Montag, 20. Juni 2011

Richard Dehmel - Hymnus barbarikus

Wassili Wassiljewitsch Wereschtschagin - Die Apotheose des Kriegs



Hymnus barbarikus


Der Weltkrieg blüht, alle Zeitungen melden
tagtäglich die glänzendsten Heldentaten,
                        die Welt frohlockt.


Deutsche U-Boote haben in einer Woche
fünfzig englische Dampfer mit Mann und Maus versenkt,
                        Deutschland frohlockt.


Französische Flugzeuge haben an einem Nachmittag
hundert Frauen und Kinder in deutschen Städten zerknallt,
                        Frankreich frohlockt.


Russische Pioniere haben in einer Stunde
tausend Türken mit Chlorgaswolken erstickt,
                        Rußland frohlockt.


Englische Flottenstationen haben eines Morgens
Millionen Griechen hungertödlich blockiert,
                        England frohlockt.


Italiänische Artillerie hat im Handumdrehn
Östreichs Grenze mit Trümmerhaufen besät,
                        Italien frohlockt.


Bulgarischer Fuhrpark hat über Nacht
Serbien und Rumänien in Wüsten verwandelt,
                        Bulgarien frohlockt.


Afrikanischer Troß hat Monate, Jahre lang
das zivilisierte Europa verunzuchten helfen,
                        der Nigger frohlockt.


Asiatische Taktik hat binnen Jahresfrist
Europas Kulturstrategie glatt niedergetreten,
                        der Kuli frohlockt.


Amerikanische Technik wird noch auf Jahre hinaus
Munition zum Selbstmord Europas liefern,
                        der Yankee frohlockt.


Menschliche Politik ist unablässig beflissen,
Menschen und Menschenwerk zu vernichten,
                        und — Menschen frohlocken.

aus: Richard Dehmel, Schöne wilde Welt, S. Fischer Verlag, Berlin, 1922



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Aus: Emmy Hennings, Die letzte Freude Gustav Klimt - Danae An die Scheiben schlägt der Regen. Eine Blume leuchtet rot. Kühle Luft weh...