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Es werden Posts vom Juli, 2011 angezeigt.

Johanna Ambrosius - Ich habe das Glück gesehn

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Ich habe das Glück gesehn.

Ich habe das Glück, das Glück gesehn.
Wißt ihr, es ist wie der Himmel so schön,
Wie der Himmel so blau, wenn die Erde blüht
Und Leben und Licht und Duft nur sprüht;
Und sein Mund, ich kann nicht beschreiben den Mund.
Der machte mit einem Hauch mich gesund.


Und schließen auch Mauern zeitlebens mich ein,
Sinnt meine Hölle auf schärfere Pein,
Springt hoch auf mein Blut aus den Wunden rot,
Tritt man mich mit Füßen lebendig tot:
Was kann mir noch Leid's auf der Welt geschehn?
Ich habe das Glück, das Glück gesehn!


Aus: Johanna Ambrosius, Gedichte, Zweiter Teil, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Thomas & Oppermann, Königsberg i. Pr., 1897





Abbé Bretin - Die Gärtnerin

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Die Gärtnerin.
Einst wandelt Barbara, die schöne Gärtnerin,
Dürrzweige sammelnd auf dem Weg dahin.
Beim Bücken hebt ein tück’scher Ast
Den Rock ihr auf, und in der Hast
Bemerkt sie nicht, daß der am Tragkorb hängen bleibt.

Dieweil so bös’ Geschick ihr seine Possen treibt,
Gehn auch zwei Kapuziner ohne Arg
Selbander dieses Wegs. Da sieht von ohngefähr
Des Jüngern Aug’ – als ob’s ein Trugbild wär’ –
Manch schönes Rund, das sonst der Rock verbarg.
Zum andern spricht er drauf: »Daß Euer Ehrwürden verzeih’:
»Wer hätte je geglaubt, daß eine Magd so schamlos sei.«
 – »Ich seh’, ich seh’! Dein Auge mußt du senken.«
 – »Doch einen Ausweg sollte man bedenken!«


Und heil’ger Eifer treibt den Jüngling an –
Dies fremde Bild tät frommen Sinn erschrecken. –
Nicht wußt er schier, was er begann:
Er eilt zu Barbara, die Blöße zu bedecken.

Bewegten Herzens tritt er ihr zur Seiten
Und löst den Rock und läßt ihn niedergleiten.
»O Schwester« spricht er, »nicht will ich Euch schelten. Nein –

Johanna Ambrosius - Ich habe geliebt

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Ich habe geliebt.
Ich habe getrunken der Sonne
Allverzehrende Glut,
Ich habe tief im Schatten
Des Silbermondes geruht.


Auf jagenden Winden gezogen
Bin ich über alle Welt,
Hab' Sterne am Himmelsbogen
Mir zu Gespielen gesellt.


Und Elfen und Nixen sangen
Mir Lieder so süß und fein.
Und alle Wolken schwammen
Im rosigen Zauberschein.


Da fragten der Mond und die Sonne:
Ob's wohl noch Schön’res giebt?
Ich jauchzte entgegen voll Wonne:
Ich habe geliebt, geliebt!


Aus: Johanna Ambrosius, Gedichte, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Thomas & Oppermann, Königsberg i. Pr., 1896



Johanna Ambrosius - Es ist genug

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Es ist genug.

Es ist genug! Hör’ auf zu schlagen,
Im Staube liegt mein matt Gebein;
Du stillst des kleinsten Würmchens Klagen,
Soll ich allein vergessen sein?
Willst mich vernichten, wohl, ich stehe
Gewärtig Deines Schwertes Zug,
Nur thu’ mit Schlägen nicht so wehe
Und halte ein. Es ist genug!


Es ist genug! Die Ketten brennen
Mit Höllenglut bis tief ins Herz,
Kein Wort kann ihn beim Namen nennen.
Den unermess’nen tiefen Schmerz.
Man löst dem Frevler seine Stricke,
Wenn zum Schafott ihn treibt der Fluch,
Begnad’ge Du mit einem Blicke
Doch meine Schuld. Es ist genug!


Es ist genug! Ich hab’ gelitten,
Was nur auf Erden Leiden heißt.
Im Kampfe bis aufs Blut gestritten,
Und tief verwundet liegt mein Geist;
Sieh’ meiner Hände müdes Beben,
Hör’ meinen schwachen Atemzug,
Du Richter über Tod und Leben,
Gieb Frieden mir! Es ist genug!


Aus: Johanna Ambrosius, Gedichte, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Thomas & Oppermann, Königsberg i. Pr., 1896





Luise Deusch - Mädchenlied

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Mädchenlied
Ob ich dieselbe wie gestern noch bin, Spähend auf goldene Straßen hinaus? Seltsames, Neues bewegt mir den Sinn, Fremd den Gespielen, ja fremde dem Haus.
Suche mein Bild ich im Wassergerinn, Gehe ich weiter auf sonnigem Plan: Leuchtet mir lockend ein andres darin, Glaub ich, es rede mein Schatten mich an.
     Gestern auf totem Feld noch gegangen,      Wähnt ich mich bis in die Seele allein;      Heute von Blütenweben umfangen,      Küssend durchs Auge ins Herz mich hinein!
     Anders geworden bin ich seit gestern,      Fühle die Tiefe der menschlichen Brust, —      Möchte umhalsen die arglosen Schwestern:      Ist denn auch euch solches Wunder bewußt?
Aus: Luise Deusch, Gedichte, Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart, 1909



Luise Deusch - Jumneta

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Jumneta

Jahrhundertalte Kunde
Ward uns aus Saga's Munde:
Der stolzen Stadt der Wenden,
Jumneta's, Mauern ständen
      Im tiefen Ostseegrund.


Kühn waren die Bewohner
Und nie des Rechtes Schoner,
Aus freier Meeresweite
Heimwärts mit reicher Beute
      Ihr starker Drache schwamm.


Einst jäh ergriff die Mauern
Ein Wanken und Erschauern,
Die See mit gier'gen Lippen
Verschlang mitsamt den Klippen
      Die Stadt und all ihr Volk.


Es bleichen die Gebeine
Im grünen Zwielichtscheine,
Gespenstisch das Gemäuer
Lugt durch den Wogenschleier;
      Der Schiffer sich bekreuzt.


Und Fische überschnellen
Die Giebel und die Schwellen,
Aus Fugen ausgewaschen,
Drängt sich in dichten Maschen
      Das Seegras ums Gestein.


Des Domes Pfeilergänge
Durchrauscht das Flutgedränge,
Die Glocke kommt ins Schwingen
Ins Summen und ins Klingen,
      Zum Schiffer tönt's hinauf.


In blauen Mondennächten
Entringt den Wogenmächten
Jumneta sich, die Zinnen
Erschimmern, silbern rinnen
      Die Tropfen dran herab.


Wie eine Wundermäre
Jumneta s…

Theodor Kirchhoff - Wie es kam, daß den Spaniern das Rauchen im Himmel verboten ward

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Wie es kam, daß den Spaniern das Rauchen im Himmel verboten ward.
Eine wahrhaftige Historie aus dem Jenseits, durch spezielle Offenbarung dem Dichter mitgeteilt.
Viele, die glauben auf Erden, daß droben im himmlischen Reiche Jeder zufrieden sich fühlt. Das ist ein bedenklicher Irrtum. Oft schon gab es ein Ärgernis dort. Der Sprachen Gewirre, Schlimmer, als einst es gewesen bei Babels gewaltigem Turmbau, Schuf ein ewig Gezanke. Die deutschen Seelen, sie haßten Bitter das dumme Gewäsch der plappernden, eitlen Franzosen, Diese das Deutsche nicht minder; und alle verwünschten die Britten, Welche, seit Milton das Buch vom Paradiese geschrieben, Hunderte Male bereits sich erfrecht, den Antrag zu stellen, Daß auf Englisch allein es erlaubt sein solle, zu beten. Ärger noch ward es in neuerer Zeit. Da erschienen die Yankees,

Robert Garrison - Bekenntnis

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Bekenntnis

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust — —
Ach so, das sagte schon ein andrer Dichter.
Jedoch auch mich, glaubt, überkommt die Lust,
Herauszukehren zweierlei Gesichter.


Im Alltagsmenschen, diesem Biedermann,
Der mit konstanter Krämerart mich ödet,
Seh' ich den Vogel am Gefieder an —
Drum stell' ich mich wie er: treu und verblödet.


Jedoch der Geist, der mich zu zwingen weiß,
Enthüllt das zweite Antlitz meines Innern,
Und das heißt: Spott . . . das ist in mir der Greis,
Der feisten Edelmut sucht zu verdünnern.


Das ist der Greis mit anerzog'nem Hang
Zu der Verzerrung aller Sittenreinheit
Ins Lächerliche . . . der sein Lebelang
Verdammt hat diese Biedermannsgemeinheit.


Doch weil sie ihn zum Greisen hat gemacht,
Läuft er mit ihr und lacht bei allen Scherzen
Und zotet mit. Er tut es unbedacht,
Der zweite Ichmensch mit dem braven Herzen . . .


Aus: Robert Garrison, Nachtfalter, Modernes Verlagsbureau, Curt Wigand, Berlin, Leipzig, 1908