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Otto Roquette - Die sieben Nixen

John William Waterhouse - Hylas and the Nymphs



Die sieben Nixen.


Es waren sieben Nixen fein,
Die saßen im schlanken Kahn,
Und ruderten im Mondenschein
Auf des Seees Spiegelbahn.
Sie schlugen den Takt, und sangen dazu,
Und weckten des Wiederhalls traumende Ruh,
          Die Nixen alle sieben.


Nur das jüngste Nizlein schweigsam blieb,
In des Nachens Ecke geduckt,
Und zum Ufer lauscht es, bald freudig, bald trüb,
Wenn der Mond durch die Zweige zuckt.
Und die andern meinten, sie sei noch ein Kind,
Und noch gar nicht verstandig, wie Nixen sind,
          Sechse von ihrer sieben.


Und die erste sang: Was die Liebe sei,
Bleib' ewig uns unbewußt!
Denn das Menschenherz pocht ungetreu
In der falschen, betrüglichen Brust.
Die Liebe, die Liebe, die sei verbannt!
Das schwuren sie fest sich in die Hand,
          Sechse von ihrer sieben.


Die zweite sang: Was ist ein Kuß?
Ein kurzer, vergänglicher Scherz!
O kindische Lust! O schlechter Genuß,
Du bringst nur Thränen und Schmerz!
Das Küssen, das Küssen, das sei verbannt!
Das schwuren sie fest sich in die Hand,
          Sechse von ihrer sieben.


Die dritte sang: Und wenn es vorbei,
Dann ringt aus des Jammers Grund
Die arme Seele sich nimmer frei,
Und seufzet, und seufzet allstund.
Das Seufzen, das Seufzen, das sei verbannt!
Das schwuren sie fest sich in die Hand,
          Sechse von ihrer sieben.


Die andern sangen jedwede noch was,
Die jüngste allein war stumm,
Die schmückt sich mit Blumen, und schaut in's Naß
Der Wellen — wer weiß, warum?
Mit leichtem Wiegen das Schifflein glitt,
Die Wellen tanzten, und sangen mit,
          Mit sechsen von ihrer sieben.


Und als sie gelangt zu des Ufers Bug,
Wo im Schilfe die Erlen stehn,
Die Lüfte der Nacht mit leisem Zug
Von den Bergen zu Thale wehn.
Doch schau, was fesselt der Nixen Hast?
Sie stehen erstaunt, und machen Rast,
          Sechse von ihrer sieben.


Und die jüngste, mit Wasserrosen bekränzt,
An das blühende Ufer sprang,
Und der blonde Fischer, mondbeglänzt,
Sein luftiges Nizlein umschlang.
Und die Zwei die küßten sich halb zu Tod',
Und die andern standen seufzend im Boot,
          Sechse von ihrer sieben.


Ihr Nixen, liebe Nixen mein,
Ihr hättet nicht sollen schwören!
Denn harrten der Fischer noch sechs an dem Rain,
Was gilts, ihr ließt euch bethören!
Nun sagen sie nichts, und nun singen sie nichts,
Nun rudern trübseligen Angesichts
          Sechse von ihrer sieben.


 aus: Otto Roquette, Gedichte, J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart, 1859







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aus: Ludwig Thoma, Kirchweih, Simplicissimus-Gedichte, Albert Langen Verlag, München, 1912



Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt


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Aus: Chorus eroticus, Neue deutsche Liebesgedichte, Herausgegeben von Karl Lerbs, Rainer Wunderlich Verlag, Leipzig, 1921