Paul Verlaine - Dirnchen

Scott Cumming - piquant2 (copyright Scott Cumming)



Dirnchen


Ist 'ne Bouchersche Häßlichkeit
Ohne Puder in den Haaren,
Toll blond, und voll süßer Gefahren
Ihr Gang wollüstig und weit.


Vor allen doch wähn' ich sie mein,
Diese kußüberflutete Mähne,
Diesen Goldstrom umschlungener Strähne,
Der in Brand steckt all mein Gebein.


Das ist mir viel mehr noch, fürwahr,
Das schlägt wie ein Gürtel von Flammen
Um die heilige Pforte zusammen,
Dies göttliche, goldige Haar.


Ja, wer könnte singen den Leib
Wenn nicht ich, ihr Poet und Geweihter,
Ihr Herr und ihr Sklav, ihr bereiter,
Der sich reulos verschriebe dem Weib?


Ihren Leib süß, selten und fein,
Milchhell wie die Rose, die weiße,
Wie die Lilie rosig, die weiße,
Unter Himmeln von purpurnem Schein.


Schöne Schenkel und Brüste so fest,
Rücken, Lenden und Leib eine Feier
Für Augen und Hände dem Freier,
Für den Mund und die Sinne ein Fest.


Kleiner Schatz, laß uns sehn, ob im Bett
Hinterm roten Rideau vor Entzücken
Sich die Zauberkissen verrücken
Und das närrische Zeug. O zu Bett!


aus: Weltlyrik, Ein Lebenskreis, Nachdichtungen von Karl Henckell, Die Lese Verlag, München, 1910








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