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Es werden Posts vom 2013 angezeigt.

Marina Iwanowna Zwetajewa - Es ist Zeit ...

Marina Iwanowna Zwetajewa letztes Gedicht



Es wird Zeit, den Bernstein abzulegen,
Es wird Zeit, andre Worte zu verwenden
Es wird Zeit, die Fackel auszulöschen
Über der Tür . . .


Пора снимать янтарь, Пора менять словарь, Пора гасить фонарь Наддверный . . .

Marina Iwanowna Zwetajewa - Mädchens Tod

Mädchens Tod

Der Mond überflutete das kalte Parkett
In milchig, glatten Wellen
Mit einem Blumenstrauß an der heißen Wange
Schlief ich süß im Mondlicht.

Das Leuchten und der Schlaf störten einander
Müde öffnete ich die Augen
Und des Mädchens Tod beugte sich nieder
Als rosaroter Engel ohne Flügel.

Ein Medallion zitterte an ihrem schmalen Hals
Über ihre Wangen lag ein Erröten
Sie muß gelaufen sein: ein wenig staubig
Ihre blauen Pantoffeln.

Zierliche Muster mit Goldrand
In ihren Locken türkise Fäden
Du  kleiner Junge, ich  ein Mädchen: wir
werden auf der Straße ausgelassen sein.

Leg (du bist — der Ritter) das Spitzentuch an!
Ich gab ihr stumm den Blumenstrauß . . .
In milchigen, glatten und kalten Wellen
Überflutete der Mond das Parkett.


ДЕВОЧКА-СМЕРТЬ

     Луна омывала холодный паркет
     Молочной и ровной волной.
     К горячей щеке прижимая букет,
     Я сладко дремал под луной.

     Сияньем и сном растревожен вдвойне,
     Я сонные глазки открыл,
     И девочка-смерть наклонилась ко мне,
     Как розовый ангел…

Marina Iwanowna Zwetajewa - Zigeunerhochzeit

Zigeunerhochzeit

Unter den Hufen
spritzt der Schmutz!
Vor dem Gesicht
ein Schal wie ein Schild.
Ohne die Jungen gehen,
die Verkuppelten.
Hey, trage sie fort,
zottiges Pferd.

Sie geben uns nicht unseren Willen
Vater und Mutter
Wir sind nur
fürs Ehebett.

Trunken ohne Wein, satt ohne Brot
Die Zigeunerhochzeit beginnt!

Das Glas gefüllt,
Das Glas geleert
Gitarrenklang und Mond und Schmutz,
zur Linken und zu Rechten dreht sich das Lager
Dem Prinzen, der Zigeuner
Dem Zigeuner, der Prinz.

Mein Herr, pass auf... es brennt!
So trinkt die Zigeunerhochzeit.
Dort, auf dem Haufen
Schals und Mäntel
Rasseln und Rauschen
von Stahl und Lippen
klirrende Sporen,
es entgegnen Halsketten.
Unter einer Hand knistert
Seide
Jemand heult wie ein Wolf
wie ein Stier schnarcht einer.

Die Zigeunerhochzeit schläft sich ein.


* * *
Цыганская свадьба

Из-под копыт - 
Грязь летит! 
Перед лицом - 
Шаль, как щит. 
Без молодых 
Гуляйте, сваты! 
Эй, выноси, 
Конь косматый!

Не дали воли нам 
Отец и мать -
Целое поле нам -
Брачная кровать!

Пьян без вина и без хлеба сыт - 
Эт…

Marcelline Desbordes-Valmore - Vorahnung

VORAHNUNG

Ich fühl's gewiß, ich werd' ihn wiedersehen,
Es brennt die Stirn, und süßer sind die Tränen.
Ich warte, horche auf, es stockt das Wort —
Ein Traum verkündet ihn und schwindet fort,
Erschauern treibt das Blut mir aus den Wangen.

Wie anders klingt der Glockenschlag der Frühe!
Den Tauber grüß ich: Liebe zu empfangen.
Brächt er sie nicht? ich bebe, o ich glühe!
Mit solchem Einsatz zahl ich seine Nähe;
Nur mählich lehrt mich Liebe glücklich sein:
Ich frier nicht mehr, wenn ich ihn nicht mehr sehe,
Denn schon schließt sein Herz meines in sich ein.

Dies Buch! ah, ich vermag nichts drin zu lesen
Als dieses eine nur: bald wird er bei dir sein!
Und kindisch schwank ich zwischen Lust und Schmerz —
Ja dies ist Hoffnung, kenn ich doch ihr Wesen,
Geduld, o Liebe! Gnade! Schon' mein Herz!

Zu grell ist Licht nach dunkelvoller Nacht —
Laß mich in Träumen noch zu dir mich neigen,
Laß stille stehen die Zeit, mach alles lind und sacht!
Flüsternde Weide, Bächlein, wollt ihr schweigen!
Horcht auf, beruhigt…

Stefan Zweig - Der Flieger

Der Flieger

Die Erde spricht:
»Ich lasse dich nicht,
Du Wurm, der meine Flanken umkriecht,
Du fressende Borke in meiner Rinde!
Ich habʼ dich gesäugt, ich habʼ dich genährt,
Ich gebe nichts frei, was zu mir gehört.
Ich stürzʼ dir das Grauen des Todes ins Herz.
Ich binde
Die Sohlen dir an mit brennender Schwere,
Ich füllʼ dir den Leib mit Wucht und Gewicht.
Und wie zornig du dich auch aufwärts entringst.
Du sinkst
In ewiger Ohnmacht stets bodenwärts.«

Doch der Wille glüht:
»Ich bin müdʼ,
Die Straßen zu streifen, die alle begingen.
Ich will nicht mehr, Last, an Lastendem kleben!
Leben ist Schweben,
Seliges Ruhn mit wandernden Schwingen.
Ich sehe
Die Lerchen leicht auf luftigen Sprossen
Aus nebelnden Talen ins Frührot klimmen
Und Adler schwarzseglig den Äther zerpfeilen,
Ich sehe
Die Schwalben flink wie flüchtende Rehe
Die Wälder des Winds und der Wolken
durcheilen.
Ich sehe
Libellen mit silberflirrenden Flossen
Im blauen Bade des Himmels hinschwimmen,
Ich sehe Glanzkäfer wie zitternde Fu…

Margarete Beutler - Und doch

Und doch . . .
Hier ist es still an meinem dunklen Teiche,
Den nur der Mondfrau blasser Schleier streift,
Und ich bin Fürstin diesem Abendreiche,
In das kein fremdes Menschendenken greift —
Und ich befehle meinem dunklen Teiche,
Und ich befehle seinen lauen Fluten,
Daß sie mich tragen, ihre Königin!
Sie tragen mich zu meiner Insel hin,
Da blühen aus dem Schilfe Blumenkronen,
Die einsam auf den hohen Stielen thronen
Und Blütenstaub aus matten Kelchen bluten,
Und zwischen meinen Blumen will ich liegen
Und meinen Leib an's starre Schilfgras schmiegen.

Die Mondfrau hüllt mich ein in bleiche Strahlen,
Ich steh im Schilf — es leuchten meine Glieder
Mir aus dem dunkelfeuchten Spiegel wieder,
Und hundert Sterne tauchen um mich nieder
Und blühn empor aus violetten Schalen.
Kühn lebt mein Heute, müde schläft mein Gestern —
Mich trennen Welten jetzt von meinen Schwestern!

Allein in meinem schweigenstarken Eden,
Ich sehne mich nach heißen Liebesreden.
Ich sehne mich nach einem wilden Sehnen,
Ich sehne mich nach schw…

Gabriele Narzissa Zmichowska – Des Weibes Liebe

Des Weibes Liebe
Von zarten Engeln, die auf Erden sind,
Mit weißen Flügeln, sprach man mir als Kind,
Die, wenn sie mit den gottgeweihten Händen
Das Herz des Menschen liebevoll umfassen,
Es leiten auf den Wegen dieser Welt
Durch Sumpf und Felsengrund mit Sicherheit,
Vom Strahl des Gottgedankens mild erhellt
Und angeweht von warmer Gottesliebe.
Ich fragte, wo denn solche Engel sind?
Die gute Mutter stand an meiner Seite,
Sie küßte mir, dem kleinen Sohn, die Stirn
Und sagte nur: »Sie sind, mein theures Kind,
Dort, wo ein Weib ist, das dich innig liebt.«
Wie wahr hat meine Mutter da gesprochen!
Ein Engel naht: das Sein ist Hochgenuß,
Der Herzschlag sanft, der Himmel ungetrübt
Dort, wo ein Weib ist, das dich innig liebt.
Des Weibes Liebe gleicht dem ersten Gruß,
Der hier empfängt den jungen Erdenpilger,
Dem ersten Tropfen frischer Lebenskraft,
Mit dem man seine durst'ge Lippe feuchtet;
Sie gleicht dem Ton der Mutter, wenn sie knieend
An deiner Wiege Schlummerlieder sang.
Des Weibes Liebe – segenbringend leuch…