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Es werden Posts vom April, 2011 angezeigt.

A. De Nora - Lied der reitenden Artollerie

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Lied der reitenden Artollerie
Kamerad, was tut denn so brausen
Ueber’s Feld, daß die Leute ergrausen
Und denken, die Welt geht zu End’?
Das ist kein Donnern und Blitzen,
Das sind’s mit Roß und Geschützen,
Die vom Artollerie-Regiment.

Die »fahrende« hupft wie die Flöhe,
Auf den Protzen da lupft’s in die Höhe
Jeden Mann im Galopp einen Schuh —
Herentgegen die »reitende« sitzet,
Wann der Dreck und Funken auch spritzet,
Im Sattel und lachet dazu.
Hurriöh, wann wir kommen geprasselt
Auf den Feind, wie das rumpelt und rasselt!
Doch ein Ruck — und auf einmal wird’s still!
Aber bald, so geht’s los wie der Teufel
Und es fragen den Feind: »Hast ’n Zweifel?«
Die Kanonen mit lautem Gebrüll.
Und sie warten nicht lang und sie schmeißen
An den Kopf ihm das glühende Eisen,
Daß er winselnd sinkt in die Knie — —
Hurra hoch! Die Schlacht ist gewonnen!
Und das macht halt mit ihren Kanonen
Die reitende Artollerie!


aus: Liebe und Trompetenblasen, Lustige Soldaten- und Kriegslieder aus alter und neuer Zeit, Herausgegeben von Fritz …

Erotisches Volkslied - Das beängstigte Mädchen

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DAS BEÄNGSTIGTE MÄDCHEN.

1.
Pfui, lassen sie mich gehen,
Es könnte uns jemand sehen!
Jeder sieht beim Fenster ’rein
Lassen sie die Streichelei’n.
2.
Machen sie das Fenster zu
Oder lassen’s mich in Ruh’!
Nein, ich kann’s nicht länger leiden,
Sind sie doch bescheiden.
3.
Sind sie doch nicht gar so frei,
Geh’n sie weg oder ich schrei!
Glauben sie, ich bin eine Hur’,
O nein, gar keine Spur.
4.
Sind sie doch nicht unverschämt,
Sie zerreißen ja mein Hemd!
Und zu was soll das Küssen sein,
Was, sie wollen nicht willig sein.
5.
Sind sie ein schlimmer Herr,
Ihnen trau’ ich nimmermehr;
Nein, das kann ich nicht verzeih’n,
Weg die Hand, sonst muß ich schrei’n.
6.
Auf’s Bett? Das wär nicht schlecht,
Da kommen sie mir eben recht.
Sie werden mich ja noch erdrücken,
Geh’n sie weg, ich muß ersticken.
7.
Weg die Hand, auch weg von mir!
Verschließen sie zuerst die Tür’!
Ach, sie wollen es nicht glauben,
Verschonen sie doch meine Hauben.
8.
Geh’n sie weg von meinem Schoß,
Sie sind mir ja viel zu groß. Zu was soll das fixieren,
Sie werden mir da…

Erotisches Volkslied - Mädchenklage

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MÄDCHENKLAGE.
1.
Meine Mutter will’s nicht leiden,
Daß ich eine Hure bin
Und ich tu’s ja doch mit Freuden,
Lege mich von selber hin,
Denn der Schwanz, der ist mein Leben
Und das Liebste auf der Welt, Weil das gute, schöne vögeln
Meiner Fotz’ so sehr gefällt.
2.
Lieber Bursche komm’ und reite1,
Bis mir meine Schachtel2 kracht,
Flick von hinten, von der Seite,
Auch in’s Arschloch, doch hab’ Acht.
Glaub’, es wird mir gar nicht sauer,
Wenn dein Schwanz stets frisch angreift,
Bis zum Schluß der kalte Bauer
Über’s Arschloch runterläuft.
3.
Will der Schwanz dir nicht mehr steh’n,
Sind schon deine Eier schlapp?
Komme her, es wird schon geh’n,
Zieh’ nur deine Hose ab.
Du wirst an meinem Busen spielen
Und geil nach meiner Fotze seh’n,
Ich wiederum an deinem Schwanze wühlen,
Bis er dir wie ein Pfeil wird steh’n.
1 reiten = coire. 2 vulva.

Vorlage: Erotische Volkslieder aus Deutsch-Österreich mit Singnoten, gesammelt und herausgegeben von E. K. Blümml, Privatdruck
aus: Geschriebenes Liederbuch des Johann Porzer vom Eisenbahnre…

Heinrich Lersch - Soldaten-Abschied (1914)

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Soldaten-Abschied
1914
Laß mich gehn, Mutter, laß mich gehn!
All das Weinen kann uns nichts mehr nützen,
Denn wir gehn, das Vaterland zu schützen.
Laß mich gehn, Mutter, laß mich gehn!
Deinen letzten Gruß will ich vom Mund dir küssen:
Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen!
Wir sind frei, Vater, wir sind frei!
Tief im Herzen brennt das heiße Leben;
Frei wären wir nicht, könnten wirs nicht geben.
Wir sind frei, Vater, wir sind frei!
Selber riefst du einst in Kugelgüssen:
Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen!
Liebste, tröste dich, Liebste, tröste dich!
Jetzt will ich mich zu den andern reihen,
Du sollst keinen feigen Knecht dir freien!
Liebste, tröste dich!
Wie zum ersten Male wollen wir uns küssen:
Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen!
Nun lebt wohl, ihr Menschen, lebet wohl!
Und wenn wir für euch und unsre Zukunft fallen,
Soll als letzter Gruß zu euch hinüberschallen:
Nun lebt wohl, ihr Menschen, lebet wohl!
Ein freier Deutscher kennt kein kaltes Müssen:
Deutschland muß…

Amalie Senninger - Lenzbauern Sepp’s Abschied (August 1914)

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Lenzbauern Sepp’s Abschied (August 1914).
Du liabs kloans Häuserl,
Ihr Bamerl rundum,
Ihr Gockerl, ihr Henderl,
Was seidst denn so stumm?
Ihr Täuberl am Dacherl,
Geh, redst do mit mir!
Mei Herz is so trauri,
Is gar nimmer hier!

            Der Kaiser, der braucht mi,
            Dös woaß i schon gwiß,
            Der braucht meine Faust,
            Will er nei nach Paris.
Muata, pfüat Gott!
In der weißputzt’n Stubn
Tauchts no amal d’Finger
Im Weihbrunn herum.
Machts Kreuzerl aufs Hirn mir
Und oans auf die Brust;
Daß i no kunt woana,
Hab i schier nimmer gwußt!
            Der Kaiser, der braucht mi,
            Dös woaß i schon gwiß,
            Der braucht feste Schädel,
            Will er nei nach Paris.
Und pfüat di Gott, Nannerl,
So sauber, so rund,
Koa anderes Goscherl
Küßt jemals mei Mund.
Is der Kaiser erst firti
Mit’n Kriag, wirst mei Wei,
Und bin i a a Krüppl,
G’heirat wird glei!
            Aber z’erst braucht mi der Kaiser,
            Dös woaß i ganz gwiß,
            Denn a boarische Hax’n
            Span…

Hedwig von Olfers - An ein paar Augen

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An ein paar Augen.
Wie süß aus Nacht und trübem Wahn
In Deinen Glanz zu schauen,
Ich mag der Sterne sichrer Bahn
Nicht mehr als Dir vertrauen,

Sie stehn in Seligkeit für sich
Und mögen wohl nicht weinen,
Du lächelst mir und weinst um mich,
Kannst auch durch Thränen scheinen.
Dürft' ich die Welt in Deinem Licht
Und nicht in meinem sehen,
Da mühte ich zu Zeiten nicht
Mit Furcht und Unmuth gehen.
Da wäre mir der Tag nicht schwül,
Gewiß, bei Dir ist Frieden.
Du blickst so ruhig, tief und kühl,
Als lockt ein Grab den Müden.
Ich schliefe unter Lilien ein,
Verträumte Schuld und Trauer,
Nnd wachte aus im Himmelsschein,
Kein Himmel lächelt blauer.
Wohl mir, wenn ich Dich ganz erhellt
Für immer finden werde —
Bald weicht, was sich dazwischen stellt,
Der Schatten dieser Erde.
aus: Hedwig von Olfers, Gedichte, Verlag von Wilhelm Hertz, Berlin, 1892


Wilhelmine Funke - Der Kuß

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Der Kuß.
Schwebe, Vöglein, schweb' empor,
Auf zum Himmel singe.
Diesen Kuß — ach sei kein Tor —
Nimm auf deine Schwinge.


Ihm, dem kleinen Sternenwicht,
Der so listig blinket,
Gib ihn. Siehst ihn jetzo nicht?
Weißt doch, wo er winket.


Hat nur vor Frau Sonne sich
Ahnungsvoll verkrochen,
Weil sie so gar mütterlich
Streng mit ihm gesprochen.


Aber wird es abendstill,
Lugt aus dem Verstecke
Gleich der Schelm, tut, was er will,
Still in seiner Ecke.


Wirft den Kuß dem Liebsten mein
Glitzernd schnell hernieder,
Blickt ihm nach: fängt er ihn ein?
Kommt wohl einer wieder?


aus: Wilhelmine Funke, Gedichte, Fritz Eckhardt Verlag, Leipzig



Marie Rudofsky - Ostern

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Ostern.
Noch bläst es scharf vom Bergwaldkamm,
Wenn abendlich die Sonne scheidet;
Die tiefversteckte steile Klamm
Liegt windverweht in Schnee gekleidet.


Noch steht die weite Flur so kahl,
Wie in des Winters dunklen Tagen,
Und aus dem Bach im Wiesental
Nur scheue Weidenkätzchen ragen.


Und dennoch naht, du ahnst es kaum,
Auf weichen, bunten Falterflügeln
Der alte Auferstehungstraum
Und läßt nicht hemmen sich, nicht zügeln.


Er schwirrt mit Zaubermacht und Pracht
Durch Feld und Au und Waldesengen,
Und über Nacht ist froh erwacht:
Ein Keimen, Sprudeln, Leben, Drängen.


Leicht schmilzt des Winters letzter Rest,
Die Erde taut aus harten Schollen;
Sie rüstet sich zum Frühlingsfest —
Ein neuer Segen ist erquollen.


Und neues Hoffen sproßt und schwillt
Im qualerstarrten Menschenherzen;
Mit wehmutsvollem Trost gestillt,
Ruh’n ausgesöhnt bezwung’ne Schmerzen.


Der frohe Osterglockenklang
Hell übertönt die dumpfen Klagen,
Es will beim Allelujasang
Ein lichtes, freies Werden tagen.


Es will in jeder deutschen Brust
Die Hoffnung tie…

Marie Rudofsky - Gut und Blut für’s Vaterland

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Gut und Blut für’s Vaterland.
Österreich braucht Helden —. Freiwillige vor!
Schon drängen sich Tausende stürmisch durch’s Tor.
»Da sind wir, nimm hin Blut und Leben und Kraft« —.
Und werden Armeen vom Tode gerafft,
Neu steht auf dem Felde, das blutig noch dampft,
Ein freiwillig Heer aus dem Boden gestampft.


Österreich braucht Reichtum —. Goldschätze herbei —!
Wir ringen von Geld und Geschmeiden uns frei.
»Hier bringen wir freudig den glitzernden Tand,
Und brauchst du noch mehr, — lieb Vaterland,
Befiehl nur, kein Goldstück bleibt säumig zurück,
Erkaufen mir Freiheit dir, Frieden und Glück.«


Österreich braucht Liebe —. Tut Herzen euch auf,
Dem Blut und dem Golde fügt Liebe zu Hauf!
»So nimm unsre Herzen, sie schlagen nur dir,
Wir fühlen und hegen die eine Begier:
Mit dir nur, mein Öst’reich in Ehren besteh’n
Mit dir — — — nein, du wirst niemals untergeh’n.«

copyright 2011 Susanna und Ulrich Rudofsky aus: Marie Rudofsky, Schulter an Schulter, Kriegsgedichte, J. G. Calve'sche k. und k. Hof- und Universi…

Amalie Senninger - Sonnen-Untergang

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Sonnen-Untergang.

Das ist ein königliches Sonnenscheiden,
Ihr stolzes Sinken in die Felsenbrust,
Das ist ein Jubelhymnus fern von Leiden,
Das ist, wie wenn nach höchster Erdenlust

Im Liebeskusse sich zwei Menschen trennen,
Auf ihren Wangen noch des Feuers Schein,
In ihren Augen noch dasselbe Sehnen
Wie auf dem rötlich flammenden Gestein.


aus: Amalie Senninger, Gedichte, Staufen-Verlag, Bad Reichenhall, 1913

Aber weiter darfst du nicht

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Aber weiter darfst du nicht

Schwarzbraunes Mädchen
Im blütenweißen Hemd!
Darf ich denn nicht einmal zu dir kommen
Wann ich will?
Bis an die Kammertür darfst du kommen,
Aber weiter darfst du nicht!
Schwarzbraunes Mädchen
Hast du 'ne schöne Kammertür,
Schwarzbraunes Mädchen
Im blütenweißen Hemd!


Schwarzbraunes Mädchen
Im blütenweißen Hemd!
Darf ich denn nicht einmal zu dir kommen
Wann ich will?
Bis an meine Liegerstatt darfst du kommen,
Aber weiter darfst du nicht!
Schwarzbraunes Mädchen
Haft du 'ne schöne Liegerstatt,
Schwarzbraunes Mädchen
Im blütenweißen Hemd!


Schwarzbraunes Mädchen
Im blütenweißen Hemd!
Darf ich denn nicht einmal zu dir kommen
Wann ich will?
Bis in mein Nestelein darfst du kommen,
Aber weiter, weiter darfst du nicht!
Schwarzbraunes Mädchen
Hast du ein schönes Nestelein,
Schwarzbraunes Mädchen
Im blütenweißen Hemd!


Schwarzbraunes Mädchen
Im blütenweißen Hemd!
Darf ich denn nicht einmal zu dir kommen
Wann ich will?
Bis an mein Herzelein darfst du kommen,
Aber weiter, weiter darfst du nicht!
Schwa…

Das macht mir viel Pläsier

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Das macht mir viel Pläsier

Zu Haus Hab' ich ein Mädchen,
Das ist mir herzlich gut.
Und sie ißt mit mir,
Und sie trinkt mit mir,
Und sie schläft die liebe lange Nacht mit mir.
Aber das macht mir, aber das macht mir,
Aber das macht mir Pläsier.


Sie sagt ich sollt sie nehmen,
Bis daß der Sommer kommt.
Und der Sommer ist gekommen,
Und ich hab' sie nicht genommen:
Scher dich weg von mir, scher dich weg von mir,
Scher dich weg von meiner Tür.


Warum ich sie nicht nehme,
Das liegt klar auf der Hand.
Denn sie ist nicht schön von Angesicht,
Und sie hat einen Buckel, der gefällt mir nicht:
Scher dich weg von mir etc.


Ich hab' noch zwei, drei Kreuzer,
Ist all' mein bares Geld.
Und dafür kauf' ich mir Bier und Wein,
Denn der letzte Heller muß versoffen sein,
Versoffen, versoffen, versoffen muß er sein.


aus: Erotische Volkslieder aus Deutschland, Gesammelt von Hans Ostwald, Eberhard Frowein Verlag, Berlin



Das Zigeunermädchen

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Das Zigeunermädchen
Es war einmal ein schönes Mädchen,
Dieses hatte eine fette Mutter.
An jedem Eck, auf jedem Steg
Wurde dieses kleine Mädchen — gebraucht! Fünfmal war nicht viel,
Dann bekam die Kleine
Ein schwarzes Kind
Im Wald hinter einer Hecke.
Und stand sie wieder auf,
Da war sie voller Dreck! (Kot.)
Zigeunerlied, übertragen von E. Wirtich, Pforzheim.
aus: Erotische Volkslieder aus Deutschland, Gesammelt von Hans Ostwald, Eberhard Frowein Verlag, Berlin