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Es werden Posts vom April, 2015 angezeigt.

Frida Schanz - Das Hexenkind

Das Hexenkind.

Ein dunkler Abend in dunkler Zeit. —
In den Herzen Grausen und Grausamkeit;
In den Kerkern Folter und Geißelschwung.

Durch der Seelen Verdunkelung
Phosphorten Aberglauben und Wahn.

Ein später Gast saß beim rauchigen Spahn,
Daß stille Gesicht wie aus Stein geschnitten.
Durch die Herbstnacht ist er dahergeritten,
Über Sumpf und Bruch ist er hergekommen;
Finstres Volk hat ihn aufgenommen
An der Wegesscheide im öden Krug.

Des Wirtes Willkomm war rauh genug.
Bescheiden war des Fremden Gebahren.
Er hielt ihn für einen simplen Scholaren
Und sah erst dann mit lüsterner Gier,
Wie gut sein Mantel, wie schmuck das Tier,
Dem er die Zaumriemen abgenommen.
Der war kein Bettler. Der war willkommen!

Im Haus war alles in Trab und Lauf.
Eine junge Magd trug das Essen auf,
Lärmlos, lautlos, mit scheuer Hast. —
Mit tiefem Erstaunen sah der Gast,
Daß der Wirt, als sie eintrat, das Kreuzeszeichen
Auf die Stirne sich schlug, die Wirtin desgleichen.
Ein scheltendes, schimpfendes Murmeln begann.

Der Fremde sah nun das M…