Inge von Holtzendorff – Ich reite durch den Wald

Ich reite durch den Wald …

Ich reite durch den Wald und der Wald ist weit,
und mein Panzerhemd ist schwer,
ich reite durch den Wald und der Wald ist weit.


Winters sind alle Wege im Wald verschneit,
im Sommer rinnt der Regen sehr.
An meiner Lanze fressen Regen, Rost und Tau,
ich trage meine Lanze immer noch behutsam wie eine müde Frau.


Ich reite durch den Wald und der Wald ist weit,
die Stämme stehen steil und drohend um mich her,
sie stehen hoch wie Säulen, feindlich, streng und schmal.
Wie ein Narr reit ich in dem Wald herum!


Fahl ist der Wald – fahl.
Warum reite ich so, warum reite ich so, warum? –
Irgendwo ist der Gral!


aus: Unser Pommernland, 6 Jg. 1921 Heft 3 S. 64



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