verstohlen, die nun mir geweiht.
Ihr Mund sprach, während mich ihr Arm umfing:
›Um Chagan, König, bittet deine Maid.‹


Hätt'st du die Sterne, die der Himmel trägt,
Gewollt, der Königskronen gold'nes Licht,
Zu Füßen hätt' ich Alles dir gelegt –
Doch nichts mehr willst du jetzt, auch Chagan nicht!


Ach, besser wär's, ich hätt' dich nie gesehen,
Mein wär' die Welt, die ich in wüsten Städten
Und rauchenden Ruinen sah erstehen,
Als mich die Träume meines Walds umwehten.«


Weißbärt'ge Mönche, allen Erdenklagen
Entrückt, die Fackeln heben; alte Priester
Erloschnen Auges, langsam schreitend, tragen
Der Donau Königin in's Grabesdüster.


Und trübe singend, in gewölbten Schacht
Versenken sie den Sarg; der Grabesstein,
Hoch über dem die ew'ge Lampe wacht,
Trägt stolz als Siegel nur das Kreuz allein.


                                II.


Chagan, auf schwarzem Pferd, vom Mond belauscht,
Flieht wie ein Traum dahin auf steilem Stege.
Leis über Höh'n der Wind in Blättern rauscht;
Der Nordstern weist die Richtung seinem Wege.


Doch, wo aus Felsgestein die Flüsse quellen,
Hat er den Rand des Hochwalds jetzt erreicht.
Im dichten Laub hört er des Dachses Bellen,
Des Auerochs' Gebrüll, das Donnern gleicht.


Auf einem Thron im Felsen, aufrecht, steht
Des Heidenpriesters überird'sche Macht.
Schon hundert Jahr' an ihm vorübergeht
Der Tod, sein Aug' nur ist gehüllt in Nacht.


In seinem langen Haare wächst das Moos,
Die Braue reicht zur Brust, zu Erd' der Bart,
Die Hand läßt nie die schwere Krücke los,
Die Füße sind im Felsen fast erstarrt.


So geht der Tag wie Nacht; viel Menschenleben
Zählt er im Sinn, zählt unzählbare Tage.
Ein schwarzer Rabe und ein weißer schweben
Im Kreis um ihn mit müdem Flügelschlage.


Chagan naht sich des Träumers weißem Haupt:
»Du Magier ew'ger Zeit, dich suche ich,
Gieb sie zurück, die mir der Tod geraubt,
Und deinen Göttern unterwerf' ich mich!«


Mit seiner Krücke hebt die Brau'n der Alte
Und starrt ihn lange an, doch schweigt er kalt.
Den Fuß dann lösend aus der Felsenspalte,
Winkt er, zu folgen ihm zurück zum Wald.


An Thor, wo man in Bergestiefen dringt,
Klopft mit dem Stab er dreimal an die Mauer.
Aus alten Angeln laut die Thür aufspringt:
Der Alte neigt sich, Chagan bebt vor Schauer.


Sie treten ein in schwarze Marmorhallen,
Der Greis entzündet einer Fackel Licht.
In's alte Schloß die Thüren wieder fallen,
Die Flamme flackernd an der Wand sich bricht.


In grausem Schweigen winkt der Magier wieder,
Weist auf den Thron, der dort schon seiner harrt;
Der Fürst, erstorb'nen Herzens, läßt sich nieder,
Am Schwert die Rechte, fast zu Stein erstarrt.


Empor zu wachsen scheint der weiße Greis,
Die Luft, von seinem Zauberstab durchzogen,
Gleicht kühlem Hauch, und wie von Stimmen leis
Zieht süßer Sang hin durch die hohen Bogen.


Allmälig schwillt der Sang, als wenn die Winde
Hinbrausen schreckvoll über Meeresflächen,
Als sollt' vor Angst die ganze Erdenrinde
Bis tief in's Innerste in Stücke brechen.


Die Wölbung schwankt, als öffne sie sich droben,
Der mächt'ge Felsen wankt in seinem Grund.
Zu rufen scheint's, zu fluchen und zu toben,
Und wild schwillt's mehr und mehr aus Geistermund:


»Aus ihrem eignen Herzen möge Leben
Die Erde deiner Todten geben wieder!
Der Mond soll Glanz in ihre Haare weben;
Vom Stern strahl' Licht in ihre Augen nieder!


Doch Geist theil' du ihr mit von deinem Geist,
Zamolxes, Same du vom ersten Licht,
Aus deines Mundes Odem, der vereist
Und auch verbrennt, dem keine Kraft entbricht!


Ihr Elemente vier, durchdringt die Erden
Macht Gold aus Steinen, aus den Wassern Gluth;
Aus Fels fließ' Feuer, Eis laßt Dämpfe werden
Und nährt der Jungfrau Herz mit heißem Blut!«


Da schwand der Fels vor Chagan; wogen
Sah er im Kampf die ganze Creatur,
Schnee, Bltz, Eis, Sommerwind; in Flammenbogen
Lag fern die Welt und ächzte die Natur.


Das Gotteshaus, der heil'ge Vorhang wankt,
Zerrissen mitten durch von Blitz-Gewalt,
Und tiefem Grabgewölb' entsteigend schwankt,
Langsam sich nähernd, seiner Braut Gestalt.


Ein süßes Bild des Schnees. Das Haar ihr reicht
Zum Fuß, der Hals, geschmückt mit Perlen reich,
Trägt müd' das kleine Haupt, und leise streicht
Mit weißer Hand sie ihre Stirne bleich.


Sie naht durch Wind und Nebel, Wolken fliehen,
Der Mond verblaßt, der ganze Himmelsbogen
Neigt sich, die Blitze lassen sie durchziehen,
Als käm' ein Engel durch die Höll' gezogen.


Dann schwand das Bild. Doch an der schwarzen Mauer
Schlafwandelnd nahte sie sich langsam wieder,
Chagan verschlang mit Augen sie; vor Schauer
Fiel er, die Arme öffnend, sinnlos nieder.


Von kaltem Arm umfangen fühlt er sich,
Und fühlt den eis'gen Kuß auf seinem Herzen
Durchbohrend brennen, wie ein tiefer Stich.
Lebendig wird sie so durch seine Schmerzen.


In ihre Seele Wärme überging,
Ihr Mund, geöffnet wie zu leisem Streit,
Spricht, während ihn ihr weißer Arm umfing:
»Um Chagan, König, bittet deine Maid.


Willst, Chagan, du nicht ruh'n an meiner Brust?
Du Gott, mit deinen glühend schwarzen Augen;
Mein blondes Haar sei deine Himmelslust,
Laß mich aus dir von Neuem Leben saugen!«


Und mild erklang ein alter, traur'ger Sang.
Wie wenn ein Quell durch trockne Blätter rauscht,
Dann plötzlich es wie Lieb' und Wollust klang,
Dem Wellenschlag des Seees abgelauscht.


                                III.


In hohen Sälen rothe Fackeln scheinen,
Verwunden grell die schwarze Dunkelheit,
Chagan haust einsam dort, und Lachen, Weinen
Ertönet wild durch seine Hallen weit.


Ein Flor die dunkeln Marmorspiegel deckt,
Durch dessen Schwarz der Fackelschein kaum dringt.
Das leere Haus sein Leid von Neuem weckt,
Und überall das Bild der Todten winkt.


Seitdem der Blitz im hohen Dom einschlug,
Schlief schwer und bleiern Chagan ganze Tage.
Den schwarzen Flecken er am Herzen trug,
Und Nachts hört' richtend er des Volkes Klage.


So bleich wie Wachs ist jetzt sein Angesicht
Und starr, doch blutig seiner Lippen Rand.
Die Fiebergluth aus einen Augen bricht,
Auf's Herz ist ihm der schwarze Fleck gebrannt.


In Todeskleid er jetzt das Leben hüllt,
Sein Ohr sucht nur den Klang der trüben Lieder.
Er reitet aus, wenn Mond die Nächte füllt,
Doch heimgekehrt, erfaßt ihn Schauer wieder.


Auch heut' sein Pferd er wiederum besteigt,
Dem Pfeil gleich eilt er fliegend durch die Halde.
Der Mond glänzt silbern. Aus der Ferne zeigt
Sein Lieb sich ihm, sanft kost der Wind im Walde.


Und ihrem Haar Rubinenstrahl entquoll,
Im Licht des Aug's erglänzt das heil'ge Meer,
Sie neigt zu ihm herab sich liebevoll,
Doch scheint's, als ob die Lippe blutig wär'.


Dem Sturmwind gleich, beflügelt, eilen sie,
Von Liebe flüstern sie, von ew'gem Sehnen;
Mit ihrem Hauch streift seine Wange sie,
Und ihre Glieder schwer sich an ihn lehnen.


»Willst, Chagan, du nicht ruh'n an meiner Brust?
Du Gott, mit deinen glühend schwarzen Augen.
Mein blondes Haar sei deine Himmelslust,
Laß mich aus dir von neuem Leben saugen!«


Die Luft ist schwer, von süßen Lindendüften,
Die ihr der Wind sanft auf den Weg gestreut,
Der Donaukönigin; und leis in Lüften
Schwebt fort ihr Seufzer, wie die Küsse beut.


Wie sie mit Windeseile vorwärts jagen,
Seh'n sie am Horizont die Röthe nicht,
Doch eisig ward ihr Herz, die Kräft' erlagen,
Und Todten ähnlich starr ward ihr Gesicht.


»Chagan!« rief bang die Fürstin, »berge mich,
Hörst du nicht dern den Schrei des heisern Hahns?
Ein Streifen Lichtes zeigt im Osten sich
Und raubt das kurze Leben uns'res Wahns!«


Chagan erschrickt, umflort ist Aug' und Sinn,
Wie Schatten aus der finst'ren Hölle jagen
Die Pferde vor des Todes Stimme hin,
Und Winde stöhnend durch die Wälder klagen.


Furtlos die Wasser rasend sie durchflieh'n,
Die Berge immer mächt'ger auf sich bauen,
Aus ihrem Haupt der Blitz zu wettern schien,
Des Tannenhochwalds Schütteln sie erschauen.


Der Priester auf dem Felsenthron erwacht,
Durchdringt mit tiefer Stimm' das Sturmesweh'n,
Gebeut der Sonne halt, erruft die Nacht – – –
Umsonst, das Licht kann nicht mehr untergeh'n!


Der grause Wind sein Leid zu Ende weint,
Sie ziehen in den Fels auf matten Pferden,
Das Aug' umnachtet, schön, im Tod vereint;
Des Felsens Pforten weit geöffnet werden.


Zusammen zieh'n sie ein; zu fällt das Thor,
Für ewig ruhen sie im mächt'gen Grabe.
Des Tannenwaldes Klage dringt empor,
Daß nun geraubt ihm sie sein Königsknabe.


Der Alte senkt die Wimpern, wieder blind,
Im Sinn zählt er die unzählbaren Tage.
Dem Stein verwachsen seine Füße sind,
Und Chagan's Name scheint ihm eine Sage.


Und einsam steht er auf dem Felsenthrone,
Das Moos durchflicht den Bart, die weißen Haare,
Dem Tod zum Trotze und der Zeit zum Hohne.
Es geh'n an ihm vorüber ew'ge Jahre.


aus: Rumänische Dichtungen, Übertragen von Carmen Sylva, Mit Beiträgen von Mite Kremnitz, Verlag von Emil Strauß, Bonn, 1898













Theodor Vulpinus – Liebeslust.

Pierre-Paul Prud'hon
Standing Female Nude Seen From The Back


Liebeslust
 (Nach Christian von Hamle.) 



Von schönen Leibes
Armen umfangen
Ans Herz gedrückt, wie wohl das thut!
Von lieben Weibes
Rosigen Wangen
Ein minnig Lachen, wie höht's den Mut!
Du magst nicht sprechen zur selben Stund’,
Nur küssen, nur küssen den süssen Mund!


Vier Augensterne,
In Liebesflammen
Leuchtend, beschämen der Sonne Licht
Vier Arme, gerne
Geschlungen zusammen,
O Eisen und Stahl wohl eher zerbricht!
Zwei Herzen wonnig gerückt sich nah’,
Kein Blatt mehr findet ein Plätzchen da!


aus: Die zehnte Muse, Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl, Herausgegeben von Maximilan Bern, Verlag von Otto Elsner, Berlin, 1904



Dukai Takách Judit - Visszaemlékezés

Dukai Takách Judit



Visszaemlékezés


Oh mért nem hagysz el engemet
Búsító emlékezet!
Te dúlod fel életemet –
Morc képed sírba vezet.
Te zúzod össze szívemet,
Te tiprod el víg kedvemet,
Te munkád, hogy életem
Zokogva szemlélgetem.


Ha mint hajdan víg napjaim
Most is kéjjel folynának,
Vagy emlékezo gondjaim
Megpihenni hagynának:
Dicsérnélek, áldanálak.
De hajh! szívem bánatjának
Csak a csendes boldog sír
A várt engesztelő ír.


Elhúnyt, boldog, víg esztendők,
Melyekben gyermek voltam:
Akkor, hogy ily komor idők
Legyenek, nem gondoltam.
Nem kerültem a rossz nyelvet,
Nem álmodtam veszedelmet;
Szívem nem ismert határt –
Mindenhol új öröm várt.


Majd ismét, hogy felserdültem,
S szívem érezni kezdett,
Jobban-jobban eszesültem
S a barátság élesztett:
Magam boldognak éreztem,
Mindent jónak, szépnek néztem
S azt mondám, hogy e világ
Mennyből hullott gyöngyvirág.


Ami szép, jó, nagy és hasznos,
Arra törve siettem,
Amennyire még hiányos
Elmémmel felérhettem.
Mindezekért csak azt nyertem,
Hogy boldog mégsem lehettem,
Mert hol annak mondatom,
Leginkább nő bánatom.


Mintha egy szikláról nézném
A világ szépségeit,
És soha el nem érhetném
Lelkem reménységeit:
Int a természet szépsége –
Tilt a meredek mélysége;
Ha szívem egyfelé szít,
Sorsom másfelé taszít.


Minden, ami van körülem,
Emlékeztet sorsomra;
Emlékeztet, bár kerüljem,
Volt boldog napjaimra.
A mult időnek fátyolát
Nézvén, éltem boldogságát
A homályban ott látom.
Ah! kedves volt sajátom!


Ha látom a természetet,
Mint a tavasz szárnyán leng,
S hallom ott a szép éneket,
Melyet a szárnyas nép zeng:
Látom régi szép hajnalom –
Nekem is ily víg volt dalom;
Én is úgy örvendettem,
Mint ezek, hogy születtem.


A természet kiessége
Szintén mint más változik,
Csakhogy megújul zöldsége,
Ha a tél eltávozik:
De engem örökre elhágy
Az öröm, – szívem sírba vágy.
Óh, ha minden elhagy is,
Csak te ne, óh poézis!…

Forrás: Vadász Norbert adta ki, Dukai Takách Judit élete és munkái, Budapest 1909

Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten

Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten. Ein holdes Räthsel soll ich lösen, Und schon ist mir die Deutung klar, Ich weiß...