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Marie Rudofsky - Gut und Blut für’s Vaterland

Marie Rudofsky trug diesen eisernen Ring, den sie gegen einen Goldring (Ehering?)
eingetauscht hatte - später in Rotgold gefaßt - Dank an Ulrich Rudofsky
Gold gab ich für Eisen 1914



Gut und Blut für’s Vaterland.

Österreich braucht Helden —. Freiwillige vor!
Schon drängen sich Tausende stürmisch durch’s Tor.
»Da sind wir, nimm hin Blut und Leben und Kraft« —.
Und werden Armeen vom Tode gerafft,
Neu steht auf dem Felde, das blutig noch dampft,
Ein freiwillig Heer aus dem Boden gestampft.


Österreich braucht Reichtum —. Goldschätze herbei —!
Wir ringen von Geld und Geschmeiden uns frei.
»Hier bringen wir freudig den glitzernden Tand,
Und brauchst du noch mehr, — lieb Vaterland,
Befiehl nur, kein Goldstück bleibt säumig zurück,
Erkaufen mir Freiheit dir, Frieden und Glück.«


Österreich braucht Liebe —. Tut Herzen euch auf,
Dem Blut und dem Golde fügt Liebe zu Hauf!
»So nimm unsre Herzen, sie schlagen nur dir,
Wir fühlen und hegen die eine Begier:
Mit dir nur, mein Öst’reich in Ehren besteh’n
Mit dir — — — nein, du wirst niemals untergeh’n.«

copyright 2011 Susanna und Ulrich Rudofsky
aus: Marie Rudofsky, Schulter an Schulter, Kriegsgedichte, J. G. Calve'sche k. und k. Hof- und Universitätsbuchhandlung (Robert Lerche), Prag, 1915 

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Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
Der winkt und lockt sirenenhaften Klanges
Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
Ihn suchen, die da athmen, all’ und ranken
Um’s irdische Sein sich zäh’ und gier’gen Dranges;
Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
Und ihrer Sehnsucht Ziel heißt: Leben! Leben!
Doch dir, o Tod, naht selten nur ihr Fragen,
Sie lieben’s nicht, den Geist dir zuzuwenden,
Und deinen Namen nennt nicht gern die Lippe;
Denn sieh! dein Amt ist, mitleidlos zu enden
Das Sein, das sie entzückt, und drum mit Zagen Malt dich ihr Geist als höhnisches Gerippe;
Mit Stundenglas und Hippe,
Hohläugig, grinsend, wangenlos und beinern,
Also im Sinn lebst du dem Erdensohne,
Und schreckhaft gleich dem Haupte der Gorgone
Schaffst du…

Pierre Louys - Rosen in der Nacht

ROSEN IN DER NACHT


Wenn die Nacht am Himmel aufsteigt,
ist die Welt unser und der Götter.
Von den Feldern gehn wir zur Quelle,
vom dunkeln Wald nach der Lichtung, wo-
hin uns unsre bloßen Füße führen.

Die Sternlein funkeln genugsam für die klei-
nen Schatten, die wir sind. Manchmal fin-
den wir unter den niederhangenden Zweigen
schlafende Hirschkühe.

Doch zauberischer in der Nacht als alles andre
ist ein Ort, von uns allein gekannt, der uns mäch-
tig auf sich zieht durch den Wald: ein Gebüsch
geheimnisvoller Rosen.

Denn nichts ist göttlich auf der Erde, verglichen
mit dem Duft der Rosen in der Nacht. Wie
kam es nur, daß ich damals, als ich allein war,
mich nicht davon berauscht gefühlt.

Aus: Pierre Louys, Lieder der Bilitis, Übertragen von Richard Hübner, J. Zeitler Verlag, Leipzig, 1901. Illustration von George Barbier

Ludwig Thoma - Sexuelle Aufklärung

Sexuelle Aufklärung

Der alte Storch wird nun begraben. 
Ihr Kinder lernt im Unterricht, 
Warum wir dies und jenes haben, 
Und es verbreitet sich das Licht. 


Zu meiner Zeit, du große Güte! 
Da herrschte tiefe Geistesnacht. 
Man ahnte manches im Gemüte 
Und hat sich selber was gedacht. 


Mich lehrte dieses kein Professer; 
Nur eine gute, dicke Magd 
Nahm meine Unschuld unters Messer 
Und machte auf dieselbe Jagd. 


Ihr Unterricht war nicht ästethisch, 
Im Gegenteil, sehr weit entfernt. 
Und doch, wenn auch nicht theoretisch, 
Ich hab' es ziemlich gut gelernt. 


aus: Ludwig Thoma, Kirchweih, Simplicissimus-Gedichte, Albert Langen Verlag, München, 1912