Mittwoch, 1. Mai 2019

Emile Verhaeren - Die Wiese

Emile Verhaeren -  Die Wiese

Otto Mueller - Zwei badende Mädchen


DIE WIESE

Ruhn drei Mädchen hinterm Mühlenwehr
mitten in dem Margaretenmeer;
sind verliebt und lachen
über lauter dumme Sachen.

Wird der Wind sich wohl bemühn,
von den Wangen, die geladen glühn,
zu erfahren, was die flinken Zungen
so zum Zwitschern hat gezwungen?

Tausend Dinge kramt die erste aus,
stockt und zieht verwirrt die Stirne kraus,
flüsterts allen in die Ohren:
daß sie gestern abend jagen ging
und den Wanderschwarm ganz leise fing,
der sich im Gehölz verloren.

Und die zweite will nun auch nicht ruhn,
weiß mit Blicken, die gewitzigt tun,
weiß mit Worten schön zu prahlen:
welche Mühe Hühnerzüchten macht,
wenn der Regen auf die Dächer kracht,
wenn die Fröste Blumen in die Fenster malen.

Ach, die dritte wird schon nicht mehr laut,
Widerrede hat ihr Mundwerk zugebaut,
lustlos läßt sie ihr Gespräch verfließen . . .
Plötzlich trappeln Schritte über den Weg,
nähern sich dem Wiesensteg,
wo die Mädchen sich dem Grün erschließen.

Nah vom Dorf drei Burschen blank und braun
wandern stumm vorüber an dem Zaun,
wo drei Mädchen, die sie da nicht ahnen,
mit den Augen hell zur Einkehr mahnen.

Hoch am Himmel jäh ein Schatten zackt
über Burschen, die kein Umschaun packt.
Und drei Mädchen stehn erbost am Hügel,
bis die Nacht herabschlägt schwarze Flügel.

Nachdichtung von Paul Zech, in. Die wogende Saat, Insel Verlag, Leipzig, 1917

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