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Rudolf Hammon - Quellwasser und Abwasser

Jean-Auguste-Dominique Ingres - The source



Quellwasser und Abwasser.

Wie sprudelt sie so frei und stolz
Im lichten, blanken Kleid: die Quelle;
Wer ihr begegnet, freut sich der Begegnung!

Im engen zementierten Graben
Schleicht lautlos hin ein dunkles Wasser;
Es schillert just in allen Farben,
Das macht der Schmutz, den man
Hineingeführt in dies Gewässer.

In einen, Flusse münden sie zusammen,
Die Quelle und der Schmutzkanal.
— Wie sich im Leben oftmals Gegensätze treffen!
Vergebens sucht die Quelle, sich zu sondern
Von jenem düsteren Gewässer;
Will seitwärts fließen, hochgeschürzt.
Das saubʼre Kleid nicht beschmutzen,
Und vor Entrüstung fließen ihre Tränen,
Die Worte fehlen ihr ob solchem Schimpf,
Gibtʼs denn für ihresgleichen keine andre Stätte?
Tief senkt das Haupt das andere Gewässer.
Und sucht den Schmutz zurückzuhalten.

Da spricht der Fluß, der beide aufgenommen:
»Du Quelle, stammst aus edler Erde.
Dein Lauf hat dich geführt nur Wege.
Sie aber haben Menschen so geleitet,
Den Schmutz von ihnen aufzunehmen.
Hat sie nicht so auch reich genutzt?
Du gabst dem Durstigen Erquickung,
Sie nahm, was Schaden hättʼ gebracht, mit fort.
An Nutzen warʼt ihr gleich,
Du hattest Ehre nur und sie nur Schmach,
Wer hat das Größʼre nun von euch geleistet?«


Aus: Rudolf Hammon, Herbes und Liebes, Gedichte, Verlag von Strecker & Schröder, Stuttgart, 1904




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Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
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Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
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Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
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Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
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Pierre Louys - Rosen in der Nacht

ROSEN IN DER NACHT


Wenn die Nacht am Himmel aufsteigt,
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Die Sternlein funkeln genugsam für die klei-
nen Schatten, die wir sind. Manchmal fin-
den wir unter den niederhangenden Zweigen
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Doch zauberischer in der Nacht als alles andre
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tig auf sich zieht durch den Wald: ein Gebüsch
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Denn nichts ist göttlich auf der Erde, verglichen
mit dem Duft der Rosen in der Nacht. Wie
kam es nur, daß ich damals, als ich allein war,
mich nicht davon berauscht gefühlt.

Aus: Pierre Louys, Lieder der Bilitis, Übertragen von Richard Hübner, J. Zeitler Verlag, Leipzig, 1901. Illustration von George Barbier

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt


Ich bin der Sturm, der über dich braust,
Du schönste der Edeltannen.
Ich halte dich fest in krampfender Faust
Und trage dich hurtig von dannen.

Schweratmend ruhst du, selig glühende Frau,
Auf meinen bebenden Armen.
Aus deinen Haaren küss' ich den Tau,
Und fühle ein wildes Erwarmen.

Warm über die zuckenden Glieder rinnt
Der rieselnde Mainachtsregen,
Und die Liebe überschauert dich lind
Mit ihrem süßesten Segen.

Und wärst du der Teufel und wärst du der Tod,
Ich will dich umschlingen und pressen
Und das lachende Glück und die wimmernde Not
Und die eigene Seele vergessen.


Aus: Chorus eroticus, Neue deutsche Liebesgedichte, Herausgegeben von Karl Lerbs, Rainer Wunderlich Verlag, Leipzig, 1921