Magnus Gottfried Lichtwer - Die Katzen und der Hausherr.

Hans Thomas: Die Katze (Abendfrieden)



Die Katzen und der Hausherr.


Murner, eine Cyper-Katze
Gab unlängst den Gülde-Schmauß,
Und ersahe sich zum Platze,
Eines Bürgers Wohnung aus.


Mensch und Thiere schliefen feste
Selbst der Hauß-Prophete schwieg,
Als ein Schwarm geschwäntzter Gäste
Von den nächsten Dächern stieg.


Murner kömmt, sie zu begrüssen
Führt sie drauf in einen Saal,
Und setzt jeden auf ein Küssen
Von dem feinsten Katzen-Zahl.


Sechzig feiste Mäuse-Zimmel
Machten die Versammlung satt,
Ob gespickt? das weiß der Himmel,
Jeder giebt, so gut ers hat.


Von der Mahlzeit giengs zum Tantze,
Wo der Wirth sich hören ließ,
Und auf einem Ratten-Schwantze,
Manch verliebtes Stückgen bließ.


Hintz, des ersten Schwieger-Vater,
Sang darein erbärmlich schön,
Und zween abgelebte Kater,
Quälten sich, ihm beyzustehn.


Jetzo tantzen alle Katzen,
Poltern, lermen, daß es kracht,
Zischen, heulen, sprudeln, kratzen,
Bis der Herr im Haus erwacht.


Dieser springt mit einem Stecken,
In den finstern Saal hinein,
Schlägt um sich, sie zu erschrecken,
Schmeisset einen Spiegel ein.


Stolpert über einge Späne,
Stürtzt im Fallen auf die Uhr,
Und zerbricht zwo Reihen Zähne,
Blinder Eyfer schadet nur.


übernommen von der deutschsprachigen wikisource 
aus: Magnus Gottfried Lichtwer, Vier Bücher Aesopischer Fabeln, Buch 1, Wolffgang Deer Verlag, 1745



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