Stéphane Mallarmé - Frühling

Arnold Böcklin - Der Frühling

Stéphane Mallarmé - Frühling

Kränklicher Lenz verjagt den Winter bang,
Den lichten Winter, heitrer Künste Zeit.
In mir regiert des Blutes Düsterkeit,
Und gähnend reckt sich meiner Ohnmacht Drang.

Im Schädel weißer Dämmerungen Glut,
Den wie ein Grab umspannt ein Eisenreifen,
Zieht mich ein schöner Traum, nicht zu begreifen,
Traurig durchs Feld voll Saft und Übermut.

Berauscht vom Duft der Bäume sink ich nieder
Und wühle mit der Stirn dem Traum ein Grab,
In warme Erde beiße ich, wo Flieder
Treibt, und warte meine Qualen ab:
Bis Sonne und Azur auf Blütenhecken lachen
Und in der vielen Vögel zwitscherndes Erwachen.


Übertragung: August Brücher / Aus: Sozialistische Monatshefte

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