Mittwoch, 11. September 2019

Einar Hjörleifsson - Da sank sie leblos hin . . .

Einar Hjörleifsson - Da sank sie leblos hin . . .



Als jugendlich Weib, liebreizend erblüht,
erschien mir die Sehnsucht, dem Knaben;
mein Blut ward heißer, das Herz war erglüht
und mußte an Liedern sich laben.
Im herrlichsten Grün begann sich der Halm,
vom Wind erst gezaust, zu erheben;
der Sehnsucht Blick durch den Nebelqualm
verlieh ihm ein kräftiges Leben.

Es kam nicht allein, das holdselige Weib,
mit der Jugend rosigem Scheine;
es brachte mit sich ihre Töchterlein,
viel spielende, hüpfende, kleine.
Die sangen so lustig, so laut, so laut,
und flüsterten manchmal so leise, so leise;
dann lachten sie wieder so traut, so traut -
und alles in herziger Kinderweise.

Ich meinte lieblich zu träumen . . .

Dann schied sie wieder, mit einem warmen
und freundlichen Händedruck und sprach:
"Ich geh' und laß dir die Kinder!" - Die armen -
sie wurden meine Hoffnungen, ach!

Und später, nach mancher Jahre Verlauf,
kam sie wieder zu mir, doch allein,
die Sehnsucht mit rosigen Wangen.
Bei ihrem Anblick sprang ich schnell auf,
erfüllt von Angst und von Bangen.
Sie fragte: "Wo sind denn die Töchter mein?"
""Ach, alle gestorben . . . dahingegangen!""

Da sank sie leblos hin mit verblassenden Wangen . . .


Übersetzung: J. C. Poestion

Einar Hjörleifsson Kvaran (6. Dezember 1859 in Vallanes - 21. Mai 1938 in Reykjavík) war ein isländischer Schriftsteller.

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