Direkt zum Hauptbereich

Anna Maria Lenngren - Der Besuch der Gräfin

Der Besuch der Gräfin.

Behüte! so draussen wie drinnen welch' Leben!
Im Pfarrhof flog Teller und Tuch!
Die gnädige Gräfin liess melden soeben,
Sie komme zum Mittagsbesuch.

Frau Pfarrer hielt Rat mit der Tochter Luise;
Galt's doch, an so wichtigem Tag
Zu zeigen an Speisen, Gedeck und Service,
Was Küche und Keller vermag.

Abstäubte den Saal man, die Prachtkonterfeie
Der Vorfahr'n, altfränkisch und steif:
Hochwürd'ge mit Bibeln, Matronen voll Weihe,
Geschnürten Korsetts und im Reif.

Der Hausherr trug heut' seine schönste Perücke,
Frau Pfarrer ihr Seidengewand,
Luise vom besten — dass sie auch sich schmücke! —
Was nur in der Truhe sich fand.

Da endlich erschien an dem Gitter vor'm Hause
Die Grafin mitsamt der Komtess —
Der Pfarrer empfing sie im nobelsten Flause,
Devot zwar, voll Würde indes.

Vergnügten Gesichts knixten tief auf der Treppe
Frau Pfarrer und Tochter bereits,
Sich bückend, als wollten sie küssen die Schleppe
Des aristokratischen Kleids.

Den Saal nun betraten die vornehmen Gäste;
Der Pfarrer beschrieb voller Glut
Die Ehre, die man durch dies Fest aller Feste
Dem Haus zu erweisen geruht.

Drauf wurde die Herrschaft zur Tafel geleitet,
Die unter der Last brach — so schien's.
Herablassend hat sich die Gräfin verbreitet,
Zuviel sei es hier des Bemüh'ns.

Der Pfarrerin Kochkunst, wie lobte sie diese,
Das Essen in jeglichem Punkt,
Dann neckte sie taktlos, doch gnädig Luise
Mit des Hauses gelehrtem Adjunkt.

Die Finger Komtesschens, wie Schnee zum Erblinden,
Sie lösten vom Küchlein ein Stück
Des Flügels zur Spende dem Hündchen, Belinden —
Sie selbst wies fast alles zurück.

Die Gäste sah'n stehen den Hauspotentaten
(Mit Blicken sich sendend Rapport),
Wie, Schweiss auf der Stirn, er, das Messer im Braten,
Sich bückte bei jeglichem Wort

Dann reichte Frau Pfarrer mit herzlichem Nöt'gen
Die Schüsseln herum, die gehäuft,
Die rötlichen Erdbeeren, die leckeren Brötchen —
Der Segen des Herrn, wie er träuft!

Spritzkuchen und Pontac sind auch nicht zu tadeln:
So gab es hier manchen Genuss;
Die Herrschaft sass aber zuletzt wie auf Nadeln,
Doch da war der Mahlzeit Beschluss.

Auf Vaters Geheiss kam nun hastig gesprungen
Ein Rudel, tiefbräunlich und feist;
Drauf gnädig Gefrag' nach den Namen der Jungen —
Und Antworten tölpisch und dreist.

Frau Pfarrer, die Arme gekreuzt, ganz behäbig,
Sie rühmte in Tönen so weich
Der Tochter Talente, im Lobe freigebig,
Als käme Luisen nichts gleich.

Die mustert indes der Komtess Toilette,
Die Spitzen und Schleifen am Kleid,
Erwägend, wie gern sie die Herrlichkeit hätte,
Den Freundinnen allen zum Neid.

Zuletzt gab's Kaffee aus altmodischer Kanne
— Geschenk des Hochsel'gen! — Im Ton
Der Parentation hielt der Pfarrer dem Manne,
Dem trefflichen, einen Sermon.

Er pries ihn als Heros, wie Gott ihn nur schicke
Und man ihn nicht wieder hier trifft,
Vergass auch nicht, dass er die Rede brav spicke
Mit Stellen der heiligen Schrift.

Nachseufzte geziemend die Gräfin dem Toten,
Zog schnell aus der Tasche ihr Tuch,
Sprach gnädig davon, dass man viel ihr geboten, —
Und fort ging der hohe Besuch.

Geleit gab der Pfarrer der Herrschaft als Ritter,
Frau Pfarrer und Tochter jedoch,
Sie knixten am Thor, und sie knixten am Gitter
Und knixen und knixen wohl noch!

Aus: Die zehnte Muse, Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl, herausgegeben von Maximilian Bern, Verlag Otto Eisner, Berlin, 12. Tsd. 1904, S. 208 ff.
Digitalisate 1, 2 & 3

Grevinnans besök
Bevars, vilket fläng både ute och innan!
Hos prästens vad stoj och vad stök!
Ett bud hade kommit, att nådig grevinnan
tänkt göra ett middagsbesök.

Pastorskan höll råd med sin dotter Lovisa
om ordning med dukning och fat.
Hon ville sitt kokvett vördsamligen visa
med ståtlig välfägnad och mat.

Nu dammades salen och gamla porträtter,
stamfädren förnämst däribland:
matronor med nattyg och snörda korsetter
och präster med biblar i hand.

Pastorskan påklädde sin långkoft av siden,
herr pastorn sin bästa peruk;
Lovisa sin dräkt, som den framfarna tiden
var årshelg kom endast i bruk.

Nu syntes grevinnan och fröken vid hagen,
herr pastorn till mötes dem gick
med ideligt jämk på kaftanen och kragen
i städat och prästerligt skick.

På trappan, med nigningar täta och djupa,
stod prästfrun så gladlynt i soln;
och dotter och mor foro ödmjukt framstupa
att kyssa den grevliga kjoln.

I salen det högborna främmandet trädde;
herr pastorn med bugning och krus
beskrev, hur man underdån-hjärtligt sig glädde
av äran, som skedde hans hus.

Det grevliga herrskapet fördes till bordet,
Guds gåvor det feltes ej där;
grevinnan så nedlåten nådigt tog ordet:
"Bevars, vad ni gjort er besvär!"

Pastorskans anrättning hon täcktes beprisa;
fann dillköttet läckert och ungt;
berömde ostkakan och brydde Lovisa
för husets vällärde adjunkt.

Och fröken, med fingrar som snön att förblinda,
en vinge av kycklingen bröt
och matade stundom sin sköna Belinda
och föga av rätterna njöt.

De förnäma gäster med blick på varannan
bemärkte herr pastorns gestalt
med kniven i steken och svetten i pannan
och trugning och bugning vid allt.

Pastorskan tog skålen med smultronen bräddad;
allt var så hjärtinnerligt unt,
var tallrik hon böd som en ättehög bäddad;
allt rikligt, tillräckligt och runt.

Med klenät och struvor och pontak och skålar
på tiden så länge drog ut.
Det grevliga herrskapet satt som på nålar;
men äntlig tog måltiden slut.

In kommo nu plantor, solbrända och feta,
framhavda av mor och av far. -
Och nådiga frågor, vad ungarna heta -
och tröga och tölpiga svar.

Pastorskan, så ärbar med korslagda nävar,
kom fram med en stämma så mjäll
med tal om Lovisa och sysslor och vävar -
och kors, vad den flickan var snäll!

Lovisa begapade frökens garnering
och bjäfset kring kjortel och barm
med spekulation på en dylik stoffering
till granngåls-mamsellernas harm.

Nu framböd hon kaffe ur kannan, som blänkte
i gammal siratlig fason,
och över herr greven, som fordom den skänkte,
höll pastorn en parentation.

Om stora bedrifter nu skar han i växten
med vältaligt krångel och bråk
och kryste förståndet och späckade texten
med Skriftenes heliga språk.

Med anständig suck för den saliga döda
grevinnan drog näsduken opp;
en artighet sade för prästfolkets möda,
böd avsked och tog sin salopp.

Och pastorn nu grevskapet följde till linden -
han sedsamma dotter och fru
nu nego vid trappan, vid porten, vid grinden,
och stå där och niga ännu.
Quelle: Schwedisch-sprachige Wikisource

Beliebte Posts aus diesem Blog

Albert Möser - An den Tod

An den Tod.
Im Lärm des Tages sind sie starr befangen:
Seht an die Jagd, die stürmisch-ruhelose,
Mild rast der Schwarm, dem Nichts vermag zu wehren;
Ein Jeder ringt, daß er, was nützt, erlose,
Nach ird’schem Wohl steht einzig sein Verlangen,
Ihm jagt er nach mit Sorgen, lastend-schweren;
Genuß! heißt ihr Begehren,
Der winkt und lockt sirenenhaften Klanges
Und bändigt ganz der bebenden Gedanken;
Ihn suchen, die da athmen, all’ und ranken
Um’s irdische Sein sich zäh’ und gier’gen Dranges;
Am Staube seht ihr durst’gen Sinns sie kleben,
Und ihrer Sehnsucht Ziel heißt: Leben! Leben!
Doch dir, o Tod, naht selten nur ihr Fragen,
Sie lieben’s nicht, den Geist dir zuzuwenden,
Und deinen Namen nennt nicht gern die Lippe;
Denn sieh! dein Amt ist, mitleidlos zu enden
Das Sein, das sie entzückt, und drum mit Zagen Malt dich ihr Geist als höhnisches Gerippe;
Mit Stundenglas und Hippe,
Hohläugig, grinsend, wangenlos und beinern,
Also im Sinn lebst du dem Erdensohne,
Und schreckhaft gleich dem Haupte der Gorgone
Schaffst du…

Ludwig Thoma - Sexuelle Aufklärung

Sexuelle Aufklärung

Der alte Storch wird nun begraben. 
Ihr Kinder lernt im Unterricht, 
Warum wir dies und jenes haben, 
Und es verbreitet sich das Licht. 


Zu meiner Zeit, du große Güte! 
Da herrschte tiefe Geistesnacht. 
Man ahnte manches im Gemüte 
Und hat sich selber was gedacht. 


Mich lehrte dieses kein Professer; 
Nur eine gute, dicke Magd 
Nahm meine Unschuld unters Messer 
Und machte auf dieselbe Jagd. 


Ihr Unterricht war nicht ästethisch, 
Im Gegenteil, sehr weit entfernt. 
Und doch, wenn auch nicht theoretisch, 
Ich hab' es ziemlich gut gelernt. 


aus: Ludwig Thoma, Kirchweih, Simplicissimus-Gedichte, Albert Langen Verlag, München, 1912



Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt

Edgar Steiger - Nächtlicher Ritt


Ich bin der Sturm, der über dich braust,
Du schönste der Edeltannen.
Ich halte dich fest in krampfender Faust
Und trage dich hurtig von dannen.

Schweratmend ruhst du, selig glühende Frau,
Auf meinen bebenden Armen.
Aus deinen Haaren küss' ich den Tau,
Und fühle ein wildes Erwarmen.

Warm über die zuckenden Glieder rinnt
Der rieselnde Mainachtsregen,
Und die Liebe überschauert dich lind
Mit ihrem süßesten Segen.

Und wärst du der Teufel und wärst du der Tod,
Ich will dich umschlingen und pressen
Und das lachende Glück und die wimmernde Not
Und die eigene Seele vergessen.


Aus: Chorus eroticus, Neue deutsche Liebesgedichte, Herausgegeben von Karl Lerbs, Rainer Wunderlich Verlag, Leipzig, 1921