Erich Mühsam - Die Internationale


Die Internationale
(Nach dem französischen Original)

Erwacht, im Erdenrund ihr Knechte!
Erwacht aus Hunger, Qual und Fron!
Im Erdkern grollen eure Rechte,
Zum Endkampf auf, zur Rebellion!
Räumet auf mit eisernem Besen!
Sklaven all, erwacht! erwacht!
Sind wir bis heute nichts gewesen,
Jetzt wollen wir die ganze Macht!
Leuchtend glühn die Fanale!
Zum Kampf! Der Würfel fällt!
Die Internationale
Erstürmt, befreit die Welt!

Wir brauchen keines Gotts Verzeihen,
Wir brauchen keines Kaisers Rat.
Das Volk muß selber sich befreien.
Sei einig, Proletariat!
Mag der Reiche selber Diebe greifen,
Mag er selber Kerker baun!
Laßt uns die eignen Aexte schleifen.
Das Eisen glüht, jetzt laßt's uns haun!
Leuchtend glühn die Fanale usw.!

Vom Staat und vom Gesetz betrogen,
In Steuerfesseln eingeschnürt,
So wird uns Gleichheit vorgelogen
Vom Reichen, der kein Elend spürt.
Lang genug ertrugen wir die Knechtung.
Länger lügen wir uns nicht.
Erkämpft statt Pflichten bei Entrechtung
Das gleiche Recht bei gleicher Pflicht!
Leuchtend glühn die Fanale! usw.

Laßt los die Hebel der Maschinen!
Zum Streik heraus aus der Fabrik!
Dem Werk der Zukunft laßt uns dienen,
Der freien Räterepublik!
Nieder mit der Vaterländer Grenzen!
Nieder mit dein Völkerkrieg!
Der Freiheit Morgenfarben glänzen.
Die rote Fahne Führt zum Sieg!
Leuchtend glühn die Fanale!


Aus: Erich Mühsam, Revolution, Kampf-, Marsch- und Spottlieder, Verlag Der Freie Arbeiter, Rudolf Oestreich, Berlin, 1925, S. 15 f.

Digitalisate 1 & 2

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