Direkt zum Hauptbereich

Anonym - An Laurette

Franz von Bayros - Ali Schar und Sumurud

An Laurette.

Laurette, bleibst du ewig Stein?
Soll forthin unverknüpfet sein
Dein Englischsein und dein Erbarmen?
Komm, komm und öffne deinen Schoß
Und laß uns beide nackt und blos
Umgeben sein mit Geist und Armen.


Laß mich auf deiner Schwanenbrust
Die oft versagte Liebeslust
Hier zwischen Furcht und Scham genießen,
Und laß mich tausend tausend Mal
Nach deiner güldnen Haare Zahl
Die geisterreichen Lippen küssen.


Laß mich den Ausbund deiner Pracht,
Der Sammt und Rosen nichtig macht,
Mit meiner schlechten Haut bedecken!
Und wenn du deine Lenden rührst
Und deinen Schoß gen Himmel führst
Sich zuckersüße Lust erwecken.


Und sollte durch die heiße Brunst
Und deine hohe Gegengunst
Mir auch die Seele gleich entfließen,
So ist dein zarter Leib die Bahr,
Die Seele wird dreiviertel Jahr
Dein himmelrunder Bauch umschließen.


Und wer alsdann nach meiner Zeit
Zu lieben dich wird sein bereit
Und hören wird, wie ich gestorben,
Wird sagen: Wer also verdirbt
Und in dem zarten Schoße stirbt,
Hat einen sanften Tod erworben.


Aus: Venus; rosenkränzlein für die galante welt gedruckt zu Cÿthere im jahre da gut zu lieben war, Herausgegeben von Alfred Semerau, Anonym erschienen um 1800








Beliebte Posts aus diesem Blog

Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
Der winkt und lockt sirenenhaften Klanges
Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
Ihn suchen, die da athmen, all’ und ranken
Um’s irdische Sein sich zäh’ und gier’gen Dranges;
Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
Und ihrer Sehnsucht Ziel heißt: Leben! Leben!
Doch dir, o Tod, naht selten nur ihr Fragen,
Sie lieben’s nicht, den Geist dir zuzuwenden,
Und deinen Namen nennt nicht gern die Lippe;
Denn sieh! dein Amt ist, mitleidlos zu enden
Das Sein, das sie entzückt, und drum mit Zagen Malt dich ihr Geist als höhnisches Gerippe;
Mit Stundenglas und Hippe,
Hohläugig, grinsend, wangenlos und beinern,
Also im Sinn lebst du dem Erdensohne,
Und schreckhaft gleich dem Haupte der Gorgone
Schaffst du…

Ludwig Thoma - Sexuelle Aufklärung

Sexuelle Aufklärung

Der alte Storch wird nun begraben. 
Ihr Kinder lernt im Unterricht, 
Warum wir dies und jenes haben, 
Und es verbreitet sich das Licht. 


Zu meiner Zeit, du große Güte! 
Da herrschte tiefe Geistesnacht. 
Man ahnte manches im Gemüte 
Und hat sich selber was gedacht. 


Mich lehrte dieses kein Professer; 
Nur eine gute, dicke Magd 
Nahm meine Unschuld unters Messer 
Und machte auf dieselbe Jagd. 


Ihr Unterricht war nicht ästethisch, 
Im Gegenteil, sehr weit entfernt. 
Und doch, wenn auch nicht theoretisch, 
Ich hab' es ziemlich gut gelernt. 


aus: Ludwig Thoma, Kirchweih, Simplicissimus-Gedichte, Albert Langen Verlag, München, 1912



Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt


Ich bin der Sturm, der über dich braust,
Du schönste der Edeltannen.
Ich halte dich fest in krampfender Faust
Und trage dich hurtig von dannen.

Schweratmend ruhst du, selig glühende Frau,
Auf meinen bebenden Armen.
Aus deinen Haaren küss' ich den Tau,
Und fühle ein wildes Erwarmen.

Warm über die zuckenden Glieder rinnt
Der rieselnde Mainachtsregen,
Und die Liebe überschauert dich lind
Mit ihrem süßesten Segen.

Und wärst du der Teufel und wärst du der Tod,
Ich will dich umschlingen und pressen
Und das lachende Glück und die wimmernde Not
Und die eigene Seele vergessen.


Aus: Chorus eroticus, Neue deutsche Liebesgedichte, Herausgegeben von Karl Lerbs, Rainer Wunderlich Verlag, Leipzig, 1921