Mittwoch, 20. Mai 2020

A. De Nora - Geheimnis

A. De Nora - Geheimnis


George Hendrik Breitner - Mädchen in rotem Kimono


In deinem blauen blumenbesäten Kimono
Flatterst du leis
Wie ein Schmetterling, wie ein Blütenblatt
Durch das zärtliche Zimmer.
In der weichen Flut
Des feinen Gewebes ist untergegangen
Ganz, ganz
Dein zierlicher Leib,
Dein schlanker, schmiegsamer Geishaleib,
Und nur dein Köpfchen
Schwimmt auf den Wellen
Und lächelt mich an,
Wie ungelöstes Geheimnis.
— —
Weltgeheimnis —:
Daß euer Haupt
Nur getragen wird
Vom Körper da unten,
Gleich Lotosblumen.
Daß tief ihr verwurzelt
Mit eurem Besten im Unsichtbaren,
In der Natur
Und daß dies Köpfchen,
So souverän es im Reiche des Geistes
Zu herrschen scheint,
Sich wiegt an Trieben,
Die erdgeboren.
»Ich lieb dich«, lächelt die Lotosblüte,
Doch die verborgene Wurzel riefe
Am liebsten:
»In meiner Tiefe
Trüg' ich, o trüge ich — dich,
Und schwellte die weiten Kimonofalten
Mit einem rasend sehnsüchtig empfangenen
Neuen Leben . . .!«

Aus: Chorus eroticus, Neue deutsche Liebesgedichte, Herausgegeben von KarlLerbs, Rainer Wunderlich Verlag, Bremen, 1923

Montag, 20. April 2020

Else Galen-Gube - »Zum letzten Mal . . .«


»Zum letzten Mal . . .«

Ruhig lagst Du auf den weichen Kissen,
Als der Tod Dich, Liebsten mir entrissen,
Und um mich ward plötzlich finst’re Nacht.

Blumen bracht’ ich Dir und meine Thränen,
Und mit unermeßlich heißem Sehnen,
Meiner ganzen, großen Liebe Macht,

Wollt’ ich brechen all die engen Schranken,
Und noch einmal, nicht nur in Gedanken,
Preßte ich Dich heiß an meine Brust.

Hielt’ Dich, mein Geliebten bis die Sonne
Käm’, ein stiller Zeuge meiner Wonne,
Meiner süßen, still-verschwiegenen Lust.

Küßte Dein Gesicht und Deine Hände
Und in Seligkeiten ohne Ende
Liebt’ ich Dich, mein Lieb, zum letzten Mal —

Wüßt’ ich doch, daß alles Glück zerronnen,
Und für mich von Stunde an begonnen
Einsamkeit, ein Leben mir zur Qual.

Aus. Deutsche Dichtung, hrsg. von Karl Emil Franzos - 31 (1901/02), Seite 34

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Dienstag, 17. März 2020

Emmy Hennings - An die Scheiben schlägt der Regen ...

Aus: Emmy Hennings, Die letzte Freude
Gustav Klimt - Danae


An die Scheiben schlägt der Regen.
Eine Blume leuchtet rot.
Kühle Luft weht mir entgegen.
Wach ich, oder bin ich tot?

Eine Welt liegt weit, ganz weit,
Eine Uhr schlägt langsam vier.
Und ich weiß von keiner Zeit,
In die Arme fall ich dir . . .

(Robert Jentzsch gewidmet)

Montag, 16. März 2020

Rainer Maria Rilke - Eva

Eric Gill - Eve


Eva

Einfach steht sie an der Kathedrale
großem Aufstieg, nah der Fensterrose,
mit dem Apfel in der Apfelpose,
schuldlos-schuldig ein für alle Male

an dem Wachsenden, das sie gebar,
seit sie aus dem Kreis der Ewigkeiten
liebend fortging, um sich durchzustreiten
durch die Erde, wie ein junges Jahr.

Ach, sie hätte gern in jenem Land
noch ein wenig weilen mögen, achtend
auf der Tiere Eintracht und Verstand.

Doch da sie den Mann entschlossen fand,
ging sie mit ihm, nach dem Tode trachtend,
und sie hatte Gott noch kaum gekannt.

Samstag, 18. Januar 2020

Hedwig Kym - Sappho’s Traum

Sunset by Max Nonnenbruch


Hedwig Kym - Sappho’s Traum

Hingestreckt am Meeresbusen, der gleich ihrem stürmisch schlug,
Lag sie, die den Kuß der Muse leuchtend auf der Stirne trug.
Kräftig hielt der ewig hehre Helios sein Gespann zurück,
Daß der Schlafenden nicht störe er des Traumes kurzes Glück;
Aeol’s Winde strichen leise über ihre Schläfen hin,
Selbst der Vögel helle Chöre dämpfte milder Göttersinn.

Doch von weichen Lippen flohen Worte wilder Leidenschaft,
Was half aller Götter Schonen gegen eines Traumgotts Haft! —
Der sie hielt in starken Armen, daß das Land, das sie besang,
Tief erröthend mög’ belauschen seines Lieblings Klaggesang.
Denn in wildem Traumesfieber offenbart sie erst den Schmerz,
Der gewohnt zu überschäumen heimlich nur, und sonnenwärts
Ziehend auf verborgnen Gleisen, drang in’s ewige Gemach,
Dort die Seligen zu mahnen, nächtlich, an ihr schweigend: »Ach«.

»Eros, der zu mir gestiegen einst aus sel’ger Götter Rund,
Deiner Liebe heil’ge Lohe stammelnd drücktest auf den Mund,
Bis sie drang zu meinem Herzen, seit ich denke zehrend dort,
Der mich einsam dann gelassen, höre, rührt dich noch mein Wort:
Nimm zurück den Trank der Lieder, denn dein heißer Nektarwein
Schäumt zu wild für eines Weibes schwaches menschliches Gebein;
Weh, schon fühl’ ich in mir wachsen maßlos deinen Schönheitssinn,
Staunend lauscht man meinen Sängen, doch mich selber schleppt man hin
In den Staub — als könnt man trennen mich vom Licht, das mich erhellt —
Fürder deinen Namen jauchzen heiß’ mich nicht so schmachentstellt.
Eros, der für Leib und Seele du im Brautkuß mir erweckt
Maß der Reinheit, sie zu preisen, nimm es von mir! es befleckt
Was der Götter Gunst gewähret in der Menge Aug’; die Lust
Kennt sie nur, nur die Begierde, nicht die Keuschheit uns’rer Brust.
Ruf’ Begeist’rung, die entsprossen kann nur Himmelspfaden, ruf’
Sie zurück, sie krümmt verloren hier sich unter Rosseshuf!

Laß mich sanglos fürder schmachten, nimm dein Ewiges dahin,
Eh’ mit Läst’rung sie’s umnachtend durch Aeonen frefelnd zieh’n!« —
Träumend ruft sie’s in die Lande, steigend auf mit Nebeln kraus,
Vor der Sel’gen Herrschersitzen hallen ihre Seufzer aus.
Eros zürnt: »was sie verliehen, nehmen rückwärts Götter nicht,
Lebe rein vor mir dein Leben, nicht vor menschlichem Gericht!«
Und sie hört im Traum ihn klagen: »täuscht sich so im Weib ein Gott,
Mag dem Himmel es entsagen wirklich um den ird’schen Spott!«

Strafend schüttelt1  »wie in Fichten tobt der Wind, ihr Herz er« — sieh,
Mitten aus den irren Träumen quillt ihr neue Melodie!
Schöner war er nie erschienen ihr als heut, im heil’gen Zorn,
Freudig nimmt sie, ihm zu leben, seine Liebe mit dem Dorn;
Reißt sich aus des Traumgott’s Armen und — von Reu’ und Stolz durchglüht,
Schenkt in Weisen wieder, reichen, Eros sie ihr warm Gemüth;
Daß der Sklavin Herz ihm dienend, stets fort sinne reinern Laut,
Draus für eine Menschheit süße wunderbare Labung thaut.

Lange thränten rings die Fluren ob dem offenbarten Weh,
Doch zum schwer errung’nen Siege jauchzte laut der Gischt der See.
Schneller trieb fortan der hehre Helios seine Rosse an.
Riß, zum Wettlauf hoher Ehre, Sappho’s Lied in seine Bahn;
Aeol’s Winde strichen leise, Rythmen flüsternd, um ihr Ohr,
Um die lieblichste der Weisen neidet’ sie der Vögel Chor.

1 Sappho.

Aus: Hedwig Kym, Gedichte, Verlag von Schabelitz, Zürich, 1886


Freitag, 18. Oktober 2019

Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten

Wilhelm von Chézy - Das Räthsel der schönen Unbekannten.

Ein holdes Räthsel soll ich lösen,
Und schon ist mir die Deutung klar,
Ich weiß, der Anmuth Art und Wesen
gleich und lieblich immerdar,
Und soll ich nicht die Schöne kennen,
Die freundlich meinem Liede lauscht,
Als Gott muß ich die Schönheit nennen,
Die mit Begeissrung mich berauscht.

Der Schönheit wundervoller Segen,
Der jedes Künstlerauge weiht,
Wie oft schon strahlt’ er mir entgegen
An seiner ganzen Göttlichkeit;
Drum kenn’ ich auch in Deinen Blicken
Den Himmelsglanz, der sie durchglüht,
Und schnellbeflügelt vom Entzücken
Schwingt sich zu Dir empor mein Lied.

Und wenn mich einst mein Wanderleben
Auf Deine Blumenpfade führt,
So wird in mir die Saite beben,
Die Deine Zauber jetzt gerührt, —
Wenn mich der rasche Schritt der Zeiten
Vorüberreißt mit Sturmgewalt,
Laß dann mich nicht vorübergleiten
Gleich einem Schatten, stumm und kalt.

Und warst Du unsichtbar geblieben,
So kommst Du wohl zu einem Stein,
Drauf steht von Freundesband geschrieben;
»Der Schönheit Sänger schließ’ ich ein.«
Dann denke, auch zu Deinem Ruhme
Sang dieser vielbewegte Sinn,
Und freundlich eine kleine Blume
Legst Du zum kalten Marmor hin.

                    Wilhelm von Chézy

Damen Zeitung.
Ein Morgenblatt für die Elegante Welt.
Nr.70  24. März 1830.

Sonntag, 15. September 2019

Arvid August Afzelius - Das Lied des Nix

Arvid August Afzelius - Das Lied des Nix


Tief im Meer, auf Demantenkissen,
Sitzt der Nix, in dem grünen Saal,
Nächt'ge Jungfraun eifrig sind beflissen
Zu verschleiern Berge und Thal.
Abend steht im schwarzen Hochzeitskleid;
Kein Geräusch, kein Lüftchen hört man weit und breit.
Alles rings auf den Feldern schweigt,
Wenn goldner Burg Meerkönig nun entsteigt.

Aegirs Töchter schaukeln ihn so leise,
Wenn er schwebt auf der See daher,
Trüb klingt zu der Harfe seine Weise,
Sucht sich fern ein Grab im Meer.
Fest sich hebt sein Aug' zu dunklem Himmelsplan,
Daß die Königin kommt - kein Stern zeigt's an,
Freya kämmet ihr goldnes Haar,
Die Harfe schlägt der Nix, an Freude baar.

Stern, wo bliebst Du, wann soll ich Dich schauen!
In der blauenden Dämmerung Stund?
Du, die schönste von der Erde Frauen,
Warst meine Braut auf des Meeres Grund,
Wenn mein Zauber füllt das Herz mit süßer Lust,
Schwoll in seligem Entzücken meine Brust.
Hin dann stellt ich, im Flusse, kühl,
Die goldne Harfe, ließ mein Saitenspiel!

Odin hob Dich auf zu reinern Orten,
Ewig nun strahlst Du auf himmlischer Flur,
Einsam ist Dein Harfner jetzt geworden,
Hat Dein Bild, Deinen Namen nur!
Wenn die Midgaardsschlange einst erhebet sich,
Alles sich erlöst - seh ich dann wieder Dich?
Ja, dann soll ich auf Wogen traut,
Zaubern neue Welt im goldnen Harfenlaut!

So der Arme. Doch am Himmelsrande
Lächelt Freya süß durch die Nacht,
Ewig auf die goldbestreuten Strande
Ihre Thränen träufelten sacht'.
Ihren Freund im Meere grüßte sie so mild,
Wogen spiegeln zitternd sanft der Holden Bild,
Freudig der Nix auf der Woge schlägt
So hell die goldne Harfe, tief bewegt.

Nächt'ge Jungfrau'n, klare Sterne wallen
In dem stillen Abend zum Tanz,
Wenn vom Strand die Silbertöne schallen
Schimmernd über ihm voll Glanz.
Wenn der Tag sich blutig dann im Ost erhebt,
Bleicht die sanfte Maid, die schnell von hinnen schwebt;
Sehnt sich nach dem Trauten so sehr,
Doch die goldne Harfe tönt nicht mehr!


Übersetzung: Edmund Lobedanz

Arvid August Afzelius (6. Mai 1785 in Hornborga - 25. September 1871 in Enköping) war ein schwedischer Priester, Psalmist und Forscher schwedischer Volkskunde.

Freitag, 13. September 2019

Johan Sebastian C. Welhaven - Wann kommt die Rosenzeit?

Johan Sebastian C. Welhaven - Wann kommt die Rosenzeit?


Du erste Rose, du, die ich seh,
In dieses Thales Eden,
Dein Lächeln weckt mir süßes Weh,
Doch süß auch mußt du nun reden.

O, sag mir es doch, ob der Lenz nicht hier,
Bald, bald, mit Flügeln erblühet
Für sie, die du kennst, o sag es mir;
Für sie ja mein Herze erglühet!

Für sie, die stolz, voll treuem Muth,
Die Weh mir niemals konnte bringen;
Den dornenvollen Weg mach' ich breit und gut,
Der Liebe, o, muß Alles ja gelingen.

Übersetzung: Edmund Lobedanz 

Johan Sebastian Welhaven, „Johan Sebastian Cammermeyer Welhaven“ (22. Dezember 1807 in Bergen - 21. Oktober 1873 in Christiania) war ein norwegischer Lyriker, Literaturkritiker und Kunsttheoretiker.

Donnerstag, 12. September 2019

Jens Peter Jacobsen - An Asali

Jens Peter Jacobsen - An Asali



Sonst träumt' ich wohl jedwede Nacht,
Ich hätte dein Herz gewonnen;
Ach, finster erschien mir des Tages Pracht,
Wenn der selige Traum zerronnen.

Nun quält mich allnächtlich ein Traumgesicht,
Ich hätte dein Herz verloren;
O wie scheint mir der Tag nun klar und licht
Und mein Glück aufs neue geboren.


Übersetzung: Robert F. Arnold 

Jens Peter Jacobsen (7. April 1847 in Thisted - 30. April 1885 in Thisted) war ein dänischer Schriftsteller.

Mittwoch, 11. September 2019

Einar Hjörleifsson - Da sank sie leblos hin . . .

Einar Hjörleifsson - Da sank sie leblos hin . . .



Als jugendlich Weib, liebreizend erblüht,
erschien mir die Sehnsucht, dem Knaben;
mein Blut ward heißer, das Herz war erglüht
und mußte an Liedern sich laben.
Im herrlichsten Grün begann sich der Halm,
vom Wind erst gezaust, zu erheben;
der Sehnsucht Blick durch den Nebelqualm
verlieh ihm ein kräftiges Leben.

Es kam nicht allein, das holdselige Weib,
mit der Jugend rosigem Scheine;
es brachte mit sich ihre Töchterlein,
viel spielende, hüpfende, kleine.
Die sangen so lustig, so laut, so laut,
und flüsterten manchmal so leise, so leise;
dann lachten sie wieder so traut, so traut -
und alles in herziger Kinderweise.

Ich meinte lieblich zu träumen . . .

Dann schied sie wieder, mit einem warmen
und freundlichen Händedruck und sprach:
"Ich geh' und laß dir die Kinder!" - Die armen -
sie wurden meine Hoffnungen, ach!

Und später, nach mancher Jahre Verlauf,
kam sie wieder zu mir, doch allein,
die Sehnsucht mit rosigen Wangen.
Bei ihrem Anblick sprang ich schnell auf,
erfüllt von Angst und von Bangen.
Sie fragte: "Wo sind denn die Töchter mein?"
""Ach, alle gestorben . . . dahingegangen!""

Da sank sie leblos hin mit verblassenden Wangen . . .


Übersetzung: J. C. Poestion

Einar Hjörleifsson Kvaran (6. Dezember 1859 in Vallanes - 21. Mai 1938 in Reykjavík) war ein isländischer Schriftsteller.

Dienstag, 10. September 2019

Fredrika Bremer - Der Schnee

Fredrika Bremer - Der Schnee


Sinkt, Flocken, nur herab,
Und macht mir kalt mein Grab!
Der Brust, die siedet hier,
Wird Kühlung einst bei dir!

Und senkt' man mich hinab,
Senkt mehr dann auf mein Grab,
Dann bin ich wohl verwahrt,
Wenn ich vergessen ward!

Denn - keine Mutter soll
Mich suchen, trauervoll,
Kein Vater, trüb im Sinn,
Soll fragen, wer ich bin.

Nicht mit der Sorge schwer
Kommt eine Schwester her,
Und keines Bruders Herz
Hier schüttet aus den Schmerz!

Kein einz'ger treuer Freund
Kommt an mein Grab und weint,
Und weiht, beim Morgenlicht,
Mir ein Vergißmeinnicht.

Er, der mir Alles galt,
Geh' drüber stumm und kalt,
Die Braut an seinem Arm,
Beglückt und liebeswarm.

Ach, eis'ge Flocken, fall't,
Macht's Bette doppelt kalt,
Damit das Herz, so brach,
Nicht wieder neu erwach'!

Übersetzung: Edmund Lobedanz

Fredrika Bremer (17. August 1801 auf dem Gut Tuorla bei Piikkiö - 31. Dezember 1865 auf Schloss Årsta, Gemeinde Haninge) war eine schwedische Schriftstellerin und Initiatorin der schwedischen Frauenbewegung.

Montag, 9. September 2019

Jens Peter Jacobsen - Irmelin Rose

Jens Peter Jacobsen - Irmelin Rose


Seht, es war einmal ein König,
Als den Reichsten pries man ihn,
Und der beste seiner Schätze
Hieß mit Namen Irmelin,
Irmelin Rose,
Irmelin Sonne,
Irmelin alles, was schön war.

Schier von jedem Ritterhelme
Wehte ihrer Farben Schein,
Und mit jedem Reim der Sprache
Klang ihr Namen überein:
Irmelin Rose,
Irmelin Sonne,
Irmelin alles, was schön war.

Freier kamen scharenweise
Hergezogen zum Palast,
Und zu zärtlichen Geberden
Klang ihr Schmeicheln ohne Rast:
Irmelin Rose,
Irmelin Sonne,
Irmelin alles, was schön ist.

Doch Prinzessin Stahlherz jagte
All die Freier schnippisch fort,
Fand an jedem was zu tadeln,
Hier die Haltung, da das Wort.
Irmelin Rose,
Irmelin Sonne,
Irmelin alles, was schön ist.

Übersetzung: Robert Franz Arnold

Jens Peter Jacobsen (7. April 1847 in Thisted - 30. April 1885 in Thisted) war ein dänischer Schriftsteller.

Sonntag, 8. September 2019

Gisli Brynjulfsson - Des Himmels Licht zu schaun

Gisli Brynjulfsson  - Des Himmels Licht zu schaun


Des Himmels Licht zu schaun - o süße Lust
zur Dämmerzeit!
Doch süßer ist es, an der Liebsten Brust
zu ruhn in Welt- und Selbstvergessenheit!

Gar wonnig schmeckt des Metes süßer Trank
zur Abendstund'. -
Doch wär' mir selbst vor Tod und Hel* nicht bang,
reicht mir die Liebste ihren süßen Mund.

Klar ist das Wasser, klarer ist der Wein -
wer weiß das nicht?
Noch klarer ist des Lachens goldner Schein,
der aus den Augen meines Mädchens bricht!

So laßt uns trinken klaren Wein im Kreis
bei Sang und Klang,
und klarer Augen zu der Liebsten Preis
laßt uns gedenken unser Leben lang! 

* Hel - die Todesgöttin
_____

Übersetzung: J. C. Poestion

Gísli Gíslason Brynjúlfsson (3. September 1827 in Ketilsstaðir á Völlum - 29. Mai 1888 in Kopenhagen) war ein isländischer Schriftsteller. Er gilt als der erste politische Dichter Islands.

Samstag, 7. September 2019

Björnstjerne Björnson - Das blonde Mädchen

Björnstjerne Björnson - Das blonde Mädchen


Ich weiß, sie wird sich von mir wenden,
So scheu, wie je ein Traum entwich -:
Und doch, ich kann nur immer enden:
Du blondes Kind, ich liebe dich!
Ich liebe deiner Augen Träume:
So weilt auf Schnee der Mondnacht Ruh
Und tastet sich durch steile Bäume
Nur ihr verschlossnen Tiefen zu.

Ich liebe diese Stirn: ein Siegel
Der Reinheit, blickt sie sternenklar
In der Gedankenfluten Spiegel,
Der eignen Fülle kaum gewahr.
Ich liebe dieses Haar, sich drängend
Aus seines Netzes strengem Band:
Voll kleiner Liebesgötter hängend,
Verlockt es Auge mir und Hand.

Ich liebe diese schlanken Glieder
Mit ihrem Rhythmus wie Gesang.
Hell klingt des Lebens Wonne wieder
Aus ihrer Pulse dunklem Drang.
Ich liebe diesen Fuß, dich tragend
In deiner Herrlichkeit und Kraft,
Durchs muntre Land der Jugend wagend
Den Weg zur ersten Leidenschaft.

Ich liebe diese Lippen, Hände,
In Amors eifersüchtiger Pacht;
Des Würdigsten als Siegesspende
Gewärtig und für ihn bewacht.
Ja, schürze nur die schönen Brauen
Und wende dich zur Flucht und sprich:
Kein Mädchen dürfe Dichtern trauen.
Ich liebe dich! Ich liebe dich!

Übersetzung: Christian Morgenstern

Bjørnstjerne Martinius Bjørnson (8. Dezember 1832 in Kvikne (fylke Hedmark) - 26. April 1910 in Paris) war ein norwegischer Dichter, Literaturnobelpreisträger und Politiker. Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne.

Freitag, 6. September 2019

Björnstjerne Björnson - Das Mädchen am Strand

Björnstjerne Björnson - Das Mädchen am Strand


Sie ging am Strande so jung dahin,
Sie dachte an nichts in ihrem Sinn.
Da kam ein Maler geschritten heran,
Der im Schatten sodann,
In des Meeres Bann,
Den Strand und sie zu malen begann.

Langsamer im Kreise ging sie dahin;
Ein einziger Gedanke, der lag ihr im Sinn:
Sie dacht an das Bild auf der Leinewand,
Wo sie selbst stand,
Sie selber am Strand,
Und im Meer mit dem Himmel gespiegelt sich fand.

Es trieb, es zog ein Traum sie dahin;
Sie dachte an vieles in ihrem Sinn:
Weit, weit übers Meer und doch so nah
Zum Strand, den sie sah,
Zum Mann allda -
Ei, was für ein sonniges Wunder geschah!

Übersetzung: Ludwig Fulda

Bjørnstjerne Martinius Bjørnson (8. Dezember 1832 in Kvikne (fylke Hedmark) - 26. April 1910 in Paris) war ein norwegischer Dichter, Literaturnobelpreisträger und Politiker. Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne.

A. De Nora - Geheimnis

A. De Nora - Geheimnis George Hendrik Breitner - Mädchen in rotem Kimono In deinem blauen blumenbesäten Kimono Flatterst du leis ...