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Johannes Trojan – Gedanken der Hausfrau

Johannes Trojan – Gedanken der Hausfrau     

Noch immer strömt herab der Regen,
Und Wolken ballen sich im Thal!
Jetzt hab' ich Zeit zu überlegen,
Was heut schon auf verschiednen Wegen
Sich leise durch die Seele stahl.

Was mag jetzt wohl die Rieke machen?
Ob sie das Haus getreu bewacht?
Ob sie vielleicht mit wildem Lachen
Zu andern sagt: »Weg ist der Drachen!« –
Mir ahnt es, was die Rieke macht.

Noch immer Regen? – Leider! Leider!
Und Rieke? O wie sie stolzirt,
Im allerbesten meiner Kleider
Am Sonntag, wenn zur Hasenheid' er,
Der August, sie und Line führt!

Was für ein Regen! – Leicht errathen
Lässt sich, was sonst die Rieke thut:
Ich seh die Küche voll Soldaten!
Ich seh die Rieke für sie braten,
Und unser Wein schmeckt ihnen gut!

Man raucht in unserm besten Zimmer –
Ha! Wie's in meinem Herzen wühlt! –
Man will auch tanzen – immer schlimmer!
Das Pianino sinkt in Trümmer,
Von rauher Kriegerhand gespielt!

Es klärt sich auf? – Mit moosgem Barte
Der alte Berggreis hat's gesagt.
Auf, ins Gebirg! – Wart, Rieke! Warte!
Dir schreib' ich nächstens eine Karte,
Die sicherlich dir nicht behagt.

aus: Auswahl von Dichtungen Vers und Prosa aus dem Verlag von A. G. Liebeskind in Leipzig, Weihnachten 1892, S. 62 f.

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Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
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Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
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Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
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Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
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Doch dir, o Tod, naht selten nur ihr Fragen,
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Schaffst du…

Pierre Louys - Rosen in der Nacht

ROSEN IN DER NACHT


Wenn die Nacht am Himmel aufsteigt,
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hin uns unsre bloßen Füße führen.

Die Sternlein funkeln genugsam für die klei-
nen Schatten, die wir sind. Manchmal fin-
den wir unter den niederhangenden Zweigen
schlafende Hirschkühe.

Doch zauberischer in der Nacht als alles andre
ist ein Ort, von uns allein gekannt, der uns mäch-
tig auf sich zieht durch den Wald: ein Gebüsch
geheimnisvoller Rosen.

Denn nichts ist göttlich auf der Erde, verglichen
mit dem Duft der Rosen in der Nacht. Wie
kam es nur, daß ich damals, als ich allein war,
mich nicht davon berauscht gefühlt.

Aus: Pierre Louys, Lieder der Bilitis, Übertragen von Richard Hübner, J. Zeitler Verlag, Leipzig, 1901. Illustration von George Barbier

Ludwig Thoma - Sexuelle Aufklärung

Sexuelle Aufklärung

Der alte Storch wird nun begraben. 
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Zu meiner Zeit, du große Güte! 
Da herrschte tiefe Geistesnacht. 
Man ahnte manches im Gemüte 
Und hat sich selber was gedacht. 


Mich lehrte dieses kein Professer; 
Nur eine gute, dicke Magd 
Nahm meine Unschuld unters Messer 
Und machte auf dieselbe Jagd. 


Ihr Unterricht war nicht ästethisch, 
Im Gegenteil, sehr weit entfernt. 
Und doch, wenn auch nicht theoretisch, 
Ich hab' es ziemlich gut gelernt. 


aus: Ludwig Thoma, Kirchweih, Simplicissimus-Gedichte, Albert Langen Verlag, München, 1912