Sagitta - Die namenlose Liebe

John Singer Sargent  - Young man in reverie



DIE NAMENLOSE LIEBE.

Weil noch auf ihren jugendlichen Schwingen
        Der Duft der unberührten Schönheit liegt,
        Der leicht zu Staub in fremder Hand zerfliegt —

So muss ich zart von dieser Liebe singen.


Doch weil, gepaart mit Euren schmutzigen Dingen
        In Schlamm und Schmach Ihr sie so tief gezerrt;
        Und weil Ihr sie in Nacht und Kerker sperrt —

So will ich frei von dieser Liebe singen.


Und weil mein Lied zu den Verfolgten dringen
        Und den Enterbten soll zu dieser Frist,
        Weil sie mein eigenes Glück und Unglück ist —

So darf ich hoch von dieser Liebe singen.

aus: Sagitta's Bücher der namenlosen Liebe, Gedichte der namenlosen Liebe, Als Manuskript gedruckt für Bernhard Zack, Treptow bei Berlin 1906

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ludwig Thoma - Sexuelle Aufklärung

Albert Möser - An den Tod

Claire Morgenstern - Mich treibtʼs zu suchen