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Anna Behrens-Litzmann – Sommermittag




Alfons Mucha - Sommer



Sommermittag.

Die Kastanien blühen wieder,
Und geschmiegt in seiner Wälder Hut
Trägt des Flusses silberblanke Flut
Leichte Kähne auf und nieder.
Hier und da ein Segel leuchtet,
Von dem Regen noch befeuchtet,
Der aus grauer Wolke fiel
Zwischen heitrem Sonnenspiel.
Friedlich tauchen aus dem klaren Spiegel
Rings der Dächer rote Ziegel,
Unter denen wie im Mittagsschlummer
Grau und still die Häusermasse ruht.


Tiefer lenk' ich meine Schritte
Nun hinein ins dichte Schattengrün
Um der Hänge duftend Blühn,
Klein mich fühlend
In der Riesen Mitte,
Die mit dunklen Stämmen stehn
Und mir fremd ins Auge sehn.
Ja, es ist, als ob mich litte
Diese hehre Einsamkeit
Nur als ungeladnen Gast,
Nur zu kurzer Wegerast.


Doch wie sie nun leise flüstern,
Jene Träumer, jene Weisen,
Scheint's, als lob in stillen Kreisen
Uns sich nahe ein Verstehn,
Ja, als ob die Bäume wüßten,
Daß sie mir erzählen müßten,
Was sie hören, was sie sehn.


Und so schreit' ich tief versonnen,
Fern dem heute, nur umsponnen
Von vergangenem Geschehn,
Und getragen vom Bewegen
Der Gedanken, die sich regen,
Wenn sie an des Wissens Grenzen
Und versenkt in fernes Schauen,
Traumverloren untergehn.


Aus: Anna Behrens-Litzmann, Gedichte, Weiß'sche Universitäts-Buchhandlung, Heidelberg, 1920


siehe auch unter der Autorin: ngiyaw eBooks

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Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
Der winkt und lockt sirenenhaften Klanges
Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
Ihn suchen, die da athmen, all’ und ranken
Um’s irdische Sein sich zäh’ und gier’gen Dranges;
Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
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Doch dir, o Tod, naht selten nur ihr Fragen,
Sie lieben’s nicht, den Geist dir zuzuwenden,
Und deinen Namen nennt nicht gern die Lippe;
Denn sieh! dein Amt ist, mitleidlos zu enden
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Hohläugig, grinsend, wangenlos und beinern,
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Schaffst du…

Pierre Louys - Rosen in der Nacht

ROSEN IN DER NACHT


Wenn die Nacht am Himmel aufsteigt,
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Die Sternlein funkeln genugsam für die klei-
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den wir unter den niederhangenden Zweigen
schlafende Hirschkühe.

Doch zauberischer in der Nacht als alles andre
ist ein Ort, von uns allein gekannt, der uns mäch-
tig auf sich zieht durch den Wald: ein Gebüsch
geheimnisvoller Rosen.

Denn nichts ist göttlich auf der Erde, verglichen
mit dem Duft der Rosen in der Nacht. Wie
kam es nur, daß ich damals, als ich allein war,
mich nicht davon berauscht gefühlt.

Aus: Pierre Louys, Lieder der Bilitis, Übertragen von Richard Hübner, J. Zeitler Verlag, Leipzig, 1901. Illustration von George Barbier

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt


Ich bin der Sturm, der über dich braust,
Du schönste der Edeltannen.
Ich halte dich fest in krampfender Faust
Und trage dich hurtig von dannen.

Schweratmend ruhst du, selig glühende Frau,
Auf meinen bebenden Armen.
Aus deinen Haaren küss' ich den Tau,
Und fühle ein wildes Erwarmen.

Warm über die zuckenden Glieder rinnt
Der rieselnde Mainachtsregen,
Und die Liebe überschauert dich lind
Mit ihrem süßesten Segen.

Und wärst du der Teufel und wärst du der Tod,
Ich will dich umschlingen und pressen
Und das lachende Glück und die wimmernde Not
Und die eigene Seele vergessen.


Aus: Chorus eroticus, Neue deutsche Liebesgedichte, Herausgegeben von Karl Lerbs, Rainer Wunderlich Verlag, Leipzig, 1921