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Es werden Posts vom Mai, 2018 angezeigt.

Annette von Droste-Hülshoff - Der Knabe im Moor

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Annette von Droste-Hülshoff - Der Knabe im Moor



O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Haiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt –
O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor’,
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran, als woll’ es ihn holen;
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohle…

Therese Ferenczy - Führt man bei stiller Dämmerung

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Therese Ferenczy - Führt man bei stiller Dämmerung



Führt man bei stiller Dämmerung
Zum Friedhof trauernd mich,
Dann folgst du auf dem letzten Gang
Dem Sarge hoffentlich.

So wie der Mond die Nacht erhellt
Mit seinem milden Strahl,
So sei mein Segen dir ein Stern
In dunkler Zeit der Qual!

Wenn Lerchen singen ihr Frühlingslied
Auf meinem Leichenstein,
Besuche, Liebster, auch du mein Grab
Bei'm ersten Frühlingsschein.

Die Trauerweide wird flüstern dann
Von Glaube und Hoffnung dir,
Das jenseits der Liebe schöner Lenz
Vergänglich nicht wie hier! 


Aus: Klänge aus dem Osten. 
Ungarische Dichtungen frei übersetzt von Demeter Dudumi 

Narcisa Amália - Bruchstücke

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Narcisa  Amália - Bruchstücke




Mein Herz ist gleich der armen Turteltaube,
Die auf dem Mangobaum im dunklen Laube
Verborgen stöhnt und klagt und seufzt und schwärmt;
Ist gleich dem edlen Schwan im Silberflaume,
Der liebekrank hinhaucht im Wellenschaume
Sein letztes Lied, sehnsüchtig und verhärmt.

Mein Herz ist gleich des Ostens Lotosblume,
Die, eingepflanzt der dürren Ackerkrume
Des Westens, lechzt nach heimatlichem Thau;
Sie neigt das Haupt im bleichen Dämmerschatten
Und lispelt leis' in sterbendem Ermatten:
"Ihr Lüfte, tragt mich fort zur schön'ren Au!"

Ach, könnt' ich auf der Jugendflur in Freude
Vergessen all des Lebens Dorngestäude
Und wandeln Schmerzengall' in Nektarflut,
Dann steigen, um den Mund ein Lilienlächeln,
Empor zu Höh'n, wo Edens Lüfte fächeln,
Im Flügelschwung verzückter Liebesglut!


Übersetzung: Wilhelm Storck