Freitag, 30. August 2019

Jens Peter Jacobsen - Namenlos

Jens Peter Jacobsen - Namenlos


Eines Abends gedenk ich vor allen,
Gedenke seiner genau, wehmütig stolz,
In jubelnder Demut. 
Stille wars im Zimmer,
Singendes Schweigen;
So klar und milde fiel der Lampe Schein
Über die feinen, schönen Züge;
Und ich sah  aber nicht, daß das Licht
Über die feinen, schönen Züge fiel 
Nein! es war, als lenkte meine Seele
In schaffender Gewalt den Blick
Fort von des Lichtes zitterndem Strom.
Und ihre Augen sahn auf mich so sehnsuchtsmilde,
Daß mein Gedanke seltsam zu flüstern begann:
Wert sei ich des Besitzes . . .
Dann fiel der Schatten auf die holden Züge.
Kein Wort ward laut
 Denn jedes Wort gab den Gedanken Fesseln ,
Kein Händedruck gewechselt,
Denn daß ich da sei, wußt ich wahrlich nicht.
Doch daß zusammen wir gehören, weiß ich,
Daß nichts in Ewigkeit uns scheiden kann,
War jener Tag auch unser letzt Begegnen. 

Übersetzt von Robert Franz Arnold

Jens Peter Jacobsen (7. April 1847 in Thisted - 30. April 1885 in Thisted) war ein dänischer Schriftsteller.

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