Richard Dehmel - Venus Socia

Peter Paul Rubens - Venus und Adonis

Venus Socia

– Kaffee, Branntwein, Bier –
im Spelunkenrevier,
und ein Lied scholl rührend durch die Thür;
und das sangen und spielten die traurigen Vier,
ein Vater mit seinen drei Töchtern.
Er stand am Ofen, die Geige am Kinn
schief neben ihm hockte die Harfnerin,
und die Jüngste knixte, und aus das Lied,
die Geige die machte ti-flieti-fliet:
»War Eine, die nur Einen lieben kunnt« ...


Die dritte ging stumm
mit dem Teller herum,
ums polternde Biljard, blaß und krumm;
und nun drehte der Alte die Fidel um
und klappte darauf mit dem Bogen.
Und auf Einmal schwieg der Keller ganz,
die Jüngste die hob die Röcke zum Tanz;
die Harfe die machte ti-plinki-plunk,
und die Jüngste war so kinderjung
und sang zum Tanz ein wüstes Hurenlied ...


Sie sang's mit Glut,
das zarte Blut;
und der schwarze, zerknitterte Roßhaarhut
stand zu der plumpen Harfe gut,
mit den weißen papiernen Rosen.
Laut schrillten die Saiten tiflieti-plunk,
und Alle beklatschten den letzten Sprung,
und die Tellermarie stand vor mir; stumpf
»Spielt mir noch Einmal«, bat ich dumpf,
»War Eine, die nur Einen lieben kunnt« ...


aus: Richard Dehmel, Aber die Liebe, Ein Ehemanns und Menschenbuch, Verlag von Dr. E. Albert & Co., Seperat-Conto, München, 1893


Transkription des gesamten Buches als pdf und eText bei ngiyaw eBooks
Digitalisat der Vorlage vorhanden

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