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Paul Haller - Das seltsame Sterben

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Das seltsame Sterben
Laßt aus frohen Jugendtagen Euch mein liebstes Leid berichten: Seltsam Sterben eines Freundes, Das in trauten Nachtgesichten Jahrelang mit mir gewandert. Eines Freundes, den ich liebte Wie mich selber; den ich kannte, Meine zweite Seele nannte.
Still auf eines Berges Knieen Lag das Dörflein. Auf zum Haupte Stieg der Knabe jenes Morgens, Der sein junges Leben raubte. Grünten nicht die Frühlingswälder? Lag der Nebel nicht im Tale? Glänzte nicht im Sonnenstrahle Silbern die betaute Welt? War es nicht ein heilger Morgen? Abends fand man meinen lieben Freund zerschmettert unterm Felsen. Und die Rede ist geblieben In des Dörfleins stillen Hütten, Daß er Maienglöcklein suchte Und am Felsen ausgeglitten. —  —  —  —  —  —  —  —  — Besser weiß ich’s, weil er selber Oftmals mir’s im Traum gewiesen. Und ich wußt es ohne Träume, Weil’s mein Freund war, den ich kannte, Meine zweite Seele nannte. Keiner sah ihn je auf Bergen Tollkühn klettern, lustig wagen. Und an jenem klaren Morgen Nicht nach Blumen stieg er …