Wilhelm Arminius - Nachtschatten

Viktor Oliva - Der Absinth-Trinker


Nachtschatten


Was dich erweckt in tiefer Nacht,
Wenn drohende Augen das Dunkel macht,
Bei rastlos jagenden Herzensschlägen
Ein Alp dich hindert an jedem Bewegen –
Das ist:
                 Tiefschattend schritt über Land
Der Sämann des Unheils. Ein Korn seiner Hand,
Wahllos geschleudert, traf deine Stirn.
Nun jagen Gedanken peitschend durchs Hirn.
Mit hohlem Auge, gespenstisch hager,
Umwirbeln bleiche Sorgen dein Lager,
Und fern vom Turm der Mitternachtsmund
Und fern vom Gedröhn' in des Wirbels Schlund –
Da füllt ein jeder verzitternde Schlag
Dein Herz mit Grau'n vorm kommenden Tag . . .


das Haus schläft tief. Unter blühenden Reben
Erwuchs ein Giftkraut dir ins Leben.


Aus: Wilhelm Arminius, Gedichte, Alexander Duncker Verlag, Berlin, 1909





Beliebte Posts aus diesem Blog

Ludwig Thoma - Sexuelle Aufklärung

Albert Möser - An den Tod

Claire Morgenstern - Mich treibtʼs zu suchen