Christian Adolf Overbeck - Arete zu ihren Gespielinnen.

Andrea Mantegna - Der Sieg der Tugend



Arete zu ihren Gespielinnen.

Ach denket, denket!
Mein, Herz ist fort!
Ich hab’s verschenket
Dem Jungen dort!

Dem bösen, lieben ,
Erwünschten Mann!
Da geht er drüben,
Und schielt mich an.

Was uns seit gestern.
So nah gebracht?
O liebe Schwestern,
Wer nimts in Acht?

Man will sich meiden,
Und kann nicht gehn.
So giengs uns beyden.
Ich blieb bald stehn.

Er kam und klagte,
Und sprach nicht viel;
Doch was er sagte,
Verrieth Gefühl.

Und ach! nicht lange
Erwehrt’ ich mich;
Mir ward zu bange;
Die Thrän’ entschlich.

Die Thränen müssen
Wohl Losung seyn,
Uns nur zu küssen,
Bild’ ich mir ein.

Denn er ward heftig,
Und küßte mir
Den Mund so kräftig;
Das war dafür!

Uns fand in Freuden
Der Abendstern;
Wir mußten scheiden:
Ich sah’s nicht gern.

Er gieng und flehte
Mit weichem Ton:
Dein Herz, Arete!
Er hatt’ es schon.

aus: Sammlung vermischter Gedichte von Christian Adolf Overbeck, Friedrich Bohn und Campagnie, Lübeck und Leipzig, 1794




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