Donnerstag, 30. Juni 2011

Albert Möser - An den Tod

Hans Baldung - Die drei Lebensalter und der Tod



An den Tod.

Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
Der winkt und lockt sirenenhaften Klanges
Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
Ihn suchen, die da athmen, all’ und ranken
Um’s irdische Sein sich zäh’ und gier’gen Dranges;
Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
Und ihrer Sehnsucht Ziel heißt: Leben! Leben!

Doch dir, o Tod, naht selten nur ihr Fragen,
Sie lieben’s nicht, den Geist dir zuzuwenden,
Und deinen Namen nennt nicht gern die Lippe;
Denn sieh! dein Amt ist, mitleidlos zu enden
Das Sein, das sie entzückt, und drum mit Zagen
Malt dich ihr Geist als höhnisches Gerippe;
Mit Stundenglas und Hippe,
Hohläugig, grinsend, wangenlos und beinern,
Also im Sinn lebst du dem Erdensohne,
Und schreckhaft gleich dem Haupte der Gorgone
Schaffst du das Herz ihm furchterstarrt und steinern;
Ja, will der Uebel schlimmstes einer künden,
Dich nennt er, Tod; kein größres mag er finden.

Und geht ein Zug zu dunklem Grabesschachte,
Das Volk schaut ihn mit Scherzen und Gekicher;
Weil’s noch verschont ist von des Siechthums Zahne,
Fühlt es sich keck, getrosten Muths und sicher;
Und Jeglicher, der heut’ noch froh erwachte,
Er lebt, als naht’ er nie sich Charons Kahne;
Bethört von eitlem Wahnc
Denkt Keiner, daß von denen, die da gaffen,
Zunächst vielleicht ihn selbst erharrt die Bahre,
Und daß nach kurzer Fristung flücht’ger Jahre
Du, Tod, sie alle, alle wirst entraffen;
So stehn sie da, leichtfertig und vermessen,
Das trübe Bild — schon hats ihr Sinn vergessen.

Doch mir, o Tod, warst du des Lebens Tage
Ein lieber stets, ein freundlicher Geselle:
Wie oft fühlt’ ich von Sehnsucht mich durchdrungen,
Zu trinken aus des Selbstvergessens Welle,
Wenn wund mich schuf des Erdenlebens Plage,
Wenn ich verzagte, ganz von Leid bezwungen;
Doch auch voll Huld umschlungen
Und traut gebettet von geliebten Händen
Fühlt’ ich, o Tod, gar oft dein lindes Wehen,
Und leise Mahnung glaubt’ ich zu verstehen:
Bedenk’ es wohl, wie bald dein Glück kann enden!
Also in düstern wie in goldnen Stunden
Ist niemals mir dein ernstes Bild entschwunden.

Des Weisen Thun ist stilles Todessinnen
Und stete Rüstung für des Sterbens Stunde,
Ein Denker sprach es vom Hellenenstamme;
Dem Wort getreu hab’ ich im Seelengrunde,
Empor mich schwingend zu des Geistes Zinnen,
Stets bang’ gehegt die heil’ge Gottesflamme;
Entrückt dem ird’schen Schlamme,
Des Weltgedrängs still-lächelnder Beschauer,
Hab’ ich mit Ernst dem Ew’gen mich ergeben,
Und du, o Tod, schufst niemals noch mir Beben,
Ins Antlitz sah ich oft dir sonder Schauer;
Dich faßt’ ich gern, drum ewig geht mein Fragen:
Wer bist du, Tod, vor dem die Wesen zagen?

Ich weiß: du bist des Menschenstamms Bezwinger,
Herr über alle, die da sind und waren;
Dir sind bestimmt auch, die im Nichts noch träumen,
Der Ungebornen ungezählte Scharen;
So gehst du um als großer Allverschlinger
Und tilgst Lebend’ges, mag’s auch wild sich bäumen;
Du liebst es nicht, zu säumen,
Kein Tag sinkt ungenützt dir in die Fluthen;
So lang’ die Menschheit strebt und keucht und hastet,
Jahrtausendlang hast du noch nie gerastet;
Wo war’ ein Platz, wo nicht verblich’ne ruhten?
Staub schläft an Staub im dunklen Erdenschoße,
Und schier ein Beinhaus ist die Welt, die große.

Du riefst hinab des fernen Ostens Kinder,
Die Völker all’ in Ninive und Babel,
Nur Trümmer blieben, öd’ umkreist von Aaren,
Und fast ward auch ihr Name schon zur Fabel;
Du tilgtest längst die Pyramidengründer,
Des stillen Pharaonenvolkes Scharen;
Mit üppigem Gebahren
Der Perser, sanft gestreckt auf weichem Lager,
Der Griechen Volk, für Schönes heiß erglühend,
Der Römer Stamm, um Weltherrschaft sich mühend,
Numider, Mazedonier und Karthager —
Wohin, wohin doch sind sie all entschwunden?
Ins Nichts, und ihre Spur wird nicht gefunden.

Wenn du dich nahst, sinkt bleich der Fürst vom Throne,
Es wankt, was keucht in schnöden Elends Solde;
Du tilgst, was hehr, du tilgst das Frech-Gemeine,
Das Edle welkt, es welkt geknickt das Holde;
Wohl fleht der Sinn, vom Reiz bestrickt: „o schone!"
Umsonst! es wird zu Staub im düstern Schreine;
Ob bang das Herz auch weine,
Was frommt’s? Du raubst das Weib voll Hohn dem Gatten,
Der Mutter Bild entrückst du kalt dem Kinde;
Den Freund, wie eng ihn Freundesarm umwinde,
Entraffst du jäh ins nächt’ge Reich der Schatten;
Wir stehn erstaunt, doch ob uns Schreck durchschauert,
Was kümmert’s dich, der im verborgnen lauert?

Und zahllos, traun, sind deiner Allmacht Schergen,
Natur, uns feind, bot dir die Hand zum Bunde
Und lieh die Elemente dir zu Sklaven;
Dir dienend wühlt der Sturm im Meeresgrunde,
Die Fluthen schwell’n empor zu Wasserbergen
Und drohn dem Schifflein, das sie wehrlos trafen;
Weit, weit entrückt dem Hafen
Hinschwankt es leck gleich federleichtem Balle,
Die Mannschaft bebt, indes die Planken krachen,
Ihr Ohr, schon hört’s im Brandungshall dein Lachen,
Ein Ruck! ein Schrei! das Schiff versinkt im Schwalle;
Du aber, Tod, tauchst froh zur Tiefe nieder
Und leihst dem Hai zum Fraß der Todten Glieder.

Oft nahst du dich im Purpurflammenkleide
Dem Haus des Guten, der sich wiegt in Träumen,
Denn liebster Ton ist dir des Unglücks Jammern;
Leis, leis erst schleicht es knisternd in den Räumen,
Nun loht’s empor, und jäh zu bängstem Leide
Erstehn vom Pfühl die Schläfer in den Kammern;
Der Mutter Bild umklammern
Die Kindlein, und Geschrei entsteigt den Flammen,
Sie sehn es bang: hinaus führt keine Brücke,
Stets gier’ger schließt sie ein der Gluthen Tücke,
Und dumpfen Sturzes sinkt der Bau zusammen;
Der Morgen schaut verkohlt der Aermsten Leichen,
Du aber, Tod, fühlst Wollust sondergleichen.

Mit Hast durchwühlst du tief des Erdballs Gründe,
Und staunend hören, die auf Triften wachen,
Die Hirten Nachts ein dumpfverhaltnes Dröhnen;
Nun plötzlich welch’ ein donnergleiches Krachen!
Die Erde bebt, es öffnen sich die Schlünde,
Denn du verlangst nach der Verzweiflung Tönen;
Geheul nun hallt und Stöhnen,
In Nacht hinsinken Tempel und Paläste,
Es sinkt, was lebt, von dir hinabgezogen: —
Nun Oede rings! nur träge Fluthen wogen
Am Ort der Qual, kaum leis bewegt vom Weste;
Und wo einst Lust gejauchzt in frühern Tagen,
Hört man im Rohr den Ruf der Unken klagen.

Dir schmeichelnd zeugt die Luft viel ekle Dünste,
Daß alpgepreßt der flücht’ge Schwarm der Wesen
Im Athemzug schon Gift trinkt und Verderben;
Hinsiechen sie, zu ew’gem Schlaf erlesen,
Umsonst und fruchtlos sind der Heilung Künste,
Denn, traun, wer hemmt der Pest gewalt’ges Sterben?
Und all’ die andern herben,
Peinvollen Quäler, die uns Armen dräuen,
Die grausigen, des Siechthums Schreckgestalten,
Die, dienstbar dir, mit Hohn und Willkür schalten,
Nicht Rang, nicht Macht, nicht Ort und Stunde scheuen,
Die Würgerschar, die nie ihr Ziel verfehlte,
Wer lebt, o Tod, der jemals ganz sie zählte?

Und oftmals, wenn die Schar der Schergen alle,
Zu langsam, nicht genug dir schafft der Leichen,
Dann fachst du an, zu schau’n ein großes Morden,
In Völkern Wahnsinn, welchem nichts mag gleichen,
Dann ziehn sie her mit Schwertern und mit Schalle,
Zum Kampf bereit von Süden und von Norden;
von Haß gehetzt die Horden
Seht an! wie sie entmenscht sich selbst zerfleischen,
Indes im Kreis verlass’ne Dörfer rauchen,
Bis nachtumflort die Tausende verhauchen
Und übers Schlachtfeld gier’ge Raben kreischen;
Dann sieht der Mond, webt er um Bergesspitzen,
O Tod, dich froh auf Leichenhügeln sitzen. —

Ja, Herr der Welt, du bist’s; wer mag’s bestreiten?
Doch, Tod, was bist du sonst? — O könnt ich’s fassen
Das Räthsel, stets mir nah seit Jugendtagen,
Vor dem die Weisen hoffnungslos erblassen,
Drob Menschen sannen seit der Vorwelt Zeiten,
Und das noch heut die Seele läßt verzagen;
Hör’ an und laß dich fragen:
Wohin, wohin führst du der Wesen Scharen?
Wo sind, die du entrafftest seit Aeonen?
Wär’s wahr, daß sie zu freundlicheren Zonen
Entrückt nun stets im Lichte gehn, im klaren?
Ist’s nicht? Und ward, was je dir fiel zum Raube,
Ein Nichts für immerdar und Staub zu Staube?

Und wär’s und möchtest ganz du uns vernichten
Und war’ erträumt das Glück in Himmelsauen,
Doch schien’st du hold und brünstig zu begehren: —
Denn traun! entrückt dem düstren Nebelgrauen,
Der Wuth des Nords und schalen Alltagspflichten
Und all’ den Menschen, die nur Niedres ehren,
Fern irdischem Entbehren,
Umfriedet und umhegt von stiller Truhe
Tief, traumlos tief für immerdar zu schlafen,

Und sanft umzirkt vom ew’gen Friedenshafen
Zu kosten allgenugsam-sel’ge Ruhe —
Solch’ Los, erlangt nach flücht’gen Lebenstagen,
Es war’ ein Glück, mit Worten nicht zu sagen.

Doch glaub’ ich’s nicht; denn sieh: der Herr der Erde
Das bist du; doch — Triumph! — du bist nichts weiter;
Wenn du auch rasest mit empörtem Grollen
Und spornend ausschickst deiner Allmacht Streiter,
Stets schafft dein Grimm nur Irdischem Gefährde,
Nur Erdentstammtes fällt anheim den Schollen;
Doch ob sie dröhnend rollen
Auf’s schwarze Holz, nicht trifft es uns im Kerne,
Denn traun! in uns sind Gott und Thier im Bunde,
Und uns durchloht im tiefsten Wesensgrunde
Ein Himmlisches, erhabner als die Sterne,
Ein Lichtes, Ew’ges, fremd des Erdballs Zonen,
Und dieses, Tod, und dieses mußt du schonen.

Das Thier — hinzieht es dumpf des Lebens Wege,
vom Arme der Natur noch fest umschlungen
Und ganz umstrickt von niedrer Triebe Banden;
Kein Lichtstrahl klärt des Innern Dämmerungen,
Sein Aug’ blickt blöd’, kaum wird der Sinn ihm rege,
Wenn laut des Daseins Wogen es umbranden;
Verwirrt und unverstanden
Ziehn matt des Lebens Bilder ihm vorüber,
Und nie glückt ihm ein Aufschwung, ein Besinnen,
Nicht merkt es, wie die Tage rasch verrinnen,
Und du, o Tod, schaffst nie den Sinn ihm trüber;
Ein Traum ist nur, ein dumpfer, all’ sein Leben,
Und stirbt es, ist’s ein taumelndes Verschweben.

Der Mensch nur geht bewußt mit klarem Blicke,
Sein Geist durchschweift beflügelt Erd’ und Himmel;
Die Sterne mißt er, sieht den Aether blauen
Und schaut im Staub der bebenden Gewimmel;
Er folgt dem Wandel menschlicher Geschicke,
Dem Weben der Natur in Wald und Auen;
Mit Qual füllt ihn und Grauen
Des Lebens Leid, er kennt des Todes Schrecken,
Und sieh! er sinnt, von Staunen ganz bezwungen:
Dies All, woher, woher doch ist’s entsprungen?
Wer schuf’s und fügt’ es? und zu welchen Zwecken?
So fragt er und, des Weltbau’s klarer Spiegel,
Trägt er zur Schau der Gottverwandtschaft Siegel.

Doch weh! wie heiß auch Inder und Hellenen
Ums Räthselwort des Weltgewirrs sich mühten,
Wie mächtig-kühn die Denker der Germanen
Aufleuchtend-helle Geistesblitze sprühten,
Nicht einer brachte Stillung uns’rem Sehnen,
Und kaum ward uns vergönnt ein schwaches Ahnen;
Noch stets auf falschen Bahnen
Umschweiften Alle, die da grübelnd dachten,
Und jede Deutung schuf nur neue Wirren;
Des Menschen Los, es ist ein ew’ges Irren,
Und stets wird Dunkel unsern Geist umnachten;
Wie auch die Menschheit streben mag und ringen,
Des Räthsels Lösung wird ihr nie gelingen.

Doch wie? Soll stets, vom Denken nicht zu fassen,
Die Welt sich drehn in tollbewegtem Reigen?
Soll’n ewig-neu Geschlechter sich begatten
Und bang sich mühn und sich ersterbend neigen
Und brütend gehn, eh sie geknickt erblassen,
Doch irren Sinns erfolglos stets ermatten?
Schon des Gedankens Schatten
Er könnte Wahnsinn im Gemüth entfachen,
Und besser wär’s, niemals das Licht zu schauen,
Drum glaub’ ich’s nicht, und gern mag ich vertrauen:
Dies Sein ist Traum, du, Tod, läßt uns erwachen;
Und jäh verscheucht wird einst in licht’ren Sphären,
Die jetzt uns quält, des Geistes Nacht sich klären.

Und seht! Natur, gedenk der Mutterpflichten,
Lieh sorgend, die sie schuf, den Kreaturen
Als sich’res Erbtheil heißer Selbstsucht Trachten;
Drum rast nun Selbstsucht auf des Erdballs Fluren,
Sie lenkt der Menschheit hastendes Verrichten
Und herrscht allmächtig in des Busens Schachten;
Und weh! die gierentfachten
Gemüther schafft sie feindlich fremdem Glücke,
Und fremdes Leiden liebt sie frech zu höhnen,
Sie kennt nur sich, sich selbst nur mag sie fröhnen
Und säh’ es kalt, bräch’ auch die Welt in Stücke;
Und mitleidlos umhegt von eis’gem Walle
Schürt sie den Krieg von Allen wider Alle.

Doch wie erhaben ob des Erdballs Landen
Der Mond hinzieht am blauen Himmelsbogen,
Geruh’gen Gangs von mildem Glanz umwoben,
Indes tief unten graus’ge Meereswogen
Mit lautem Anprall wildentfesselt branden
Und aufruhrtoll um zack’ge Klippen toben:
Also dem Sturm enthoben,
Dem rasenden, ichseliger Gedanken
Glühn mild in uns zwei hehre Himmelsmächte,
Ein Zeugenpaar dem sterblichen Geschlechte,
Daß, fremd der Welt, vom Götterwein wir tranken;
Denn ewig feind der Selbstsucht schnödem Triebe
Durchlohn zutiefst uns Edelsinn und Liebe.

Gut sein und edel — leuchtender Gedanke!
Beseligt, wer als Höchstes dich empfindet,
Wer machtvoll von Begeisterung durchfluthet
Selbstsücht’gem Hang verzichtend sich entwindet
Und ungehemmt von leid’ger Ichheit Schranke
Die Wunden schaut, daraus die Menschheit blutet,
Wer frei und hochgemuthet
Zum Allgefühl sein enges Herz erweitert
Und eignes Wohl von Andrer Wohl nicht scheidet,
Wer trübsten Sinns, wie selbst vernichtet, leidet,
Wenn fremdes Glück in Lebenswettern scheitert;
Wem’s ganz gelang, er geht der Gottheit Pfade,
Die, was da lebt, mit Huld umfaßt und Gnade.

Und Liebe? Seht, o seht die Holdverzückten,
Die Eros’ Gunst mit süßer Huld begnadet,
Wie engumspannt sie Brust an Brust sich lehnen,
Wie stumm ihr Aug’ in feuchtem Glanz sich badet!
Kein Du, kein Ich! so spricht’s aus weltentrückten,
Gotttrunknen Seelen, die geschwellt sich dehnen;
Mit allgewalt’gem Sehnen
Möcht’ Jegliches im Andern sich verzehren
Und eignem Sein für immerdar entsagen,
Und auch den Tod für Heißgeliebtes tragen,
Ein Glück nur wär’s, auf’s Höchste zu begehren;
Und also stirbt, wo Liebeszauber waltet,
Der Selbstsucht Drang, der herb die Menschheit spaltet.

Ja, Lieb’ und edler Sinn — mit diesen Worten
Sind wir enthoben der Naturmacht Banden;
Ist auch, was lebt, noch stets in Nichts zerronnen,
Des Todes Grimm — hier, hier wird er zu Schanden;
Denn traun! nur Ird’sches schaut die dunklen Pforten,
Der Staub nur stirbt, von ew’ger Nacht umsponnen;
Doch was nach Liebeswonnen
In uns verlangt und himmlisch-hohen Thaten,
Ein Fremdes ist’s im niedren Gang der Dinge,
Drum kann’s nicht sein, daß Tod es je bezwinge,
Wie tief uns auch verscharrt des Gräbers Spaten;
Beharrend und bestimmt zu ew’gem Leben
Wird es im Tod einst heimathwärts entschweben —

Und Eins noch hört! — Die Welt, sie liegt im Argen,
Dies Erdensein ist, wie es soll, mit nichten;
Im Thal der Mängel wandeln wir mit Bangen,
Und Leben heißt: entsagen und verzichten;
Denn kaum noch wird vom Schicksal uns, vom kargen,
Ein Glück gegönnt, daran das Herz mag hangen;
Mit brünstigem Verlangen
Ringt hehrer Sinn nach makelloser Schöne,
Und mächtig lockt Vollendung ihn und Frieden,
Doch weh! er schaut Verzerrung nur hienieden,
Und ihn umtosen wilder Zwietracht Töne;
Vom Thor des Ostens bis zum Niedergange
Beut Stillung nichts des Geistes höchstem Drange.

Doch sagt! woher in unsrer Brust die lichten,
Erhab’nen Bilder, die den Sinn entflammen,
Die Wünsche, die, erzeugt von Ungenügen,
Von ew’gem, was die Welt uns beut, verdammen?
Kann Irdisches das Irdische je richten?
Muß Irdisches nicht Irdischem sich fügen?
Und wenn in hehren Flügen
Der Geist sich über Ird’sches kann erheben
Und ird’sche Lust mit Hohn vermag zu schauen,
Ist’s Zeugniß nicht, daß wir aus fernen Auen
Herabverbannt als Fremde ziehn durchs Leben?
Zeigt nicht die Flucht ins Reich der Ideale,
Daß wir einst weilten in der Götter Saale?

O wohl! und so erkannt’ es längst vor Zeiten
Mit weisem Sinn der hehrste der Hellenen;
Er sprach: Eh’ ird’sches Sein des Geistes Schwinge
Gelähmt, war ganz gestillt des Busens Sehnen;
Denn körperlos sah in des Himmels Weiten
Der Geist bei Gott das Urbild einst der Dinge;
Doch nun vom Sklavenringe
Der Welt umspannt kann er vom Glanz nicht lassen
Und jagt ihm nach im ird’schen Nebelthale,
Doch stets umsonst! Denn vor des Ew’gen Strahle
Muß stets entstellt die Kreatur erblassen;
Doch Hoffnung blieb, daß wir zu Himmelshallen
Erhab’nen Flugs im Tod einst heimwärts wallen.

O holdes Wort, dem gern der Geist mag trauen;
O wohl! ein Tag des Lichts muß einst noch tagen;
Und uns erharrt nach flücht’gen Lebensjahren
Ein Reich, wo stumm verhall’n des Leides Klagen,
Ein hehres, wo erstirbt des Haders Grauen
Und nicht mehr drohn des Weltenkriegs Gefahren,
Wo reiner Menschen Scharen
Einträchtig zieh’n ohn’ irdisches Bedürfen
Und still sich freu’n an ewigen Gedanken
Und zeitentrückt und frei von Raumesschranken
Beseligung in durst’gen Zügen schlürfen
Und froh erlöst von eigensücht’gem Triebe
Sich jauchzend weihn dem Wunderglück der Liebe.

Drum, Tod, leb’ ich getrost und ohne Klage,
Wie du auch dräust, du kannst mich nicht vernichten;
Ich seh’s gefaßt, wie der Lebend’gen Schwärme,
Von dir getilgt, stets mehr ringsum sich lichten;
Und sinkt geknickt vom Baum der Lebenstage
Mir Blatt um Blatt, glaub’ nicht, daß ich mich härme;
Von milder Herzenswärme
Durchhaucht, bad’ ich mit Lust in Geistesfluthen
Und wandle rein, vor Niedrem scheu erbebend;
Und brünst’gen Drangs Vergöttlichung erstrebend
Nütz’ ich mit Ernst die flüchtigen Minuten;
Und so, wann mir zu nahen dich gelüstet,
Ob früh, ob spat, o Tod, ich bin gerüstet.

Aus: Albert Möser, Gedichte, Erste Sammlung, Dritte sehr veränderte und vermehrte Auflage, Verlagsanstalt und Druckerei Aktien-Gesellschaft (vormals J. F. Richter), Hamburg, 1890



















Montag, 27. Juni 2011

Paul Heyse - Frauenemancipation.

ASPASIA - After the painting by Henry Holiday.
Übernommen von der deutschsprachigen Wikisource.

Frauenemancipation.
Eine Fastenpredigt von Paul Heyse.
  
                     Il est bien plus aysé d’accuser un sexe que d’excuser l’autre. Montaigne.

Im Winter war’s. Wir saßen eingeschneit,
Doch warm und wohlgemuth, am runden Tische,
Ein Häuflein guter Leute, buntgereiht,
Auch Frauenschönheit glänzt’ in Jugendfrische,
Und doch, obwohl es nicht an Witz gebrach,
Flog auch einmal ein Engel durchs Gemach.

Ich, als der Wirth, der ungebetnen Gästen
Höflich die Thüre weis’t, that meine Pflicht
Und brach sogleich vom Zaun, dem ersten besten,
Ein Thema, das man nie zu Ende spricht,
Den Engeln dieser Erde stets ein Grauen:
Das Thema der emancipirten Frauen.


Noch, dacht’ ich, darfst du diese Possen treiben,
Bis deine Töchter erst erwachsen sind
Und jedes Wörtchen hinters Ohr sich schreiben,
Das der Papa hinplaudert in den Wind.
Heut, da sie noch in Kinderschuhen stecken,
Ist’s wohl erlaubt, die edlen Frau’n zu necken.

Doch ich bereut’ es bald. Thessaliens Damen,
Die Orpheus, wie die Sage geht, zerfleischt,
Löwinnen, die um ihre Jungen kamen,
Bruthennen, wenn im Blau der Habicht kreischt
Umsonst versuchen wir in schwachen Bildern
Den Sturm empörter Weiblichkeit zu schildern!

Denn, wie ein Wort das andre giebt, geschah’s
Auch dieses Mal, daß Ernst und Scherz sich mischten,
Daß jenem Sprühgewölk von Spott und Spaß
Auch Hagelkörner wohlgezielt entwischten.
Ein ernst Capitel ist die Pädagogik,
Und unversehns bedient man sich der Logik.

Nun ist die Logik wie ein Schwert; sie spaltet
Harnisch und Helm im ernsten Männerstreit,
Doch wo der Schönheit mächt’ger Zauber waltet,
Stumpft ihre Schärfe schon ein flornes Kleid,
Geschweig’ ein weißer Hals. Ich focht mit Ehren,
Doch hatt’ ich Noth mich meiner Haut zu wehren.

Umsonst parirt’ ich. Meinen Gegnerinnen
Galt für bewiesen: unsrer Mütter Ruhm,
Am stillen Heerd sich thätig einzuspinnen,
Mir dünk’ er nur ein weißes Sclaventhum;
Sie sollten keck ihr Menschenrecht gebrauchen,
Lateinisch lernen und Cigarren rauchen.

Rauchen? Und warum nicht? In der Türkei
Raucht man im Harem statt der Handarbeiten.
– »Hört! Er empfiehlt noch gar Vielweiberei!«
– Je nun, auch sie hat ihre guten Seiten.
(So im Gedränge zwischen Ernst und Lachen
Entschlüpfen einem sehr gewagte Sachen!)

Dies nur beiseit. Doch da, wo unbestritten
Von je geblüht die schönste Frauenflora,
Berühmt durch monogamisch reine Sitten,
Am grünen Tajostrand, raucht die Sennora
Sammt ihrer Magd puros und cigarritos,
Und wie man sagt, nicht blos für die Mosquitos.

Ein Beispiel ist’s, ich werf’ es nur so hin
Und will euch diese Uebung gern erlassen.
Zum Frauenmund – so weit ich Kellner bin –
Scheint mir der Duft Havanna’s nicht zu passen.
Doch wie verrathen Lippen, die wir küssen,
Ob sie Horaz zu buchstabiren wissen?

Latein – nun freilich wohl, es ist entbehrlich,
Doch lerntet ihr’s, es würd’ euch nicht entweiben.
Noch keiner Tugend ward es je gefährlich,
Und statt die Zeit leichtsinnig zu vertreiben
Mit Dumas fils und ähnlichem Gelichter,
Les’t lieber noch Roms übermüth’ge Dichter.

Ja nur zum Hausgebrauch. Denn wär’ es Usus,
Käm’ euch so manches Wort nicht spanisch vor,
Als: tempora mutantur, und: abusus
Non tollit usum, und: excelsior! –
Da sprach die Jüngste rasch: »Doch heißt es ja:
Mulier taceat in ecclesia!« –

Kein Hieb und Stich trifft uns mit solcher Schwere,
Als wenn der Feind von uns sich Waffen stahl.
Ja, warf ich hitzig ein, das ist die Lehre.
Der »guten alten Zeit!« Doch wagt’s einmal,
Statt Aeltermutter-Weisheit nachzubeten,
Den steilen Pfad zur Freiheit zu betreten.

Wagt, frei zu sein! – Und Eine sprach: »Du weißt,
Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte.« –
Und ich: Die Sitte folgt, wohin der Geist
Sie herrschend lenkt, gern seinem Führertritte.
Unsittlich ist nur Eins: sein tiefstes Leben
Hinopfern, um am dumpfen Brauch zu kleben.

Zwar Jene, die sich strebend losgerungen
Vom Schlendrian, dem längst der Geist entwich,
Nur selten haben sie den Sieg errungen
Und fielen tragisch oder lächerlich.
Der Enkel erst zeigt staunend ihre Spuren
Und ehrt das Schicksal höherer Naturen.

Denn kommen wird ein lichteres Jahrhundert,
Das über Sitten, die ihr heute preis’t,
Mit Achselzucken lächelnd sich verwundert,
Wie man die Zeiten heut barbarisch heißt,
Wo noch die Kunst, zu schreiben und zu lesen,
Geheimniß wen’ger Sterblichen gewesen.

Wie? spotten dann die Enkel, jenen Frau’n
War’s eine Wohlthat, sich beschränkt zu wissen?
Die je entsprang dem engen Breterzaun
Der Vorurtheile, ward vom Wolf gebissen?
Sie weideten gleich einer frommen Heerde
Unschuld’ger Lämmer auf umpferchter Erde?

War anders Fleisch und Blut? Wog ihr Gehirn
Nicht dem der Männer gleich? Warum die Schranken
Um ihre reingewölbte Menschenstirn?
Warum entfernt vom Kampfe der Gedanken
Im öden Dienst alltäglicher Geschäfte
Vergeudeten sie ihres Geistes Kräfte?

Rechtlos, gedankenlos – – und weiß der Himmel,
Was ich noch sonst gehöhnt, verleumderisch;
Da in des Kampfes heftigstem Getümmel
Erscholl der Segensruf: Zu Tisch, zu Tisch! –
Beim Essen hab’ ich stets den Streit gemieden;
So ward denn Frieden – doch ein fauler Frieden

Erfahren sollt’ ich’s, daß ich einen Gegner
Gereizt, der unversöhnt auf Rache sann
Und nur zu bald mit dreifach überlegner
Mannschaft und List die Fehde neu begann.
Die klugen Frau’n! sie warben rasch entschlossen
Die schwachen Männer selbst zu Bundsgenossen.

In eines Freundes Haus werd’ ich geladen,
Wo sich die muntre Jugend oft ergötzt
Im Carneval an Schwänken und Charaden.
Ich, da ich kaum mich arglos hingesetzt,
Seh’, wie der Hausherr lächelt, winkt und blinzt,
Wie wenn man sagt: Heut ist’s auf dich gemünzt!

Die Klingel tönt, auf thun sich die Gardinen,
Und ein Gemach erscheint, ganz übersät
Mit Büchern, Globen, chemischen Maschinen,
Auch ein Skelet als schmuckes Hausgeräth;
Ein Mann tritt auf, zerrissen und zerzaus’t –
Halt! denk ich, heut vergreift man sich am Faust.

Doch weit gefehlt. Gleich in den ersten Sätzen
Macht er dem werthen Publicum bekannt,
Er wisse diesen Trödel nicht zu schätzen,
Doch seine Frauen hätten mehr Verstand.
Im zwanzigsten Jahrhundert, wie man sehe,
Sei ihre Bildung auf der wahren Höhe.

Er habe zwar, Gott sei’s gedankt, nur drei,
Und doch in diesen drei der Facultäten,
Da seine Fanny Doctor juris sei,
Nanny entdecke Sonnen und Planeten,
Die liebe Betty sei Prosectorin
Und just Magnificenz und Rectorin.

Die Theologin fehle noch. Inzwischen
Ueb’ er sich selbst in christlicher Geduld
Und pfleg’ auch in die Wirthschaft sich zu mischen,
Denn, sehr natürlich, hinterm Schreibepult
Sei keine Zeit für niedre Interessen,
Für einen Mann und für das Mittagessen.

Nun wiss’ er wohl, das sei des Fortschritts Segen,
Doch Maß zu halten ziem’ in allen Stücken.
Sein Doctor juris müßte – von Rechtswegen –
Ihm endlich doch den alten Schlafrock flicken,
Die Anatomin an den Braten denken,
Nanny den Himmel ihm auf Erden schenken.

Fürwahr, nicht länger lass’ er mit sich spaßen,
Nachgrade geh’ es gar zu kunterbunt.
Ein Mann sei auch ein Mensch gewissermaßen,
Und müss’ er länger leben wie ein Hund,
So hol’ der Henker – aber horch, sie kommen!
Muth jetzt! Kein Blatt mehr vor den Mund genommen!

Und sieh, es treten ein drei junge Frauen,
Die Feder hinterm Ohr, sonst ganz charmant,
Die den Gemahl so obenhin beschauen,
Als wär’ er ihnen nur von fern bekannt.
Sie nehmen Platz am Tisch, und eine Jede
Hält eine zierliche Kathederrede.

Der gute Mann scheint selbst davon erbaut,
Doch endlich mahnt Natur an ihre Rechte.
Ihr Theuren, fleht er mit gedämpftem Laut,
Wie wär’ es, wenn man jetzt die Suppe brächte?
Ich hungre wie ein Wolf und möcht’, indessen
Ihr weise Reden führt, zu Mittag essen.

Dich hungert? spricht die Eine vorwurfsvoll:
Wann lernst du nur, dich von Idee’n zu nähren?
Nimm dir ein Vorbild, wie man leben soll,
Ein leuchtendes, an jenen Himmelssphären,
Die ruhelos um ihre Achse kreisen
Und Aether nur und Sonnenstrahlen speisen.

Ich selbst, obwohl ich Nachts im Sterngefild
Die ganze Bahn des Uranus durchschritten,
Ich habe meinen Hunger nur gestillt
Mit ein’gen aufgewärmten Kegelschnitten
Und zog mir heute früh zum Morgenschmaus
Zwei kleine Wurzeln dritten Grades aus.

Vergieb ihm, Schwester, redet sanft die Zweite;
Der Hunger auch gehorcht Naturgesetzen.
Der Chylus sehnt sich, daß er Blut bereite,
Dynamisch will er Nahrungsstoff zersetzen,
Erneu’n den Trieb der feinen Lebenssäfte
Mit Hülfe der molecularen Kräfte.

Doch die vulgäre Sitte, sich zu mästen
Mit Fisch und Fleisch – wie roh und abgeschmackt!
Ich geb’ euch heute einen Stoff zum Besten,
Den ich benannt »Vegetations-Extract«.
Seht hier, nur erbsengroß, leicht zu verdauen,
Woran wir sonst zwei volle Stunden kauen.

Ein Drittel Stickstoff, Kohlenstoff ein Drittel,
Das dritte Drittel Hydropyrozon.
Komm, lieber Gatte, koste dieses Mittel! –
Und er: Nein, großen Dank! Vom Namen schon,
Vom bloßen Anblick fühl’ ich neue Kraft.
Da seht, welch ein Triumph der Wissenschaft!

Rasch meinen Hut! Ich will in’s Kaffeehaus.
Hier aber fehlt an meinem Rock ein Knopf.
Christel!! – Und Fanny sprach: Die Magd ging aus.
Wir kennen leider ihren harten Kopf;
Sie bleibt dabei, ich dürfe sie nicht strafen
Nach des gemeinen Hausrechts Paragraphen.

Sie will sich nun ein Corpus juris leih’n;
Dort, faselt sie, sei allen Domestiken
Das Recht verbürgt, impertinent zu sein.
Drum kann sie den verlornen Knopf nicht flicken,
Und magst du nicht die kleine Lücke leiden,
Rath’ ich, die andern auch vom Rock zu schneiden. –

Ein weiser Rath! Doch wenn du selber, Fanny – –
– Ich muß in’s Schwurgericht, um zu plaidiren! –
Du aber bleibst zu Hause, theure Nanny? –
– Ich muß die Sonnenflecken observiren. –
Und du, Bettina, vielgeliebtes Wesen? –
– Verzeih’, ich habe jetzt Colleg zu lesen.

Und feierlich mit strengen Amtsgesichtern
Rauscht das gelahrte Kleeblatt aus der Thür.
Der Gatte sieht sie scheiden, stumm und schüchtern,
Dann ruft er: Rache dieser Ungebühr!
Nicht länger will ich hungern, dürsten, frieren,
Auch ich – auch ich will mich emancipiren.

Noch heute rück’ ich ein in’s Tageblatt:
Ein Mann von Bildung und von angenehmen
Manieren, der bereits drei Frauen hat,
Wünscht eiligst eine vierte Frau zu nehmen.
Die strengste Discretion ist Ehrenpflicht,
Auf Schönheit und Vermögen sieht er nicht.

Ja, würd’ ein Kobold selbst ihm angetraut,
Doch wie die Engel lebten sie zusammen.
Auf Einem nur besteh’ er fest: die Braut
Müss’ aus dem vorigen Jahrhundert stammen
Und durch Atteste, die es klar bescheinigen,
Sich vom Verdacht moderner Bildung reinigen.

Doch nähen soll sie, kochen, waschen, flicken,
Und in ein Buch – das Kochbuch nehm’ er aus
Und das Gesangbuch – nie und nimmer blicken,
Und Notabene: käm’ es je heraus,
Daß sie die Schriften von P. H. gelesen,
Sei sie die längste Zeit sein Weib gewesen.

Mit dieser Nutzanwendung schloß das Spiel.
Applaus erscholl, Hervorruf wie gebührlich;
Ich, aller schadenfrohen Blicke Ziel,
Rief, klatschte, lacht’ am hitzigsten natürlich.
Was sollt’ ich thun, gefangen in der Falle,
Meuchlings gefoppt, ich Einer gegen Alle?

Kein Spielverderber sein und Spaß verstehn!
Und so bedankt’ ich mich für »gnäd’ge Straf’«.
Doch Eine sprach: Es wird uns schlimm ergehn.
Er schnellt den Pfeil zurück, der heut ihn traf,
Bringt unsre Schwächen in den Mund der Leute
Und schreibt ein Stück: »Die guten Frau’n von heute«.

Nein, meine Theuren, nichts von Aug’ um Auge
Und Zahn um Zahn! Ich bin mir wohl bewußt,
Daß ich zum Molière dieser Zeit nicht tauge,
Und euch zu lästern spür’ ich keine Lust.
Auch lernt’ ich: blancas manos non offenden,
Die Wunden schmerzen nicht von schönen Händen.

»So giebst du dich besiegt?« – Für heute gern!
Den Kürzern zög’ ich doch in diesem Streite.
Im Carneval hält man den Ernst sich fern,
Die Lacher sind einmal auf eurer Seite.
Ich tisch’ ein andermal, als Fastengabe,
In Versen auf, was ich zu sagen habe.

»Die Hand darauf?« – O, warum schlug’ ich ein!
Nun wär’ ich des Gelübdes gern entledigt,
Denn wenig Gunst erwirbt sich insgemein,
Wär’ sie gereimt auch, eine Fastenpredigt,
Dazu ein Text, von allen controversen
Der controverseste, und das in Versen!

Indeß, die Verse, wenn man’s recht bedenkt,
Sind noch ein Trost. Entschlüpft mir wider Willen
Ein Wort, das zarte Leserinnen kränkt,
Versüßen Vers und Reim die innern Pillen.
Narkotisch wirkt die Poesie und lullt sie
In holden Traum ein. Utile cum dulci!

»Nur kein Latein mehr, Herr Poet. Du weißt,
Wir sind nur schlecht und recht fürs Haus erzogen.« –
Halt, meine Damen! Zwar, euch fehlt zumeist
Die Textkritik der echten Philologen,
Doch daß es an Gelehrsamkeit euch fehle,
Verleumdung ist’s, bei meiner armen Seele!

Euch drückt das Gegentheil: ihr lernt zu viel!
Bedenkt, vier Sprachen plaudern oder lesen,
Geographie vom Nordpol bis zum Nil,
Geschichte von Aegyptern und Chinesen
Bis auf den letzten Mohikaner, jenen,
Um den ihr weintet süße Backfischthränen;

Ein Abriß dann der Literargeschichte
Von Ulfilas bis Heine (exclusive),
Poetik auch (das Fräulein macht Gedichte),
Dogmatik (freilich nicht die apokryphe) –
Mich dünkt, ihr könnt bei so immensem Wissen
Das bischen Griechisch und Latein wohl missen.

Und strömt ihr nicht, wenn ihr mit sechzehn Jahren
Der Schule, der Pension entwachsen seid,
Um euren Schatz vorm Rosten zu bewahren,
Dem Hörsaal zu und lauschet dichtgereiht,
Wenn große Männer edlen Trieb verspüren,
»Die Wissenschaft in’s Leben einzuführen«?

Von Allem nur die Blume, und den Saft!
Heut Humboldt’s Kosmos, morgen Kant und Fichte.
Ein heitrer Vortrag über Stoff und Kraft,
Ein Blick in römische Culturgeschichte,
Zoologie, Geologie, Botanik,
Akustik, Ethik, himmlische Mechanik.

Dann tritt ein hochberühmter Forscher auf
Und spricht zwei Stündlein über Karl den Kahlen,
Auch der Statistik läßt man freien Lauf,
Nur schenkt man euch die leidig trocknen Zahlen;
Der Chemiker spielt vollends den Galanten
Und macht ein Feuerwerk von Diamanten.

Nicht wahr, das blitzt, das funkelt? Und zu Haus
Arbeitet dann das Fräulein Nachts verstohlen
Wie ein Student ein saubres Heft sich aus
Und schreibt: »Demanten brennen wie die Kohlen.«
Dann legt sie sehr gebildet sich zu Bette
Und träumt – vom letzten Ball, was gilt die Wette?

Und wär’s zu tadeln? Jugend will ihr Recht.
Ich bin der Letzte, der es ihr mißgönnte,
Vielmehr bedünkt es mich, daß eu’r Geschlecht
Viel Bücherkram sich billig sparen könnte,
Der, wär’ er sonst auch noch so wissenswerth,
Das Eine doch, was Noth, euch nimmer lehrt.

»Und dieses Eine?« – Ja, gesteh’ ich’s ehrlich,
Mir fehlt der Muth, es unverblümt zu sagen.
– »Der Muth? warum?« – Im Zorn seid ihr gefährlich,
Und nur zwei Augen hab’ ich dran zu wagen! –
– »Wir wollen im Voraus dir die Strafe schenken.
Nur dreist heraus! dies Eine ist –?« – Das Denken.

– »Das Denken? Ei, wir dächten doch, wir denken
Zum Nothbedarf.« – Gewiß; wie Frauenzimmer! –
– »Mag sein; doch unsre kleine Welt zu lenken
Und euch am Narrenseil, genügt es immer.
Wie, oder willst du gar – es ist zum Lachen! –
Uns, ohne Bart, zu Philosophen machen?« –

Euch? Wie ihr fragt! Ist denn von euch die Rede?
Anwesende sind immer ausgenommen.
Von euch, ihr Liebenswürdigsten, ist Jede,
So wie sie geht und steht, durchaus vollkommen.
Ich spreche nur – wie könnt’ ich’s anders meinen!
Vom weiblichen Geschlecht im Allgemeinen.

Denn jene Einzlen, die wie höh’re Wesen
Sich nur verirrt in diese niedre Welt,
An Adel, Reiz und Huld so auserlesen,
Daß Ehrfurcht, wenn sie nah’n, die Seele schwellt,
Sie, denen willig wir zu Füßen sänken, –
Wem fällt es ein zu fragen, ob sie denken?

Schooßkinder der Natur, aus ihrer Fülle
Begabt mit Allem, was uns Armen fehlt;
Siegreiche Kraft in zartgewobner Hülle,
Die holde Form vom reinsten Hauch beseelt;
Und wandeln sie im Schooß der Mitternächte,
Mit blindem Griff erwählen sie das Rechte!

Sie mögen nur dem Gott im Busen lauschen,
Und immer ohne Fehl beräth er sie.
Mit keinem Weisen brauchen sie zu tauschen,
Denn ihr Geschlecht allein ist ihr Genie.
Sie – – doch ich merke, daß ich Hymnen schreibe,
Ein Liebeslied, ein hohes Lied vom Weibe.

Und doch, aus andrem Tone wollt’ ich singen.
Kommt, laßt uns offen reden, meine Guten.
Die Sach’ ist wichtig; drum vor allen Dingen
Die Höflichkeit beiseit auf fünf Minuten!
Gesteht, im Allgemeinen habt ihr Mängel;
Viel Evastöchter sind – und wenig Engel.

Nun denn, und diese Mehrzahl, schwach genug,
Wie stößt man sie hinaus ins rauhe Leben?
Wer sorgt, euch gegen Trug und Selbstbetrug
Den Schild, den Schirm, die Leuchte mitzugeben,
Will sagen: die Vernunft, die klare, wache?
Vernunft? Behüte! Die ist Männersache.

So hätten sich der Schöpfung stolze Herrn
Den Löwenantheil listig vorbehalten?
O diese Selbstischen! sie möchten gern
Im Puppenstand euch lebenslang erhalten,
Vielleicht aus Furcht, die Zügel zu verlieren,
An denen sie euch doch nur schlecht regieren.

Sagt selbst, wenn ihr die Augen aufgeschlagen
Und euch erblickt in dieser fremden Welt,
Bestürmen nicht auch euch die Räthselfragen,
Die uns die alte Sphinx, das Leben, stellt?
Woher? wohin? was ist die letzte Meinung
Mit diesem All buntwechselnder Erscheinung?

Der Ursprung dunkel, tiefverhüllt das Ziel,
Die Nähe sorgenvoll und bang die Ferne,
Und rings um euch ein hastig Schattenspiel,
Erzeugt vom Strahl der magischen Laterne –
Wie soll die schöne junge Menschenseele
Erkennen, wen sie sich zum Führer wähle?

Wie lockend spiegelt ihr ein Jeder vor:
Komm, folge mir! Ich helle dir die Pfade!
Da winkt ein Irrlicht, hier ein Meteor,
Dort ein Komet und drüben die Plejade.
Das arme Kind mit zweifelndem Gewissen
Geht zum Papa; der wird doch Hülfe wissen.

Ja Der! Der küßt sein Mädchen auf die Stirn
Und spricht: Mein Püppchen, das sind heikle Dinge,
Noch viel zu schwierig für ein junges Hirn.
Strick’ lieber deinen Strumpf und tanz’ und singe,
Doch dir den Kopf zerbrechen? – ei, das wäre!
Zu Ostern kommst du in die Christenlehre.

Nun soll der Gottesmann die Zweifel schlichten,
Und welch’ ein hoffend Herz bringt sie ihm zu!
Den aber plagt Metaphysik mit nichten;
Nur Eins ist Noth, daß Jeder Buße thu’,
Den Teufel als den Erzsophisten hasse,
Den Herrgott einen guten Mann sein lasse.

Du grübelst, Kind? Das ist der Seele schädlich.
Hinweg damit! Glauben ist mehr denn Wissen. –
Die junge Sünderin zerknirscht sich redlich,
Küßt ihm die Hand, stickt ihm ein Sophakissen,
Die alten Scrupel melden sich nur selten;
Froh ist sie, endlich auch für voll zu gelten.

Concert, Theater, Bälle, Badereisen,
Man hat Talente, dichtet, malt und singt
Und spielt Komödie in Familienkreisen,
Und wenn die erste Liebe Leiden bringt,
Die werden bald verschmerzt im Arm des Gatten.
Bei so viel hellem Licht – wo bleibt der Schatten?

Er bleibt nicht aus. Dich überrascht die Stunde,
Wo es wie Schuppen dir vom Auge fällt:
Wie reich du dich bedünkst, du bist im Grunde
In schwerer Prüfung auf dich selbst gestellt.
Das Leben schien dir ohne Pfand zu leih’n
Und kommt zuletzt und steht auf seinem Schein.

Wohl dir, wenn dann ein frommer Kinderglaube
Dir nie versagt, wenn, wie der Sturm auch weht,
Stets dir ein Oelblatt bringt die heil’ge Taube.
Doch Vieles ist, was nicht geschrieben steht,
Was räthselhaft den tiefverstörten Geist
Mit strenger Mahnung in sein Innres weis’t.

Und hast du dann im Innern ein Asyl,
Ein heimliches, wohin die Seele flüchte,
Daß sie mit still gesammeltem Gefühl
Den Widerstreit von Pflicht und Neigung schlichte?
Verlorst du nicht im Taumel eitler Lust
Das Heimathsrecht in deiner eignen Brust?

Und wenn du glücklich bist, wenn Schuld und Schmerz
Nie feindlich drohten deinem Seelenheile,
Hast du auch Waffen, unerfahrnes Herz,
Für deinen treusten Feind, die Langeweile?
Ich höre schon, die Antwort ist bereit:
Die Mutterpflichten kürzen uns die Zeit.

Gut denn! Ein Dutzend Kinder, nehm’ ich an,
Sind Tag für Tag zu waschen und zu wiegen.
Doch auch die Feierstunde rückt heran,
Wo alle friedlich in den Betten liegen.
Dann – – »Glaub’ es nur, dann ist man viel zu müde,
Als daß man noch mit Denken sich belüde.« –

Wohl! Doch die Jahre flieh’n; die Kinderschaar
Entweichst einmal der Mutterzucht und -Pflege.
Das Haus wird leer, das voll Gewimmel war,
Im Schooße ruht die Hand, die einst so rege.
Dann, dünkt mich, wär’ es zu bedenken Zeit,
Daß ihr vernunftbegabte Wesen seid.

Was dann? – »Nun dann – da sind die Zeitungsblätter,
Der neueste Roman und der ›Bazar‹,
Kaffeebesuche, ein Gespräch vom Wetter,
Von langer Weile wird man nichts gewahr.« –
Nichts? wirklich Nichts? Habt ihr die langen Stunden
Des kurzen Lebens niemals leer gefunden?

Doch ihr verleumdet euch. Ihr sprecht, ich weiß,
Zu eurem Mann von mancherlei Problemen.
Der aber meint, sehr überflüssig sei’s,
Zu spintisiren. Aller unbequemen
Idee’n hab’ er sich selber längst entschlagen.
Er hat ja Geld. Soll er mit Geist sich plagen?

Zu denken geb’ ihm sein Geschäft genug,
Er hasse gründlich die gelehrten Weiber.
Philosophie sei eitel Lug und Trug,
Geschichte? ein Gespenst der Zeitungsschreiber!
Er lobe sich, was jetzt an ihre Stelle
Getreten, das Solide und Reelle.

Komm, küsse mich; kauf’ dir ein neues Kleid!
Heut Abend sollst du den ›Propheten‹ hören. –
Spricht er nicht so? Und lernt ihr mit der Zeit
Nicht auch, den Trieb zum Ew’gen abzuschwören,
Als unfruchtbar? Nur einer tiefern Seele
Bleibt das Gefühl, daß es am Besten fehle.

Vielleicht ist sie nicht schön mehr, nicht mehr jung,
Nicht eitel mehr, dafern sie’s je gewesen
(Auch weiße Raben giebt’s); Erinnerung
Ist kein Roman, um sich in Schlaf zu lesen.
Vielleicht wollt’ ihr der Himmel nie bescheren
Das Glück, ein Kind an ihrer Brust zu nähren.

Vielleicht, so freundlich sie sie aufgeschmückt,
Stehn manche Kammern ihres Herzens leer.
Mit Blumen, wie man sie auf Gräbern pflückt,
Bekränzt man keine Freudenfeste mehr.
Der Tag, der Flügel hat, so lang wir lieben,
Trägt Bleigewichte, wenn wir einsam blieben.

Die Hoffnung schwand, das Leben zu genießen,
Der Drang erwacht, das Leben zu verstehn.
Nun, Freudenlose, willst du dich entschließen
Und bei den Weisen in die Lehre gehn?
Wie hart die Schulbank sei, du wirst’s erfahren,
Nach Sexta wandernd in ›gewissen Jahren‹.

Zwar bleibt ein andrer Weg. Versuch es dreist,
Was Schritt für Schritt zu steil ist, zu erfliegen.
Die Feder, wie bekannt, beschwingt den Geist
Und lehrt ihn, sich im luft’gen Nebel wiegen,
Daß Frauen schreiben, ist ein guter Brauch:
’s ist eine Handarbeit wie andre auch.

Verzeiht den Scherz; schon widerruf’ ich ihn.
Verpönt sei das beliebte Naserümpfen,
Wenn ihr das Pfund benutzt, das euch verlieh’n,
Und Niemand rede mehr von blauen Strümpfen.
Laßt lieber euch an jenen Wahlspruch mahnen:
Wir öffnen dem Talent die höchsten Bahnen.

Doch nur der Schweiß kann euch zu Meistern weih’n.
Kein Denker fällt vom Himmel, kein Poet;
Wollt ihr euch ernstlich in die Kette reih’n,
Sorgt, daß ihr zeitig in die Schule geht,
In eine Schule, wo von allem Wissen
Nicht nur genascht wird, sondern angebissen.

Und nun, andächt’ge Hörerinnen, merkt,
Mein Credo ist: so wie man’s heute treibt,
Wird nur die Schwäche des Geschlechts bestärkt;
Wir schmeicheln euch, daß ihr die Schwächern bleibt;
Und während wir euch knechten und verwöhnen,
Sollt ihr uns Männer ziehn aus unsern Söhnen!

Wie? lehrte man euch jemals, Ernst zu machen,
Zu waffnen euren Geist zu Schutz und Trutz?
War’s nicht ein Spiel mit bunten Siebensachen,
Ein Trödelkram, ein loser Flitterputz,
Nur brauchbar, im Salon damit zu glänzen?
Hinweg mit diesen leichtverwelkten Kränzen!

Was ihr auch lernt, schärf’ eures Geists Organe,
Und Plato’s hohem Fluge folgt ihr noch.
Erwacht aus jenem tausendjähr’gen Wahne,
Was ihr nicht spielend faßt, sei euch zu hoch.
Der Schaum des Lebens nur ist Lust und Lachen,
Die Neige bittrer Ernst: lernt Ernst zu machen!

Und wär’ Gefahr, daß ihr im Wissensdrange
Vergeßt, wozu Natur das Weib erschuf?
Davor, ihr Zärtlichen, sei euch nicht bange;
Denkt jener Philosophin von Beruf,
Die nie verlernt hat, Abälard zu lieben,
Obwohl sie sich latein’sche Briefe schrieben!

Nein, jene Ströme, die so labend fließen,
Drin sich Jahrtausende gespiegelt sehn,
Man soll sie nicht dem ›schwächern Theil‹ verschließen,
Weil ihre Wogen tief und reißend gehn.
Ich sage: Kommt! Ihr Alle seid geladen,
Vom Staub des Tagewerks euch rein zu baden.

Zwar dieser Ladung, Dank dem hochwohlweisen
Urväterzopf, folgt ihr für’s Erste schwerlich,
Und ein Professor wird vielleicht beweisen,
Das Denken sei der Muttermilch gefährlich,
Es mache taub und blind und unfruchtbar
Und bringe gar die Kochkunst in Gefahr.

Dies Alles laß ich gern dahingestellt
Und bin so frei, mein Theil davon zu denken.
Ich weiß, ’s ist etwas faul in dieser Welt;
Wohl mir, daß ich nicht kam, sie einzurenken.
Dies ist vielmehr die Pflicht des Herrn Professors;
Ich pred’ge hier und sage nur: Gott besser’s!

Und nun zum Schluß, andächtige Gemeinde:
Friede sei zwischen uns! Was ihr auch denkt
Vom Denkenlernen, meine schönen Feinde,
Denkt nur nicht schlimm von mir; vielmehr bedenkt,
Ich bin vielleicht kein Seelenhirt für Damen,
Doch euer Freund, und Gott versteht mich. Amen!




Das geist- und schwungvolle Gedicht, mit dem Paul Heyse in den Kreis unserer Mitarbeiter tritt, behandelt eine Frage, welche in neuerer Zeit die gesammte Frauenwelt auf das Lebhafteste beschäftigt. Dies Moment und die Genialität und Formvollendung, mit denen der berühmte Dichter dem interessanten Vorwurf gerecht wird, haben uns bestimmen können, einmal abzugehen von unserm alten Grundsatze, welcher längere Poesien vom Repertoir unsers Blattes ausschließt. Ueberzeugt wie wir sind, allen unsern Lesern und Leserinnen mit dieser bedeutenden Gabe eine wahre Freude zu bereiten, wollen wir unsererseits doch nicht mit dem leisen Bedenken zurückhalten, daß vielleicht nicht alle deutschen Frauen mit jeder der in dem Gedichte ausgesprochenen Ansichten einverstanden sein dürften.
D. Red.

Übernommen von der deutschsprachigen Wikisource
Dort auch das Digitalisat der Vorlage aus Die Gartenlaube
(Dank an Zabia, die die Transkription und Erstkorrektur gemacht hat, für diesen Tipp - kenne viel aber das kannte ich nicht ...)

Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten

Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten. Ein holdes Räthsel soll ich lösen, Und schon ist mir die Deutung klar, Ich weiß...