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Felix Beran - Der Jude

Judengasse Frankfurt/Main um 1700



Der Jude


Ich sehe dich Jude
Im Prunk deiner Locken.
Ein Fläschchen voll Witz und Heilkraft hängt dir zur Seite.
Ich sehe
Deiner Frauen schmelzende Schönheit im Feuerschmuck harter Steine,
Deines Saales märchenerzählende Pracht,
Deine Kinder.
Du liebst sie wie keiner.
Du weißt,
Immer wieder der Deinen einer
Muß schreiten leiderwählt,
Die Perlen des Spotts um den Nacken.


Ich sehe dich Jude
Vor harte Türen gebückt,
Schimpfgeschlagen das Antlitz,
Die Hände wie irrende Vögel,
Die Zähne ins Geld gehackt,
Mit schwerem Pack ziehst du im Staube der Straßen.


Und ich sehe dich Jude
Am Pfahl,
Ein greller Popanz, den Flammen ein Fraß.


Doch was die Flamme verzehrt, wird zum Licht.
Vor der Bundeslade geht David im Tanz,
Er, der den Goliath schlug.
Auf hohem Berge steht Moses.


Leidvoller!
Dein Bruder ist aufrecht und dreist.
Du gehst gebeugt vom Wissen um die Weite des Weges.


Und Christus ward geboren und ward gekreuzigt!


Jude.
In dir lebt der Funke zum Brand.
Wie sollten sie nicht dich hassen,
Nicht dich zertreten wollen.


Staub an ihrer Sohle,
Prinz vom Stamme der Priester,
Schüre die Flamme,
Vergehe,
Wachse,
Werde zur Säule von Licht!


aus: Felix Beran, Gedichte, Im Rhein-Verlag, Leipzig und Basel, 1921





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Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
Der winkt und lockt sirenenhaften Klanges
Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
Ihn suchen, die da athmen, all’ und ranken
Um’s irdische Sein sich zäh’ und gier’gen Dranges;
Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
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Pierre Louys - Rosen in der Nacht

ROSEN IN DER NACHT


Wenn die Nacht am Himmel aufsteigt,
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den wir unter den niederhangenden Zweigen
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tig auf sich zieht durch den Wald: ein Gebüsch
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Denn nichts ist göttlich auf der Erde, verglichen
mit dem Duft der Rosen in der Nacht. Wie
kam es nur, daß ich damals, als ich allein war,
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Aus: Pierre Louys, Lieder der Bilitis, Übertragen von Richard Hübner, J. Zeitler Verlag, Leipzig, 1901. Illustration von George Barbier

Ludwig Thoma - Sexuelle Aufklärung

Sexuelle Aufklärung

Der alte Storch wird nun begraben. 
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Zu meiner Zeit, du große Güte! 
Da herrschte tiefe Geistesnacht. 
Man ahnte manches im Gemüte 
Und hat sich selber was gedacht. 


Mich lehrte dieses kein Professer; 
Nur eine gute, dicke Magd 
Nahm meine Unschuld unters Messer 
Und machte auf dieselbe Jagd. 


Ihr Unterricht war nicht ästethisch, 
Im Gegenteil, sehr weit entfernt. 
Und doch, wenn auch nicht theoretisch, 
Ich hab' es ziemlich gut gelernt. 


aus: Ludwig Thoma, Kirchweih, Simplicissimus-Gedichte, Albert Langen Verlag, München, 1912