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Mara Belcheva - Die Höfe des Schweigens

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Mara Betschewa - Die Höfe des Schweigens



Stumm liegen sie am Ende der Alleen,
Des Schweigens Höfe, dämmerlichtumflossen.
Die hohe Pforte ragt, und vor ihr stehn
Zwei Föhren Wache, wortlose Genossen.

Wer kehrte vor mir in die Höfe ein?
Die Pforte hat sich hinter ihm geschlossen.
Die Vesperglocke tönt im Abendschein —
Ihr Klang verweht, ins Weite ausgegossen.

In seinen Todeszügen liegt der Tag.
Mein Herz zuckt schmerzvoll, müde und verdrossen.
Das Glöckchen tut den letzten, leisen Schlag.
Die stillen Höfe dunkeln nachtumflossen.


Marie Pukl - Erlebnis

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Erlebnis
Ich könnte sammtene Falten um Deine hohe Schlankheit schmiegen. Es sollte meine tastheisse Hand verloren in Deinem Wirrhaar liegen — Die volle Rose biete mir, die um das feuchtweisse Blinken blüht . . . Was weisst Du? Soll ich Dich locken? Soll ich Dich nehmen ehe die Sehnsucht im eigenen Purpur verglüht?

Quelle: Der Sturm, Wochenschrift für Kultur und Künste, Jahrgang 1911, 25. März 1911, Nummer 56 Lebensdaten der Dichterin nicht ermittelbar.

Friedrich Kayssler - Weib, Wind und Mond

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Der Nachtwind hat sich müde getrunken
an den kleinen Wellen des Stroms.
Nun steht er versunken
an einer Weide im Mond.

Ein Weib hat sich müde gegangen
auf steinigen Strassen,
tut sich niederlassen
unter der Weide im Mond.

Der Wind, aus seinem Traume los,
wirft eine Blüte in ihren Schoss.
Da lächelt das Weib
unter der Weide im Mond:

»Bleibe, mein Wind, in deinem Traum.
»Was streust du Blüten auf meinen Leib?
»Sieh, sie berühren mich kaum,
»da welken sie schon –
»Wehe, du Weide im Mond!

»Bin ein verzaubertes Weib, ein Weib
»unter den Mächten des Monds.
»Aber nach wenig Tagen
»bin ich des Zaubers los –
»warte, du Weide im Mond –

»Da komm du zu mir,
»da will ich dich tragen
»wie eine Blüte in meinem Schoss!
»Da sollst du nicht welken,
»da sollst du blühen mir –
»ei du mein Wind –
»unter der Weide im Mond.«
Aus: Friedrich Kayssler, Kreise, Gedichte, Erich Reiss Verlag, Berlin, 1913